Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Zur Abgrenzung der lokalen Population lässt sich im Fall des Alpenbocks die räumliche Verteilung besiedelter Bäume heranziehen. Aufgrund der Flugfähigkeit der Art sind Tiere aus einem besiedelten Baum keine einzelne lokale Population, sondern immer im Zusammenhang mit weiteren Vorkommen in der näheren Umgebung zu sehen. Es existieren leider keine publizierten Informationen über individuelle Flugbewegungen zwischen besiedelten Bäumen. Nach unserer Einschätzung sind Entfernungen bis 1.200 m noch gut zu überwinden (Bense eig. Beob.), bei größeren Strecken findet vermutlich kein regelmäßiger Austausch statt. Die maximal zurückgelegte Flugdistanz eines Alpenbockweibchens betrug 1.600 m (Drag et al. 2011). Für die Bewertung des Erhaltungszustandes der Populationen geben Bussler & Binner (2006) potenziell besiedelbare Flächen im Umkreis von weniger als 2 km für eine hervorragend erhaltene Population an. Daher sind alle besiedelten Bäume und deren Umgebung bis zu 2.000 m Entfernung als Gebiet der lokalen Population anzusehen.

Gefährdungsursachen

Der Alpenbock ist besonders anfällig gegen Beeinträchtigungen und Veränderungen hinsichtlich der Ausstattung und Gliederung des Lebensraums.

Land- und Forstwirtschaft

  • Entfernung von Totholz in geeigneten Laubwaldbeständen, insbesondere stehendes Totholz größerer Dimension (Durchmesser 50 cm und größer)
  • Umwandlung von buchen- und ahornreichen Mischwäldern zu Nadelholzforsten
  • Unzureichende Laubholzverjüngung durch zu hohe Wildbestände auf schwachwüchsigen Standorten im Bereich der Alpenbock-Vorkommen
  • Schnelle Räumung und Wiederaufforstung von Windwurf-, Schneebruch- und Lawinenflächen
  • Forstliche Nutzung von Wäldern nach Altersklassen
  • Verkürzte Umtriebszeit von Laubholz, v.a. Buchen, und dadurch Verhinderung von natürlichen Alterungs- und Zerfallsphasen
  • Aufgabe der Beweidung auf ehemals locker mit Buchen und Ahorn bestandenen Hängen in den bayerischen Alpen

Sonstige

  • Entfernung von Brutbäumen durch Straßenbau und Baumpflege (Verkehrs- und Wegesicherung)
  • Zu früher Kronenschluss durch Stickstoffeintrag (Düngung, Luftverfrachtung)

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Geiser 1998) 2 (stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Nieto & Alexander 2010) LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit bisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: günstig, alpine Region: ungünstig - unzureichend