Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Quendel-Ameisenbläulings

Die größten nutzungsbedingten Beeinträchtigungen von Lebensräumen des Quendel-Ameisenbläulings gehen von der Landwirtschaft aus.

Landwirtschaft

  • Idealerweise Nutzung durch Schafe in Hütehaltung oder schwache Rinderbeweidung (z.B. Alpwirtschaft in den Bayerischen Alpen). Der Tritt der Weidetiere schafft Keimbetten für die Raupennahrungspflanzen. Kurz vor und während der Flugzeit sollte möglichst kein Weidegang erfolgen, um das Nektarangebot nicht zu beeinträchtigen. Ist aus übergeordneten Gründen (z.B. gewünschter Verbiss an Stockausschlägen) eine Beweidung notwendig, ist die Schafbeweidung im „weiten Gehüt“ oder unter Aussparung von Teilbereichen durchzuführen. Für die Erhaltung des notwendigen lichten Aufbaus der Pflanzendecke ist häufig jedoch auch eine starke Beweidung im „engen Gehüt“ notwendig, die sich bei Bedarf nach den Aktivitätszeiten der Schmetterlinge richten muss. Eine Einzelfall-Abschätzung muss daher erfolgen, die eine angepasste Weideführung, Anlage von Mittagspferch und Auswahl der Nachtkoppelung beinhaltet
  • Bei Nutzung in Form von Koppelhaltung sollte die Weidepause bereits zwei Wochen vor der Flugzeit des Falters beginnen (d.h. Anfang Juni). So ist mit Erscheinen der Falter wieder ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden. Die Koppeln (Mittagsruhe, Nachtpferch) sollten so eingerichtet werden, dass die Tiere nicht im Bereich der Faltervorkommen lagern. Denn dort kommt es zu verstärktem Abkoten und somit zur Nährstoffanreicherung, was wiederum zu einem verstärkten Pflanzenwachstum und in der Folge zu kleinklimatischen Veränderungen führt
  • Besonders vorteilhaft sind gemischte Schaf- und Ziegenherden, da die Ziegen aufkommende Gehölze effektiver verbeißen
  • In den Alpen traditionelle Alpwirtschaft ohne Düngung und zu starke Beweidung, keine Trennung in Wald und Weide
  • Keine Ganzflächenmahd
  • Keine flächige Mahd von Anfang Juni bis Ende Juli/Mitte August, sonst wird der gesamte höherwüchsige Blütenhorizont von der Fläche entfernt. Stellt der Gemeine Dost die Raupenfutterpflanze dar, ist eine regelmäßige Mahd nur spät im Jahr möglich (ab September), denn als Saumart verschwindet der Dost ansonsten aus der Pflanzendecke
  • Mulchen nur wenn wirklich absolut notwendig, dann nur Ende Mai/Anfang Juni (in den Alpen mit früh fliegenden Vorkommen deutlich früher, falls überhaupt). Zu diesem Zeitpunkt ist der Aufwuchs noch wasser- und proteinreich, so dass er innerhalb weniger Wochen mineralisiert wird
  • Weidepflege: Selbst beim Einsatz von Ziegen wird in bestimmten Abständen eine Weidepflege zur Säuberung der Fläche vor Gehölzanflug oder Wurzelausläufern notwendig werden

Allgemein gilt:

  • Kein Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden im Lebensraum des Quendel-Ameisenbläulings und direkt angrenzend
  • Einrichtung von Pufferzonen, um den Eintrag von Düngemitteln und Pestiziden von konventionell genutzten Landwirtschaftsflächen zu unterbinden
  • Keine Lagerung von Heuballen, Mist etc.
  • Häufig ist eine Mischung verschiedener Nutzungsformen notwendig (insbesondere Mahd/Beweidung zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Häufigkeit)

Da der Quendel-Ameisenbläuling teilweise starke regional unterschiedliche Ansprüche zeigt, sollten Experten vor Ort konsultiert werden.

Sonstige Maßnahmen

  • Erstellung v