Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Wald-Wiesenvögelchens

Die Vorkommen des Wald-Wiesenvögelchens sind in Deutschland, ähnlich wie in den meisten anderen europäischen Ländern, massiv zurückgegangen. Als Resultat sind aktuell nur noch Vorkommen in Bayern und Baden-Württemberg bekannt. Jedes Restvorkommen ist mit hoher Priorität zu erhalten. Eingriffe in bekannte Vorkommen (auch waldbaulicher Art oder die zukünftige Waldentwicklung betreffend) müssen mit den zuständigen Naturschutz-Fachbehörden bzw. Artenschutzbearbeitern abgestimmt werden.

Grundsätzlich kommt es auf eine gezielte Steuerung der Bracheentwicklung bzw. Gehölzentwicklung sowie gezielte Förderung der lückigen und abwechslungsreichen Grasschicht ohne Nährstoffanreicherung in gut besonnter Lage an. Dazu muss eine abgestimmte Nutzung oder Pflege erfolgen, die geeignete Lebensräume neu entstehen lässt.

Landwirtschaft

  • Bei Nutzung oder Pflege sind kleine Bodenerhebungen und eine abwechslungsreiche, unterschiedlich dichte und dicke Streuschicht im Gras mit Lücken in der Pflanzendecke zu erhalten
  • In Gebieten mit mehreren und größeren Streuwiesen Schaffung von zeitlich befristeten Teilbrachen im Umfang von mindestens 30 % in räumlichem Wechsel, es dürfen jedoch keine Dauerbrachen entstehen! Empfohlen wird für betreffende Standorte gelegentliche Entbuschung oder Streumahd in mindestens 3-, besser 5-jährigem Turnus
  • Jährliche Streumahd oder Pflege von Flussschotterheiden in solchen Gebieten weiter praktizieren, in denen das Wald-Wiesenvögelchen damit in der Vergangenheit nachweislich gut zurecht kam (gilt in Südbayern). Dazu besteht Forschungsbedarf, da unsicher ist, ob die gemähten Flächen tatsächlich zur Fortpflanzung beitragen
  • Durchführung einer Kontrolle des Gehölzaufwuchses: Sträucher und Bäume sollen Gesamtdeckungsgrade von 30 % nicht überschreiten; regelmäßiges Ausstocken von Gehölzen ist auf den meisten Standorten unbedingt notwendig und fördert zugleich eine abwechslungsreiche Streuschicht
  • Abtransport des Mähguts: langfristig ist darauf zu achten, dass die (relativ) nährstoffarmen Bedingungen erhalten bleiben. Das Aufkommen von hohen Stauden (z.B. Wasserdost) ist sehr kritisch
  • An manchen Standorten ist die Bekämpfung der Goldrute notwendig
  • Erhaltung nährstoffarmer Bedingungen
  • Neben der Mahd ist die Beweidung mit sehr geringer Dichte (meist mit Rindern) eine Möglichkeit, die notwendigen Lebensraumelemente langfristig zu erhalten und zu schaffen. Eine gute Feinabstimmung der Intensität über die Jahre ist notwendig, nach Schweighöfer (2008) höchstens 0,25 GVE/ha.

Forstwirtschaft

  • Wiederaufnahme und gezielte Förderung von oberholzarmer Mittelwald- und Niederwaldwirtschaft in geeigneten Waldlandschaften sowie Kleinkahlschlag-Nutzung zur Schaffung grasiger, voll besonnter Lichtungen (auf wechselfeuchten bis nassen Standorten oder in luftfeuchten Bereichen der Auenlandschaften). Ziel ist ein dynamisches Nutzungssystem, in dem durch die Entwicklung der Pflanzendecke verloren gehende Lebensräume laufend durch neue Schläge ersetzt werden (Vorbild: aktive Mittel- und Niederwälder Nordbayerns, Details im  download, S. 57 ff.)
  • Mindestflächengröße für Schläge ist 1 ha, oft sind größere Flächen anzustreben. Entscheidend ist zudem ein Flächenzuschnitt und umgebende Pflanzendecke (Höhe des Waldes!), der eine starke Besonnung möglichst großer Flächenanteile garantiert
  • Gehölzkontrolle: Sträucher und Bäume dürfen Gesamtdeckungsgrade von 30 % nicht überschreiten; regelmäßiges Ausstocken von Gehölzen ist auf den meisten Standorten unbedingt notwendig und fördert zugleich eine abwechslungsreiche Streuschicht

Sonstige Maßnahmen

  • Da die Lebensräume weder aus landwirtschaftlicher noch aus forstwirtschaftlicher Sicht gewinnbringend sind, müssen geeignete finanzielle Förderinstrumente entwickelt und angewandt werden
  • Im Wald wird in den Lebensräumen aufgrund der waldbaulichen Ziele meist eine Bestockung mit Edellaubholz angestrebt. Die zugrunde liegenden forstlichen Leitbilder und Ziele müssen in Vorkommensgebieten an die Lebensraumansprüche des Wald-Wiesenvögelchens angepasst werden
  • Da eine Reihe Vorkommen kleine, gefährdete Restbestände in kleinen Lebensräumen darstellen, ist das lokale Aussterberisiko sehr groß. Daher ist eine gezielte Vergrößerung des Lebensraumes oder eine Einbeziehung von weiteren Lebensrauminseln zur Verringerung des Aussterberisikos durch Bildung eines Populationsverbundes notwendig. Die Besiedlung dieser Lebensrauminseln muss mit geeigneten Maßnahmen (z.B. Verbindungen zwischen Lebensräumen, engmaschiges Netz von Lebensräumen) unterstützt werden
  • Nur noch selten von Bedeutung: keine Entwässerung in Wäldern, keine Grundwasserabsenkung in Auen