Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Da die Becherglocke sich nicht über Ausläufer ausbreiten kann, ist sie auf die Vermehrung durch Samen angewiesen. Diesen fehlen effektive Fernausbreitungsmechanismen. Sie fallen aus den Kapseln unmittelbar oder nach Windstößen nur wenige Meter von der Mutterpflanze entfernt auf den Boden und keimen dort, wenn die Bedingungen für sie günstig sind (Scheuerer & Späth 2005). Dadurch konzentrieren sich die Pflanzen i.d.R. in räumlich sehr begrenzten Gruppen. Eine Ausnahme können Vorkommen an Waldwegen sein. Dort können die Samen durch Menschen und Tiere, anhaftend an Sohlen, Klauen und Rädern, entlang der Wege ausgebreitet werden, und so stärker verstreute Vorkommen ausbilden.

Ab einer Entfernung von mehr als 300 Metern zwischen zwei Vorkommen ist daher nach Experteneinschätzung von getrennten lokalen Populationen auszugehen. Befinden sich Barrieren wie Äcker, Straßen etc. zwischen den Vorkommen, ist auch bei einem Abstand von weniger als 300 Metern von lokalen Populationen auszugehen.

Aktuell kommen Becherglocken in Deutschland in zwei Gebieten vor. Die ca. 20 aktuellen Fundorte sind als jeweils eine lokale Population anzusehen.

Gefährdungsursachen

Die Becherglocke ist vor allem durch die Umwandlung von Grünland, Aufforstung und die Verbrachung ihrer Wuchsorte gefährdet. Auch Veränderungen in der Waldbewirtschaftung, vor allem die Aufgabe der Mittelwaldbewirtschaftung, haben ihre Bestände stark beeinträchtigt. Grundsätzlich wirken sich folgende Punkte nachteilig auf das Überleben der Becherglocke aus:

Land- und Forstwirtschaft

  • Aufforstung und Intensivierung bzw. Umbruch von Frisch-, Feucht- und Streuwiesen
  • Zunehmende Ausdunklung in den Wäldern:
    • durch fehlende Nutzung der unteren Gehölzschichten nach Aufgabe der Mittelwaldwirtschaft
    • durch standortfremde Nadelholzanpflanzungen (Fichten)
    • durch Ausbleiben der natürlichen Auendynamik
  • Nährstoff- und Pestizideintrag aus angrenzendem, regelmäßig gedüngtem Grünland führt zur Verdrängung der Becherglocke durch stickstoffliebende, konkurrenzstärkere Pflanzenarten
  • Nährstoffanreicherung und Verunkrautung im Umfeld von Wildfutterstellen entlang von Waldrändern
  • Nutzungsaufgabe und Verbrachung von Streuwiesen, Waldsäumen und Mittelwäldern
  • Fehlen von Keimbetten im Oberboden durch dichten Pflanzenschluss (Nährstoffeintrag, Nutzungswandel)
  • Ablagerungen von Astgut aus Durchforstungen
  • Massiver Wildverbiss durch zu hohe Wilddichte (Reh und Hase)
  • Trockenschäden durch abgesenkten Grundwasserspiegel im Isar-Tal und durch erhöhten Wasserentzug durch standortfremde Fichtenbestände
  • Lebensraumzerstückelung bzw. Lebensraumeinengung: zunehmende Isolation der Vorkommen und Verkleinerung der Bestände führen zu Fitnessverlusten aufgrund genetischer Verarmung durch Inzucht

Sonstige

  • Verdrängung durch Massenbestände eingeschleppter Arten, wie z.B. die Goldrute (Solidago canadensis, S. gigantea), welche die gleichen Lebensräume wie die Becherglocke besiedeln
  • Sammeln von Becherglocken durch Botaniker als Herbarbeleg oder gar Ausgraben von ganzen Pflanzen

Überblick zum Status der Art

Synonyme Lilienblättrige Drüsenglocke, Wohlriechende Becherglocke, Pendelglöckchen, Lilienglöckchen, Schellenblume
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007) Daten ungenügend, eventuell erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht