Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Falter sind sehr standorttreu. Dabei weisen die Männchen ein ausgeprägtes Territorialverhalten auf. Sie beziehen Ansitzwarten, von denen aus sie vorbei fliegenden Artgenossen nachjagen (Nunner 1995). Die Vorkommen bestehen meist aus mehreren kleinen Kolonien, häufig konnten im Westerwald, der Eifel oder in Südbayern auch zu den Hauptflugzeiten nicht mehr als 2-10, gelegentlich 11-20 Tiere an einer Fundstelle beobachtet werden.

Nach den Untersuchungen von Fischer et al. (1999) im Westerwald sind die vom Blauschillernden Feuerfalter besiedelten Bereiche höchstens 500 m voneinander entfernt. In Luxemburg gibt es zumindest einen Austausch von Einzelindividuen bis 750 m. Im Westerwald und in der Eifel überbrücken Einzeltiere regelmäßig Entfernungen bis 300 m (Nunner & Walter 1999). Im Ueckertal sind mutmaßlich geeignete Flächen, die nicht besiedelt werden, jedoch nur etwa 150 m von besiedelten Flächen entfernt (Schubert 2008).

Damit ist momentan ab einem Abstand von 150-500 m zwischen Vorkommen von getrennten lokalen Populationen auszugehen.

Gefährdungsursachen

Bis in die 1980er Jahre war die Zerstörung geeigneter Lebensräume durch Grünlandintensivierung, verbunden mit Entwässerung, Düngung und regelmäßiger Mahd die Hauptursache für den Rückgang der Vorkommen. Seit dem Rückgang der Grünlandwirtschaft von Grenzertragsstandorten ergeben sich aber neue Gefährdungen: Entwicklung und Veränderung der Pflanzendecke, Aufforstung und Nutzungsaufgabe. Die meisten Standorte sind aktuell ohnehin nicht genutzt (wichtige Ausnahme: Ueckertal), langfristig ergibt sich daraus jedoch auch die wichtigste Gefährdung.

Land- und Forstwirtschaft

  • Entwässerung von Schlangen-Knöterich-Feuchtwiesen. Auch die historische Entwässerung ist von Bedeutung, da die alten Entwässerungsgräben für eine Mineralisierung des Torfs und damit für eine Nährstoffanreicherung sorgen.
  • Nährstoffeintrag aus intensiv genutzten Flächen in der Nachbarschaft; damit verbunden Nährstoffanreicherung im Lebensraum und Eindringen nährstoffzeigender Pflanzen (z.B. Brennnesseln)
  • Aufgabe der traditionellen Streuwiesennutzung: Regelmäßig zur Streugewinnung genutzte Flächen sind zwar nicht die wesentlichen Lebensräume, der offene Charakter mit Schlangen-Knöterich muss jedoch langfristig erhalten werden
  • Zunehmende Verbuschung brachgefallener Flächen
  • Mahd oder zu starke Beweidung, vor allem während der Eiablage und der Raupenzeit
  • Abholzung schützender Randgehölze
  • Verlust eines guten Angebots von Nektarpflanzen
  • Verlust mittlerer bis älterer Brachestadien mit reichlich Schlangen-Knöterich.
  • Davon abweichend in Mecklenburg-Vorpommern: Schleichend höher und dichter werdende Bestände mit Schlangen-Knöterich durch zu geringe Nährstoffausträge bei Mahd alle 2 Jahre. Verlust junger Brachestadien

Sonstige

  • Geringe Größe der Vorkommen
  • Gewässerbegradigung und -eintiefung
  • Bauschuttablagerungen
  • Nach Modellrechnungen besteht ein niedrigeres Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Betrachtet man jedoch nicht Gesamt-Europa, sondern die Mittelgebirgsregionen ist das Risiko dort außerordentlich hoch (Habel et al. 2010). Entsprechende Anhaltspunkte aus der Geländebeobachtung auf grundlegende Auswirkungen des rezenten Klimawandels liegen vor (Verluste von Vorkommen vor allem in tieferen Lagen; Wipking et al. 2007, Bauernfeind et al. 2009)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Polyommatus amphidamas
Chrysophanus amphidamas
Chrysophanus helle
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2010) EN (stark gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -*
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: ungünstig - schlecht

* Über die allgemeine Verantwortlichkeit für die Art Lycaena helle hinaus besteht für 2 Unterarten eine besondere Verantwortlichkeit. Für Lycaena helle arduinnae liegt eine besonders hohe Verantwortlichkeit vor. Für die Population der Unterart Lycaena helle helle in Mecklenburg-Vorpommern besteht als hochgradig isolierter Vorposten in besonderem Maße eine Verantwortliclkeit.