Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Würfelnatter

Neben den kaum mehr zu beseitigenden Beeinträchtigungen erfolgter Flächeninanspruchnahme und erfolgter Fließgewässerregulierungen in den relevanten Flußauen gibt es weitere beeinträchtigende Entwicklungen aufgrund von Bewirtschaftungsmaßnahmen. Der Ausbau der Freizeiteinrichtungen und Verkehrswege bzw. deren Erhalt führen neben dem Flächenverlust zu nutzungsbedingten, funktionalen Einschränkungen in den Teillebensräumen der Würfelnatter. Bei der Führung von Wegen in Gewässernähe besteht vor allem die Gefahr des Überfahrens.

Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung/Nutzung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • In Lebensräumen der Würfelnatter grundsätzlich mit Balkenmähern arbeiten. Verzicht auf Mähgeräte, die schnelles Mähen ermöglichen und so die Fluchtmöglichkeiten der Schlangen verringern (Kreiselmäher). Der Einsatz von Kreisel- und Schlägelmähern ist zu vermeiden.
  • Die Einstellung der Mähgeräte ist so zu wählen, dass die Wahrscheinlichkeit der Tötung von Würfelnattern so gering wie möglich ist. Schnitthöhe von mind. 15 cm während der Aktivitätsphasen der Tiere.
  • Keine gewässernahe Wiesenmahd (< 200 m) an Tagen mit wechselnder Bewölkung
  • Bei landwirtschaftlich genutzten Grünlandflächen ist eine den Bedürfnissen der Art angepasste Beweidung der Mahd vorzuziehen.

Weinbau

  • Erhalt von Trockensteinmauern bei Rebflurbereinigung
  • Keine Verfugung von Trockensteinmauern und kein Ersatz von Lesesteinmauern durch (natursteinverblendete) Betonmauern innerhalb und außerhalb von Weinbergen in der Nähe zu Würfelnatterlebensräumen.
  • Kein Abriss oder Sanierung von Lesesteinmauern im Winter (nicht nur in Weinbergen).

Fischereiwirtschaft

  • Obwohl derzeit von einer Gefährdung durch den möglichen Einsatz von Reusen nicht ausgegangen werden kann, sollte der Reusenfang im Einzugsbereich von Würfelnattern unterbleiben.
  • Organische Anschwemmungen (Getreibsel) und Treibguthaufen nicht beseitigen, da hier Eiablageplätze liegen können.
  • 15 m breiter Schutzstreifen an den Fließgewässern von beschattenden Gehölzen freihalten (einzelne Bäume/Sträucher nach Möglichkeit stehen lassen) und konkurrierende Nutzungen unterlassen. Wenig genutzte Wiesenareale oder Grünland sind grundsätzlich gut geeignete Lebensräume entlang der Gewässer außerhalb des direkten Uferbereiches.

Allgemein gilt für bewirtschaftete Flächen

  • Kein Ausbau von bestehenden Wirtschaftswegen, keine Neuanlage von Wegen im Bereich der Würfelnatterlebensräume.

Daraus lässt sich insgesamt ableiten, dass eine Bewirtschaftung von Würfelnatterlebensräumen nur auf die Bedürfnisse der Art abgestimmt und außerhalb der oberirdischen Aktivitätsphasen möglich ist, das heißt bei i.d.R. sehr kühlem oder sehr heißem Wetter.

Sonstige Maßnahmen

  • Wiederherstellung natürlicher Gewässerabschnitte, Entfernen von Staustufen und Wehren.
  • Erhalt/Schaffung halboffener Lebensräume im Fließgewässerumfeld mit reichem Angebot an Lückensystemen (Steinhaufen, Totholz etc.)
  • Erhalt einer reich gegliederten halboffenen Landschaft, wie sie vielerorts in den Weinbaugebieten an Mosel und Nahe noch zu finden ist.
  • Rückbau bzw. Verlegung von Radwegen