Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Moor-Wiesenvögelchens

Um Beeinträchtigungen durch die Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Eine echte landwirtschaftliche Nutzung kann auf den verbliebenen kleinen Flächen nicht stattfinden. Alle Aktivitäten sind eher einer Naturschutz-Pflege zuzuordnen (vgl. sonstige Maßnahmen)

Forstwirtschaft

  • Eine Öffnung potenziell geeigneter Standorte durch Entnahme größerer Gehölze und Freipflegen mit Forstmulchern erscheint möglich, ist aber am einzigen aktuellen Vorkommen nicht relevant

Sonstige Maßnahmen

  • Eine Mahd wird insbesondere wegen der Vereinheitlichung des Aufbaus der Pflanzendecke als problematisch angesehen. Wenn überhaupt, sollte sie nur auf kleinen Teilflächen und im Winterhalbjahr durchgeführt werden. Bei Mahd vor dem überwiegenden Rückzug der Jungraupen ins Winterquartier, der erst im Laufe des Oktobers erfolgt, sind direkte Verluste der meist im oberen Drittel der Wirtspflanzen-Blätter sitzenden Raupen zu befürchten. Hinzu kommt der Nahrungsentzug bei Mahd, da die Raupen z.T. offenbar noch bis weit in den Herbst hinein fressen müssen
  • Auf den offenbar stabilen Altbrachen mit gehölzfeindlicher Pflanzendecke ist derzeit keine Entbuschung empfehlenswert, um Bodenöffnungen (bei Entbuschung) und verstärkte Etablierung von Gehölzkeimlingen bzw. Gehölzverdichtung durch Stockausschlag (nach Rückschnitt) zu vermeiden. In Lebensraumbereichen mit Verbuschungsdruck ist eine Gehölzkontrolle hingegen essentiell
  • Wichtig ist zu beachten, dass randliche Hochstauden und Gehölze eine Schutzfunktion für die wenig flugstarke Art übernehmen. Sie verhindern, dass die Falter durch den Wind aus dem Lebensraum verdriftet werden
  • Die angestammten Lebensräume neigen nur zu lockerer Verschilfung in Teilbereichen, während potenzielle Erweiterungsflächen starke Verschilfungstendenzen zeigen. Einer Verschilfung der zur Lebensraumerweiterung entwickelten Flächen ist durch Hochmahd im Juni zu begegnen, am besten während des ersten Teils der Flugperiode (um Raupenverluste zu vermeiden und die Bestände für eiablagebereite Weibchen rechtzeitig „aufzumähen“; die Falter können ausweichen). Die Hochmahd ist erforderlichenfalls im Herbst zu wiederholen, jedoch wie im Juni ohne die Hauptschicht der Pflanzendecke einer Mahd zu unterziehen, damit es zur Anreicherung von Streu kommt
  • Manuelle Bekämpfung der Gebüschentwicklung (alle 2-3 Jahre) wird als ausreichend angesehen, v.a. Faulbaum ist am Standort eine „Problemart“. Das Schnittgut ist zu entfernen, die Lebensraumfläche mit Verbuschungsgefahr sollte im Zentralbereich weitgehend von Gehölzen befreit werden, um eine uneingeschränkte Besonnung zu ermöglichen. Hierbei ist darauf zu achten, dass keine Rohbodenstellen entstehen, um die dann mögliche Etablierung weiterer Gehölze zu vermeiden
  • Eine alternative Pflege durch Ziegen (Verbiss der Gehölze) ist grundsätzlich denkbar, aber nicht erprobt und bislang nicht als traditionelle Nutzung von Lebensräumen bekannt. Sie könnte daher versuchsweise auf derzeit nicht besiedelten Flächen zur Lebensraumwiederherstellung erprobt werden
  • Da aktuell nur noch ein Vorkommen mit drei eng benachbarten Teilpopulationen besteht, ist eine Wiederansiedlung in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden an potenziell geeigneten Standorten auch zur Risikostreuung wichtig
  • Striktes Sammelverbot, bei Bedarf entsprechende Kontrollen

Verbreitung

Literatur

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