Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Sumpf-Engelwurz

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen der Sumpf-Engelwurz gehen vor allem von Änderungen der traditionellen Nutzung und der Wasserverhältnisse aus. Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung günstiger Wasserverhältnisse bzw. deren Wiederherstellung
  • Extensive Nutzung durch Mahd ist empfehlenswert:
    • Wüchsige Standorte: zwei Schnitte (früh und spät)
    • Weniger wüchsige Standorte: ein Schnitt, am besten in einem Rotationssystem mit wechselnden Zeitpunkten (aber keinesfalls immer nur späte Mahd!)
  • Mögliche Mahdzeitpunkte:
    • Früh: bei entsprechenden Bodenverhältnissen Ende Mai/Anfang-Mitte Juni vor Blütenstandbildung
    • Spät: Ende September nach der Samenausstreu
  • Bei früher Erstmahd ist i.d.R auf Verwendung angepasster Technik (Spezialfahrzeuge) wegen Feuchtigkeit sowie geeignete Schnitthöhe zur Schonung von Blattrosetten zu achten
  • Mahd angrenzender Flächen zur Erweiterung der besiedelbaren Fläche
  • Extensive Rinderbeweidung könnte unter Umständen die späte Mahd ersetzen (historisch fand zumindest eine sporadische [Nach-]Beweidung statt)
  • Mulchen ist zur Pflege ungeeignet (aufgrund fehlender Aushagerung der Standorte und Verringerung von Keimnischen durch Mulchgut)

Allgemein gilt für bewirtschaftete Flächen

  • Ausschlaggebend für die Sumpf-Engelwurz ist die Erhaltung der bestehenden Wasserverhältnisse an den Standorten. Aber auch die Nutzung der Flächen muss in geeigneter Weise (siehe Handlungsempfehlungen oben) fortgeführt werden, um den Konkurrenzdruck auf die Sumpf-Engelwurz gering zu halten und Keimungsnischen zu bieten

Sonstige Maßnahmen

  • Verbesserung des Wasserhaushaltes ehemaliger Wuchsorte über Anhebung des Grund- und Oberflächenwasserpegels zur Schaffung optimaler Bedingungen für eine Wiederbesiedlung
  • Aufgrund der (vermutlich) kurzlebigen Samenbank der Sumpf-Engelwurz könnte eine Ausbreitung durch Heublumensaat auf ehemaligen Fundorten durchgeführt werden um Wiederbesiedlung zu fördern
  • Anlage von Erhaltungskulturen noch bestehender Populationen in Botanischen Gärten für lokale Wiederansiedlungen (bereits vorhanden im Botanischen Garten Halle und im Schutzgarten an der Kapenmühle im Biosphären-Reservat „Mittlere Elbe“)
  • Dünge-Verbot in der nahen Umgebung, große Pufferzonen ohne intensive landwirtschaftliche Nutzung im Grundwassereinzugsgebiet

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