Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

In der Frankenalb wurden Fang-Wiederfang-Untersuchungen durchgeführt. Diese wurden mit Raupenerfassungen kombiniert, um auch längere Flugbewegungen indirekt erfassen zu können (Dolek & Geyer 2000). Ergebnis war, dass Falter zwischen verschiedenen Lebensrauminseln hin und her flogen und dass aufgrund von Raupenfunden deutlich wurde, dass auch weit entfernte und isolierte Einzelfelsen zum Lebensraum gehören. Der Anteil der Falter, die den eigenen Lebensraum verlassen, und die nachgewiesenen Entfernungen hängen von verschiedenen Faktoren ab. So regt vor allem warmes Wetter zur Flugzeit die Tiere zu höherer Flugaktivität an (Dolek & Geyer 2000), aber auch die Verfügbarkeit des Lebensraums im weiteren Fluggebiet scheint einen deutlichen Einfluss zu haben. Indirekte Nachweise zur Flugdistanz gibt es durch Raupenfunde über ca. 5 km in der Südlichen Frankenalb, aus Frankreich liegen Angaben aus Fang-Wiederfang-Studien bis zu ca. 10 km vor. An der Mosel wurden bereits aufgegebene Standorte nach Maßnahmen des Weinbaus und des Naturschutzes aus benachbarten Vorkommen wiederbesiedelt. Die mehr oder weniger durchgängig vorhandenen Mauerkronen mit Weißem Mauerpfeffer könnten hier als „Trittsteine“ fungieren. Die meisten Individuen verhalten sich jedoch sehr standorttreu und werden immer wieder in der Nähe ihres Markierungsortes gefangen.

Aufgrund dieses Einflusses der lokalen Gegebenheiten auf die Flugaktivität der Falter ist eine allgemein gültige Angabe zur Abgrenzung lokaler Populationen nicht möglich. Durch die Standorttreue der Mehrzahl der Falter sollten jedoch meist einige Hundert Meter als Größenordnung angenommen werden.

Gefährdungsursachen

Die sehr unterschiedlichen Lebensräume des Apollofalters in Deutschland weisen auch sehr unterschiedliche Gefährdungsursachen auf. Die Hauptprobleme sind meist im Lebensraum der Raupen zu finden, aber auch fehlende Nektarquellen, mangelnde Lebensraumvernetzung und anderes mehr können eine Rolle spielen.

Land- und Forstwirtschaft

  • Auf felsdurchsetzten Magerrasen führt mangelnde Beweidung auf den Felsen zu Verbuschung, Vergrasung und Vermoosung der Raupenlebensräume. Auch eigentlich beweidete Magerrasen können davon betroffen sein, wenn z.B. die Felsen kaum mitgenutzt werden
  • Aufforstung und Aufkommen von Gehölzen auf Magerrasen führt zu Blüten- und Nektarmangel und letztendlich zur Isolation von Lebensräumen
  • An der Mosel Gefährdung durch das Fehlen einer ausreichenden Menge an Saugpflanzen, die u.a. durch den Herbizideinsatz verloren gehen. Die Tiere müssen aufgrund dieses Mangels bei der Suche nach Nektar stark befahrene Verkehrswege queren und sind dabei gefährdet. Möglicherweise gibt es auch eine Gefährdung durch die Lockwirkung des noch warmen Asphalts der Mosel-Uferstraßen in den Abendstunden
  • Der Einsatz von Pestiziden in Weinbauregionen (Mosel) spielt aktuell praktisch keine Rolle mehr, da an der Mosel nahezu nur noch Fungizide ausgebracht werden, die für den Apollofalter keine Gefahr darstellen (vgl. Richarz et al. 1989)
  • Aufgabe der traditionellen Weidewirtschaft in tieferen Lagen in den Alpen (Bsp. Allgäu)
  • Aufforstungen oder Gehölzaufkommen im Umfeld von Felsen und Schuttfluren und daraus resultierende Verschattung der Raupenlebensräume (Bsp. Allgäu)

Sonstige

  • Sekundäre Lebensräume auf Stützhängen, Trockenmauern und Steinbruchhalden überaltern, da die Bodenbildung fortschreitet und höhere Pflanzen in den Ritzen wachsen können. Sie verlieren dadurch ihre hohe Qualität als Raupenlebensraum
  • Abdeckung von neu entstehenden Abraumhalden in den Steinbruchgebieten in der Südlichen Frankenalb mit Grobschutt oder erdereichem Material
  • Abbau von alten Gesteinshalden
  • Fehlende Neuentstehung von geeigneten Gesteinshalden, Stützhängen und Trockenmauern
  • Probleme mit Nährstoffeintrag durch die Luft (Nährstoffanreicherung von Kalkmagerrasen)
  • Sammler, Insektenhandel (Anmerkung: In den letzten Jahren sind Probleme in der Frankenalb aufgetreten. An der Mosel eher unbedeutend, da die örtliche Bevölkerung sich mit der Art solidarisiert und den Apollofalter als „Aushängeschild“ für den Steillagen-Weinbau betrachtet)
  • Nach Modellrechnungen besteht ein hohes Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Aus der Geländebeobachtung in der Frankenalb ergibt sich in den letzten Jahren lediglich eine deutlich frühere Flugzeit

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Swaay et al. 2010) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -*
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: günstig

* Für die folgenden 5 Unterarten des Apollofalters besteht eine über die allgemeine Verantwortlichkeit für die Art hinausgehende besonders hohe Verantwortlichkeit: Parnassius apollo bartholomaeus, Parnassius apollo luitpoldus, Parnassius apollo melliculus, Parnassius apollo suevicus und Parnassius apollo vinningensis.