Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die lokale Population wird nach Gruppen von Fledermäusen abgegrenzt, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Breitflügelfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. In der Literatur werden als Koloniegröße meist 10-60 Tiere angegeben, allerdings sind diese Angaben nach Simon et al. (2004) wahrscheinlich zu niedrig (siehe  Ökologie & Lebenszyklus). Die maximale Koloniegröße liegt bei 300 Weibchen (Dietz et al. 2007). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Wochenstubenquartiere, die nahe beieinander liegen, können von der Wochenstube im Wechsel aufgesucht werden (Rosenau 2001, Schmidt 1998, Simon et al. 2004). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Eine der wichtigsten Gefährdungsursachen für die Breitflügelfledermaus ist die Beeinträchtigung ihrer Quartiere, z.B. durch Veränderungen der Einflugöffnungen und Hangplätze oder unsachgemäßen Einsatz von Holzschutzmitteln im Rahmen von Gebäudesanierungen und –renovierungen. Ebenso wichtig ist die Beeinträchtigung der Nahrungsverfügbarkeit und ihrer Erreichbarkeit, z.B. durch Verlust insektenreicher Weiden, Wiesen, Waldränder sowie die Verringerung der Nahrungsgrundlage durch weniger Weideviehhaltung, Einsatz von Entwurmungsmitteln etc. (siehe  Ökologie & Lebenszyklus).

Land- und Forstwirtschaft

  • Verlust von artenreichen Wiesen und Weiden als Jagdgebiete durch Aufgabe der Weidenutzung, häufigere Mahd, stärkere Düngung oder Umwandlung in Ackerland
  • Jagdgebietsverlust durch verstärkte landwirtschaftliche Nutzung (z.B. durch Maisanbau, Energiepflanzenanbau, Monokulturen), die zur Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Parzellen und damit zum Verschwinden von Hecken, Säumen und kleinräumig gegliederten, insektenreichen Kultur- und Offenlandschaften führen
  • Verringerung der Insektenvorkommen durch Medikamenteneinsatz in der Viehhaltung (Entwurmung von Weidevieh) (vgl. Petermann 2011)
  • Verringerung der Insektenvorkommen durch Insektizid- und Herbizideinsatz in Land- und Forstwirtschaft (z.B. Maikäferbekämpfung)
  • Verlust von Waldrändern, Feldgehölzen, Hecken, Alleen und Einzelbäumen, die als Jagdgebiete und/oder Flugrouten dienen

Sonstige

  • Veränderung oder Verlust von Einflugöffnungen und/oder Hangplätzen, Einsatz ungeeigneter Holzschutzmittel, Wärmedämmung, Ausblasen von mehrschaligen Brandschutzmauern (Norddeutschland) u.ä.
  • Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden v.a. Kirchen in der norddeutschen Tiefebene, die zu Verlusten von Quartieren und Quartiermöglichkeiten führen
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäude mit Breitflügelfledermauskolonien) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren (z.B. Dauerbeleuchtung)
  • Beeinträchtigung von Quartieren durch die Anlage von Radwegen in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln (Beleuchtung), die als Winterquartiere, im Sommer aber auch als Männchen- oder Paarungsquartiere genutzt werden können (Meinig et al. 2009)
  • Zerstörung von Jagdgebieten im besiedelten Bereich durch Verlust von Gärten und anderer Grünflächen (Baulückenschluss, Siedlungserweiterung)
  • Verringerung des Insektenangebotes durch Insektizid- und Herbizideinsatz in privaten und öffentlichen Gärten, Grünanlagen usw.
  • Verlust von Winterquartieren (Keller, Stollen, Felsquartieren, Höhlen) durch Zerstörung oder Veränderung
  • Verluste an Windkraftanlagen durch direkte Kollision mit den Rotorblättern und Schädigung durch starke Druckveränderungen im Einflussbereich der Rotoren (Baerwald et al. 2008)
  • Verkehrstod, wegen häufig niedrigen Jagdflugs in Alleen u.ä.

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – unzureichend; kontinentale Region: ungünstig - unzureichend; alpine Region: unbekannt