Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Kammmolches

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen des Kammmolches gehen vor allem von der Fischerei-, Land- und Forstwirtschaft aus. Um Beeinträchtigungen durch die Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Kein Ausbringen von Spritz- und/oder Düngemitteln und keine Bodenbearbeitung in einer Pufferzone von mind. 20 m um die Gewässer
  • Verhinderung der Beschattung der Gewässer durch Gehölzaufwuchs durch regelmäßige winterliche Mahd/Mulchmahd – je nach Bedarf
  • Keine mineralische Düngung (mit Kalkammonsalpeter, Kali-Phosphor) während der Frühjahrswanderung
  • Extensive Beweidung als ideale Nutzung für das Gewässer und das Umfeld. Die jeweils angepasste Beweidungsdichte hängt von zahlreichen Faktoren ab. Sie ist flächenspezifisch anhand folgender, leicht erfassbarer Parameter festzulegen: Die Weidetiere sind spätestens dann von der Weide zu nehmen, wenn der Anteil an hochwüchsigen Pflanzen die Marke von 10-20 % unterschreitet! Befindet sich nicht mehr als eine Großvieheinheit (GVE) pro 60-70 m Uferlinie auf der Weide, ist eine Auszäunung der Laichgewässer nicht notwendig. Vorteil: Durch Verbiss des Uferbewuchses wird die Verlandung der Gewässer deutlich verlangsamt. Kenngröße für die Ganzjahresbeweidung: 0,3-0,5 GVE/ha/a
  • Wird das Gewässerumfeld als Wiese genutzt, dann maximal zweischürige Mahd praktizieren. Eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm ist einzuhalten. Kein Einsatz von Kreiselmähern – es gibt mittlerweile moderne, leistungsfähige Balken- bzw. Fingermähgeräte. Keine Bodenbearbeitung wie z.B. Walzen, keine chemischen Spritzmittel, Düngung nur über Festmist unter Beachtung einer Pufferzone um die Gewässer von 20 m
  • Verbesserung der Lebensbedingungen durch Wiedervernässung von Feuchtlebensräumen (z.B. durch Verzicht auf Erneuerung von Drainagen)
  • Erhaltung und Schaffung von relevanten Elementen wie Säume, Heckenzüge, Versteckmöglichkeiten (Holz-, Steinhaufen) als Sommer-/Winterquartiere und als Trittsteine bzw. Wanderkorridore zur Vernetzung wichtiger Landlebensräume
  • Förderung der Biologischen Landwirtschaft, da deren Wirtschaftsweisen für die Art verträglicher sind

Forstwirtschaft

  • Naturgemäßer Waldbau mit partieller Förderung von Lichtbaumarten und liegendem Totholz als Überwinterungsquartiere
  • Umbau von standortfremden Nadelforsten in standortheimische Laub- oder Mischwälder
  • Wiedervernässung entwässerter Waldstandorte durch Verschluss von Entwässerungsgräben
  • Einsatz schwerer Erntemaschinen nur im Zeitraum, wenn sich die Molche im Gewässer aufhalten. Bei winterlichem Einschlag besteht ansonsten die Gefahr des Überfahrens im Winterquartier. Gegebenenfalls motormanueller Einschlag und Abtransport des Holzes im Frühjahr!
  • Bei Durchforstungsarbeiten mit Vollerntern (Harvester) darauf achten, dass keine Holzabfälle in Waldgewässer eingebracht werden, da die Gefahr der Versauerung der Kleingewässer besteht
  • Vorhandene und potentielle Laichgewässer im Wald von beschattendem Baumbewuchs freistellen

Fischereiwirtschaft

  • Bei Fischteichanlagen sollte mindestens ein besonnter Teich nicht mit Fischen besetzt werden. Um die Fischfreiheit zu gewährleisten, ist das Gewässer im Herbst oder Winter einmal jährlich oder wenigstens alle zwei Jahre abzulassen
  • In aufgelassenen Fischteichanlagen ist noch vorhandener Fischbesatz durch Abpumpen, Ablassen oder Abfischen zu entfernen
  • Keine Fischbesatzmaßnahmen in Kleingewässern in der freien Landschaft

Sonstige Maßnahmen

  • Neuanlage von Gewässerkomplexen mit unterschiedlich großen Einzelgewässern bei unterschiedlicher Wasserführung (Nebeneinander von ständig wasserführenden und zeitweise austrocknenden Gewässern – regelmäßiges Austrocknen von Gewässern ist günstig für die Populationsökologie, da Fraßfeinde reduziert werden). Entfernung zwischen den Einzelgewässern max. 200 m, besser 100 m und weniger
  • Verbesserung des Gesamtlebensraumes – optimal sind:
    • a) Maximal 10-20 % der vom Kammmolch besiedelten Fläche werden als Acker oder Mehrschnittwiese / Umtriebsweide genutzt
    • b) Mindestens 10-20 % der Fläche bestehen aus Wald/Feldgehölz
    • c) Restliche Fläche: großflächige Beweidung mit geringem Besatz oder zweischürige Wiesennutzung
      Als Mindestanforderung gilt, dass mind. 20 % des von einer Kammmolchpopulation besiedelten Areals nur gering genutzt oder ungenutzt sein sollte!
  • In Laichgewässern Fischbesatz entfernen durch:
    • a) Ablassen (wenn möglich!)
    • b) Leerpumpen (z.B. in Kooperation mit Feuerwehr, THW und Fischereivereinen)
    • c) Reduktion der Fischdichte durch Zugnetz- oder Elektrobefischung (erfahrungsgemäß nur bei Kleingewässern sinnvoll)
  • Wenn Straßen Lebensraumkomplexe zerschneiden: Anlage von Leiteinrichtungen und Durchlässen mit ausreichender Dimensionierung (mind. 2 m breit und 1 m hoch, da Kammmolche engere Amphibientunnel schlecht annehmen)
  • Öffentlichkeitsarbeit, um für die Belange des Kammmolches (Störungsempfindlichkeit, Reichtum an Lebensraumelementen etc.) zu sensibilisieren