Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Da sich die Art mit Eintreten der sommerlichen Überflutung überwiegend durch Ausläufer vermehrt und das Wachstum im nächsten Frühjahr demzufolge sehr oft wieder dort einsetzt, wo auch im Vorjahr Pflanzen standen, ist ihr Verbreitungsraum nur auf wenige Quadratmeter begrenzt (Zehm et al. 2008). Neue Lebensräume können nur dann erschlossen werden, wenn es zur Fruchtreifung kommt und die Samen über das Wasser oder durch Wasservögel an andere Uferbereiche verteilt werden können. Lokale Populationen können deshalb gemäß ihrem Vorkommen an bestimmten Seeuferabschnitten voneinander unterschieden werden. Am bayerischen Ufer sind diese Kiesstrandabschnitte durch Bebauung voneinander getrennt und dadurch eindeutig abgrenzbar.

Gefährdungsursachen

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts nehmen die Bestände des Bodensee-Vergissmeinnichts beständig ab. Land- und Forstwirtschaft spielen dabei allerdings, abgesehen von Nährstoffeinträgen aus Obstbaumkulturen an den bayerischen Uferabschnitten, keine Rolle. Katastrophale Umweltereignisse (veränderte Wasserstandsschwankungen infolge des Klimawandels) und die intensive Freizeitnutzung der Kiesstrände stellen heutzutage die größte Bedrohung dar.

Sonstige

  • Klimatische Extremereignisse, die
    • den Zeitpunkt der Schneeschmelze verändern und die einsetzende Überschwemmung der Bestände schon vor oder verstärkt während der Blütezeit stattfinden lässt (Brackel 2001)
    • zu einer langen Überflutungszeitspanne führen und zu zunehmendem Algenwachstum auf den Blättern der Pflanzen (Brackel 2001)
    • zur Verringerung der jährlichen Wasserstandsschwankungen führen [Verringerung um 38 cm in den letzten 100 Jahren (Peintinger et al. 2010)] und damit zu einer Verschmälerung des Strandrasen-Bandes
  • Infolge wasserbaulicher Maßnahmen (z.B. Kanalisierung des Rheindurchstichs) kommt es nach starken Regenfällen am bayerischen Ufer verstärkt zu Treibholzanschwemmungen, die die Pflanzen im Uferbereich zerreiben (Zehm et al. 2008)
  • Permanente Störung der Vorkommen durch Camping- und Badebetrieb (Feuerstellen, Tritt) sowie gärtnerisch genutzte Strandgrundstücke (gelegentliche Störungen können dagegen förderlich für das Wachstum der Vorkommen sein)
  • Überrieselung mit nährstoffhaltigem Wasser aus Intensiv-Obstbaumkulturen am bayerischen Ufer, was dazu führt, dass konkurrenzkräftigere Pflanzen verstärkt einwandern und die empfindliche Strandrasen-Gesellschaft überwachsen. Andererseits kommt es zur Austrocknung der Wuchsorte, wenn das nährstoffbelastete Wasser einfach abgeleitet wird
  • Die Überbauung der Uferabschnitte mit Gebäuden und Uferbefestigungen konzentriert angeschwemmtes Treibgut auf die wenigen natürlichen Uferabschnitte
  • Eine Verringerung des Wasserstandes über das ganze Jahr hinweg fördert das randliche Einwandern konkurrenzstärkerer, höherwüchsiger Arten, besonders von Schlank-Segge (Carex acuta) und teilweise auch von Schilfröhricht

Überblick zum Status der Art

Synonyme Myosotis caespitosa var. grandiflora, Myosotis palustris var. caespititia, Myosotis palustris var. glareosa, Myosotis caespititia, Myosotis scorpioides subsp. caespititia
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011) EN (Stark gefährdet)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007) Besonders hohe Verantwortlichkeit
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig - unzureichend