Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Rotbauchunke

Die größten nutzungsbedingten Beeinträchtigungen von Rotbauchunkenlebensräumen gehen von der Landwirtschaft aus. Um die Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Die Tiere nehmen mehrere Ortswechsel vor (Anwanderung zum Laichgewässer, Wechsel zwischen den Gewässern, Abwanderung), so dass Korridore zwischen den Teillebensräumen amphibienverträglich bewirtschaftet werden müssen – z.B. als Extensivgrünland (Viehweiden mit geringem Besatz und moderaten Düngergaben) oder als Brachestreifen
  • Keine mineralische Düngung (mit Kalkammonsalpeter, Kali-Phosphor) während der Frühjahrswanderung (Anfang März bis Mitte Mai)
  • Kein Einsatz von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln und mineralischen Düngern im Umfeld der Gewässer (mind. 20 m) sowie auf den Flächen zwischen den Gewässern einer Population
  • Pufferzonen mit generell geringer Nutzungsintensität (10-50 m) um Laichgewässer (nicht nur bei Äckern); dieser Bereich kann auch als Sommerlebensraum und Winterquartier fungieren
  • Wiesenschnitt (max. 3-schürig) i.d.R. unproblematisch (wenn Düngergaben moderat), da er während Trockenperioden erfolgt, in denen die Rotbauchunke sich im Gewässer aufhält
  • Kein Einsatz von Walzen im Gewässerumfeld
  • Beweidung als Maßnahme zur Erhaltung der Laichgewässer ist günstig; Ganzjahresbeweidung mit 0,3-0,5 Großvieheinheit/ha/Jahr, Richtwert von 60-70 m Uferlinie pro Rind, um zu große Trittschäden im Uferbereich zu vermeiden
  • Auch in Ackergebieten sind bei ausreichendem Angebot an Gewässern und Landlebensräumen große Bestände möglich (Ostdeutschland); wichtig sind Gewässerrandstreifen von 10-50 m, die regelmäßig gepflegt werden müssen, um eine Beschattung der Laichgewässer zu verhindern (jährliche amphibienverträgliche Mahd, wenn Tiere im Wasser sind oder beweiden). Diese Puffer können auch als Landlebensraum fungieren, so dass weniger Einzeltiere (v.a. Jungtiere) in die Äcker abwandern
  • Erhaltung und Förderung einer vielfältigen Agrarlandschaft

Forstwirtschaft

  • Forstliche Bewirtschaftung der bekannten Winterquartiere im Wald nicht mit schweren Maschinen. Belassen von Stubben, Resthölzern und sonstigen Versteckmöglichkeiten als potenzielle Winterquartiere im Wald

Fischereiwirtschaft

  • Förderung der Jungfischproduktion in der Karpfenzucht. Werden Teiche aus der Bewirtschaftung entlassen, durch Naturschutz anpachten und entsprechend bewirtschaften (lassen), evtl. neue rotbauchunkenfreundliche Produktionszweige etablieren, z.B. Wasserflöhe als Aquarienfutter
  • Kein Fischbesatz in nicht bewirtschafteten Teichen, winterliches Ablassen der Teiche

Sonstige Maßnahmen

  • Anhebung des Grundwasserspiegels, um möglichst große Wechselwasserzonen zu schaffen
  • Verstärkte Rückhaltung der Winterniederschläge in der Landschaft
  • Aufgabe von Bewirtschaftungswegen in Gewässernähe
  • Bei Verlandung der Laich- und Nahrungsgewässer – regelmäßige Pflege erforderlich (Gehölzrücknahme, in größeren Abständen Entschlammung), ggf. Ganzjahresbeweidung
  • Förderung eines dynamischen Wasserhaushaltes – zur Schaffung großer Wechselwasserzonen
  • Jagd → keine Kirrungen (Wildfütterungen) in Gewässernähe