Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Moorfrosches

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen des Moorfrosches gehen von der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft aus. Um Beeinträchtigungen durch die Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Keine mineralische Düngung (mit Kalkammonsalpeter, Kali-Phosphor) während der Frühjahrswanderung von Ende Februar/März und April
  • Beweidung mit niedrigem Tierbesatz, ohne Düngung und Spritzmitteleinsatz als ideale Nutzung für das Gewässer und das Umfeld. Die jeweils angepasste Beweidungsdichte hängt von zahlreichen Faktoren ab. Sie ist flächenspezifisch anhand von leicht erfassbaren Parametern festzulegen: Die Weidetiere sind spätestens dann von der Weide zu nehmen, wenn der Anteil an hochwüchsigen Pflanzen den Anteil von 10-20 % unterschreitet! Befinden sich weniger als eine Großvieheinheit (GVE) pro 60-70 m Uferlinie auf der Weide [die Großvieheinheit (GVE) beschreibt das Verhältnis der Anzahl der Nutztiere zu einer Fläche und ist ein Maßstab zur Nutzungsintensität; eine GVE entspricht 500 kg], ist eine Auszäunung der Laichgewässer nicht notwendig. Vorteil: Durch Verbiss des Uferbewuchses wird die Verlandung der Gewässer deutlich verlangsamt. Kenngröße für die Ganzjahresbeweidung: 0,3-0,5 GVE/ha/Jahr
  • Eine Nutzung des Gewässerumfelds als Wiese sollte unterbleiben. Ist sie zwingend, dann maximal zweischürige Mahd praktizieren. Eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm ist einzuhalten. Kein Einsatz von Kreiselmähern – es gibt mittlerweile moderne, leistungsfähige Balken- bzw. Fingermähgeräte. Keine Bodenbearbeitung wie z.B. Walzen
  • Kein Ausbringen von chemischen Bekämpfungsmitteln gegen Schadorganismen und/oder Düngemitteln und keine Bodenbearbeitung in einer Pufferzone von mind. 20 m, besser 50 m um die Gewässer
  • Verbesserung der Lebensbedingungen durch Wiedervernässung von Feuchtlebensräumen (z.B. durch Verzicht auf Erneuerung von Drainagen)

Forstwirtschaft

  • Lichtbaumarten (z.B. Eiche, Esche) im Landlebensraum fördern, damit sich eine ausgeprägte Krautschicht entwickeln kann, dabei eine Beschattung der Laichgewässer vermeiden
  • In Brandenburg: Umbau der Kiefernwälder zu Laubmischwald bzw. keine Neuaufforstungen im Umfeld der Laichgewässer, um das erhöhte Austrocknungsrisiko der Laichgewässer zu verringern
  • Unterlassung der Waldkalkungen

Fischereiwirtschaft

  • Bei Fischteichanlagen sollte mindestens ein besonnter Teich nicht mit Fischen besetzt werden. Um die Fischfreiheit zu gewährleisten, ist das Gewässer im Herbst oder Winter einmal jährlich oder wenigstens alle zwei Jahre abzulassen
  • In aufgelassenen Fischteichanlagen ist noch vorhandener Fischbesatz durch Abpumpen, Ablassen oder Abfischen zu entfernen
  • Keine Fischbesatzmaßnahmen in Kleingewässern in der Landschaft

Sonstige Maßnahmen

  • Anlage und Pflege von Gewässerkomplexen (da eine Annahme der Gewässer meist erst ab dem 3. Jahr, teilweise sogar erst nach 10 Jahren erfolgt, sind lange Entwicklungszeiten zu berücksichtigen)
  • Förderung des Wasserrückhaltes im Winter (Frühlaicher): Sohlanhebung der Fließgewässer; Grabenanstau
  • Wiederbelebung der Auen, Auenrelief erhalten bzw. wiederherstellen
  • Auen entlang des Rheins: Überflutung der Flächen zwischen Sommer- und Winterdeich durch Schlitzen der Sommerdeiche ermöglichen, Feinregulierung der Hochwasserdynamik: Anheben des Grundwassers bei ausreichend großen Grundwasserschwankungen; Düseneffekt vermeiden!
  • Nordost-Deutschland: Im Bereich der Grundmoräne Entkopplung der Kleingewässerkomplexe von den Vorflutern
  • Erlenbrüche alle 20-30 Jahre auf den Stock setzen. Eine verträgliche Nutzung z.B. als Energieholz alle 10-15 Jahre erscheint möglich
  • In kleinen verschilften Gewässern: Gliederung des Schilfbestandes durch Mahd von Teilflächen, da die Tiere im dichten Schilf nicht ablaichen
  • Vernetzung von isolierten (kleinen) Vorkommen
  • Maßnahmen gegen Verkehrstod