Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Herkunft der sommerlichen Gäste in der südlichen Nordsee ist unbekannt. Sie könnten dem Bestand entstammen, der im westlichen Ärmelkanal überwintert (Reid et al. 2003, Brereton et al. 2005, Van der Meij & Camphuysen 2006, De Boer et al. 2008). In Nord- und Ostsee sind jedenfalls keine eigenständigen lokalen Populationen bekannt. Vermutlich bildet der gesamte Bestand des (östlichen) Nordatlantiks eine einzige Population (Evans & Teilmann 2009).

Die Gewöhnlichen Delfine im Schwarzen Meer bilden einen isolierten Bestand und sind als eigenständige Unterart, Delphinus delphis ponticus, anerkannt.

Erst vor einigen Jahren wurde der Langschnäuzige Gewöhnliche Delfin als eigenständige Art, Delphinus capensis, abgespalten, die in küstennahen Zonen Afrikas, Asiens und Nord- und Südamerikas vorkommt.

Gefährdungsursachen

Der Gewöhnliche Delfin ist hauptsächlich durch Ersticken in Fischereigeschirr (Beifang) und durch schleichende Vergiftung gefährdet.

Fischereiwirtschaft

  • Im östlichen tropischen Pazifik (ETP) vergesellschaften sich Thunfische oft mit großen Delfingruppen, was dazu führte, dass Fischer ihre Ringwaden um Delfingruppen zusammenzogen und jährlich im ETP bis zu einer Viertelmillion Delfine als Beifang umkamen. Die US-Gesetzgebung verlangt heute eine Schonung der Delfinbestände („dolphin-friendly tuna“), so dass nur noch wenige tausend Delfine jährlich beim Thunfischfang als Beifang sterben. Dennoch zeigen die dortigen Delfinbestände bisher keine Erholung, wofür zunehmend nicht-tödliche Effekte wie die (Zer-)Störung der Mutter-Kalb-Bindung verantwortlich gemacht werden. Eine solche Fischerei gibt es in Europa nicht, da die Vergesellschaftung von Thunfischen und Delfinen nur im Pazifik vorkommt.
  • In europäischen Gewässern, insbesondere zwischen Irland und der Biskaya, werden Gewöhnliche Delfine stattdessen in den riesigen Schleppnetzen der Wolfsbarschfischerei jährlich zu Hunderten oder gar Tausenden beigefangen. Der Beifang wird teilweise mit Hilfe des Einsatzes akustischer Scheuchgeräte vermieden (Berrow et al. 2008).

Sonstige

  • Die Einleitung von Schwermetallen und kaum abbaubaren organischen Giften führen zu einer ständig anwachsenden Anreicherung von Quecksilber und Polychlorierten Biphenylen (PCB), z.B. im Fettgewebe der Gewöhnlichen Delfine (Stein et al. 2003, Tornero et al. 2006). Dabei wird u.a. auch regelmäßig der Grenzwert von 17 µg ΣPCB / g Leberfett überschritten, der bei Meeressäugern nachweislich zu Problemen bei der Fortpflanzung führt (Kannan et al. 2000).
  • Da der Gewöhnliche Delfin eine wärmeliebende Art ist, könnte es im Zuge der globalen Klimaerwärmung zu einer Arealausbreitung dieser Art nach Nordosten kommen. Schon heute werden derartige Entwicklungen im Ärmelkanal und in Nordost-Schottland diskutiert (Macleod et al. 2009, Robinson et al. 2010). Ob eine solche Ausbreitung für den Gewöhnlichen Delfin insgesamt vorteilhaft sein wird, muss sich erst noch zeigen.
  • Wie alle Zahnwale verfügt der Gewöhnliche Delfin über hervorragende Fähigkeiten der Echoortung und über ein hochsensibles Gehör, auf welches er u.a. zur Jagd und zum Überleben angewiesen ist. Daher reagiert er empfindlich auf Unterwasserlärm, z.B. von seismischen Erkundungen (Air-guns) und anderem Industrielärm (wie z.B. Rammschall) sowie vermutlich auch auf starke Militär-Sonare und Schiffslärm.

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) nicht enthalten
Rote Liste Europa (www.iucnredlist.org/initiatives/europe) DD (Daten unzureichend)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) bisher keine Bearbeitung

Verbreitung

Literatur

 Literatur