Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Grünen Mosaikjungfer

Da eine der Hauptgefährdungsursachen die Nährstoffanreicherung und damit verbunden eine Verlandung der Fortpflanzungsgewässer ist, stehen Maßnahmen zur Verringerung der Nährstoffzufuhr sowie zur Entlandung der Gewässer im Vordergrund. Für die Bremer Flussmarschen wurde ein spezielles Handlungskonzept zur Pflege und Unterhaltung der Grabengewässer konzipiert, ein sogenanntes „ökologisches Grabenräumprogramm“ (vgl. Handke et al. 1999, Nagler 2009). Da die entsprechenden Maßnahmen speziell für Grabensysteme konzipiert wurden, werden sie unter einem eigenen Unterpunkt geführt.

Landwirtschaft

  • Vermeidung von Nährstoffzufuhr in die Fortpflanzungsgewässer, daher kein Einsatz von Gülle oder anderen Düngemitteln im Einzugsgebiet der Gewässer oder deren Umfeld (Einrichtung möglichst großer Pufferzonen)
  • Vermeidung bzw. Verhinderung von Sulfitbelastungen z.B. infolge von Sulfateinleitungen
  • Nicht zu häufige Mahd (ein- bis zweischürig) der an die Fortpflanzungsgewässer angrenzenden Flächen, Seggenriede und Hochstaudenfluren sollen nicht zur Flugzeit zwischen Mitte Juni und Ende Juli gemäht werden
  • Mahd der an die Reproduktionsgewässer angrenzenden Wiesen erst ab mittags, da die Grüne Mosaikjungfer in den kühlen Morgenstunden als wechselwarmes Tier noch nicht fliehen kann
  • Erhaltung bzw. Förderung von Brachen in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer als wichtige Landlebensräume (Hochstaudenfluren, Säume)
  • Wasserhaushalt: ganzjährig hoher Wasserstand (möglichst kein Zu- bzw. Durchfluss); keine Wasserstandschwankungen > 0,5 m
  • Extensive Mahd- oder Weidenutzung (ein- bis zweischürige Mahd, Beweidung mit max. 0,3 GVE/ha) zur Verhinderung einer zu starken Beschattung der Gewässer durch Auflichtung von Ufergehölzen

Unterhaltungsmaßnahmen in landwirtschaftlich genutzten Grabensystemen (z.B. in den Bremer Flussmarschen und der Hamburger Elbmarsch) im Rahmen eines ökologischen Grabenräumungsprogramms

  • 3-5-jährliches Räumungsintervall; die Entscheidung über eine Räumung wird im Zuge einer „ökologischen Grabenschau“ durch Beurteilung des Verlandungsgrades und der Ablagerungsschicht durch Experten getroffen
  • Die Räumung von Krebsscherengräben ist im Optimalstadium (vgl. Handke et al. 1999, Nagler 2009, Jordan et al. 2010; Beurteilung im Zweifelsfall durch Experten) der Krebsschere am günstigsten, da sich dann der Bestand am besten und schnellsten wieder regeneriert
  • Keine Räumung benachbarter Gräben im selben Jahr
  • Die Krebsscheren werden nicht vollständig ausgeräumt; vielmehr werden in regelmäßigen Abständen je nach Gewässer Einzelbestände belassen bzw. nach der Räumung wieder zurückgesetzt
  • Räumung nur jeweils einer Grabenseite (alternierende Grabenräumung)
  • Ziel ist ein räumlich-zeitlich differenziertes, möglichst kleinräumiges Mosaik von unterschiedlich geräumten Gräben (Rotationspflegeprinzip), da hierdurch eine enge Verzahnung von Gewässern unterschiedlicher Entwicklungsstadien entsteht
  • Räumung im September/Oktober mit Mähkorb; damit nicht zu viel zähflüssiger Schlamm in den Grabenkörper zurückläuft, wird in stark verschlammten Gräben ein Metallsieb in den Mähkorb eingesetzt (vgl. Nagler 2009)

Fischereiwirtschaft

  • Kein Fischbesatz in Entwicklungsgewässern der Grünen Mosaikjungfer
  • Keine Entnahme von Krebsscheren
  • Wasserhaushalt: ganzjährig hoher Wasserstand (möglichst kein Zu- bzw. Durchfluss); keine Wasserstandschwankungen > 0,5 m

Sonstige Maßnahmen

  • Entwicklung von Torfstichgewässern (Mecklenburg-Vorpommern)
  • In nicht (mehr) landwirtschaftlich genutzten Grabensystemen oder sonstigen, einer starken