Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population des Braunen Langohrs ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Meist liegt die Koloniegröße bei 10-50, in Einzelfällen auch bei bis zu 100 Weibchen (Schober & Grimmberger 1998). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Die Wochenstuben des Braunen Langohrs teilen sich regelmäßig in Untergruppen auf und nutzen dann parallel mehrere Wochenstubenquartiere (Heise & Schmidt 1988). Die Gesamtheit der genutzten Quartiere wird als Quartierverbund bezeichnet. Im Regelfall ist dieser auch innerhalb eines Waldgebietes oder einer kleinen Ortslage räumlich klar abgrenzbar. Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen in einem Waldgebiet) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Der Hauptgefährdungsfaktor für das Braune Langohr ist vor allem der Einschlag von Höhlenbäumen und der damit einhergehende Quartierverlust (Meschede & Heller 2000), ebenso wie die Zerstörung von Gebäudequartieren in den Siedlungen (Dietz et al. 2007, Kiefer & Boye 2004). Auch durch die Verringerung der Insektenvorkommen in Wäldern und im Offenland in der Umgebung von Wochenstuben kann eine akute Gefährdung entstehen.

Land- und Forstwirtschaft

  • Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit durch die Reduktion von Hecken, Säumen usw. in Kulturlandschaften
  • Jagdgebietsverlust durch den Verlust von extensiven Streuobstwiesen (mit hochstämmigen Bäumen, maximal 2-schüriger Mahd, Verzicht auf Insektizide, Herbizide und Dünger)
  • Isolation von Kolonien durch die Reduktion verbindender Landschaftselemente zwischen Waldgebieten (Burland et al. 1999)
  • Verschlechterung des Lebensraumes durch Entnahme von stehendem Alt- und Totholz oder forstlich betrachtet „minderwertigen“ Bäumen (z.B. Höhlenbäume, Bäume mit Schadstellen jeglicher Art)
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher Waldränder
  • Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit und Gefährdung der Art durch Anreicherung von Giftstoffen im Körper der Tiere durch den Einsatz von Insektiziden in Wäldern zur Bekämpfung von Forstschädlingen

Sonstige

  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden (insbesondere Kirchen)
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäuden) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren
  • Vergiftung der Tiere durch Holzschutzmittelbehandlungen in Dachstühlen mit Quartieren des Braunen Langohrs
  • Jagdgebietsverlust durch Siedlungserweiterungen, da z.B. alte Hausgärten, dörfliche Obstgärten und Streuobstwiesen durch die Umnutzung in Neubaugebiete verloren gehen
  • Verlust von Park- und Alleebäumen, Hecken, Feldgehölzen und Säumen durch Pflegemaßnahmen oder Verkehrssicherung (Häussler & Braun 2003), die als Jagdgebiete und zur Orientierung z.B. bei Flügen in die Jagdgebiete dienen
  • Gefährdung der Art durch häufige Störungen in den Winterquartieren (Stollen, aufgelassene Bergwerken, Keller) durch Höhlentourismus/Vandalismus
  • Umnutzung, Einsturz oder Verfüllung von ehemaligen Luftschutzbunkern, Kellern, Stollen, etc., die als Winter- und Übergangsquartiere dienen können
  • Kollisionsgefahr an Verkehrswegen durch die relativ niedrige Flughöhe

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) V (Vorwarnliste)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: günstig; kontinentale Region: günstig; alpine Region: günstig