Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Haarstrangwurzeleule

Ziel der Nutzung muss es sein, die wesentlichen Bestandteile des Lebensraums der Haarstrangwurzeleule zu erhalten und zu fördern. Neben der Raupennahrungspflanze, dem Arznei-Haarstrang, gehört dazu im Wesentlichen der umgebende dichte Altgrasbestand oder trockene Halme. Im Grünland schränkt dies die Nutzungsmöglichkeiten ein, da die Tiere nahezu das ganze Jahr geschädigt werden können. Es existiert jedoch ein kleines Zeitfenster für eine Mahdnutzung. Im lichten Wald und auf brachliegenden Magerrasen muss eine ausreichende Besonnung erhalten werden.

Landwirtschaft

  • In allen Lebensräumen Durchführung einer Mahd (nur soweit notwendig) frühestens ab Juni und spätestens bis August. In Baden-Württemberg eine sommerliche Heumahd, keine zweischürige Nutzung (Schanowski 2005). Aus Hessen wird allerdings von Vorkommen auf ein- bis zweischürigen Auwiesen berichtet sowie vom Neckar von negativen Einflüssen durch eine Junimahd
  • Mahd möglichst in mehrjährigen Abständen. Eine jährliche Mahd hat sich in England (in anderen Lebensräumen) unabhängig vom Mahdtermin als negativ herausgestellt (Ringwood et al. 2004)
  • Zur Beweidung gibt es keine Erfahrungen, hier ist vorsorgend eine kritische Bewertung vorzunehmen
  • Bestände des Arznei-Haarstrangs immer nur zu einem Teil an einem bestimmten Termin nutzen (Staffel- oder Mosaikmahd) und Brachebereiche belassen
  • Zur Sicherung werden Dämme und Deiche in der Regel meist häufiger gemäht. Dabei sollte in Lebensräumen der Art die erste Mahd frühestens ab Juni stattfinden. Bei späteren Mahdterminen Belassen von Arznei-Haarstrangpflanzen, die im nächsten Jahr ab Juni mit gemäht werden können
  • Auf den Magerrasen und in lichten Waldbeständen Offenhaltung, aber keine geregelte Beweidung oder Mahd, da die Bestände sich dann besser erhalten

Forstwirtschaft

  • Regelmäßige Entnahme der den Haarstrang beschattenden Gehölze zur Sicherung der Vorkommen auf Brachflächen und im lichten Wald
  • Förderung von Lichtungen und lichten Beständen im Wald
  • Erhaltung und Förderung der Mittel- und Niederwaldwirtschaft

Sonstige Maßnahmen

  • Ausbringen von Samen des Arznei-Haarstrangs an geeigneten Stellen
  • Bei Neuanlage bzw. Verlegung von Dämmen sollte Saatgut aus der Umgebung mit Anteilen des Arznei-Haarstrangs gewonnen und ausgebracht werden. Die Pflanze ist konkurrenzstark. Es gibt zudem positive Erfahrungen, denen zufolge die neuen Stellen auch schnell von der Haarstrangwurzeleule besiedelt werden
  • Umstellung der Beleuchtung in der Nachbarschaft der Lebensräume auf LED und Einschränkung des Beleuchtungswinkels

Verbreitung