Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Großen Mausohrs

Um Beeinträchtigungen des Großen Mausohrs durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung und Entwicklung kleinräumig gegliederter Landschaften mit insektenreichen Wiesen, Weiden, Ackerrandstreifen, Streuobstwiesen als zumindest vorübergehende Jagdgebiete und Hecken, Feldgehölzen u.ä. als Leitelemente
  • Reduktion des Insektizid- und Herbizideinsatzes (z.B. Förderung des Ökolandbaus oder integrierten Pflanzenschutzes) zur Sicherung der Nahrungsgrundlage und Vermeidung von Giftanreicherungen im Körper der Fledermäuse
  • Erhaltung des Nahrungsangebotes des Großen Mausohrs durch die Verringerung/Vermeidung des Einsatzes von Entwurmungsmitteln in der Weideviehhaltung durch den Gebrauch von Produkten mit geringerer Toxizität auf Nicht-Zielarten oder andere Alternativen zur „klassischen“ Entwurmung (vgl. Petermann 2011)

Forstwirtschaft

  • Erhaltung und Entwicklung unterwuchsarmer Wälder, v.a. Buchenhallenwälder mit höhlenreichem Altbaumbestand, stehendem Totholz, geringer Bodendeckung als Jagdgebiete, eventuell in geringem Maße Waldweide
  • Erhaltung/Kennzeichnung aller (lebender & toter) Quartier- und Höhlenbäume, insbesondere von für die Forstwirtschaft wertloser Bäume mit Quartierpotenzial (z.B. mit Zwiesel, Schadstellen)
  • Erhaltung und Entwicklung naturnah aufgebauter, insektenreicher Waldränder als Jagdgebiete und Flugrouten
  • Vermeidung des Insektizideinsatzes im Wald (Maikäferbekämpfung)
  • Vermeidung waldbaulicher Maßnahmen (z.B. starke Auflichtung, starke Durchforstung etc.) in Jagdgebieten des Großen Mausohrs, die zum Quartierverlust und zur Auflichtung und damit zur starken Förderung der Bodendeckung führen, um die Zugänglichkeit des Waldbodens für die bodenjagenden Mausohren zu sichern
  • Entnahme nicht standortheimischer Gehölze (z.B. Douglasie)

Sonstige Maßnahmen

  • Auffinden von Sommerquartieren und Sicherung derselben durch geeignete Steuerung von Baumaßnahmen und eine Betreuung der Quartiere und der Quartierbesitzer durch Fledermaussachverständige
  • Wiederherstellung von Sommerquartieren und Schaffung neuer Quartiermöglichkeiten (vgl. Biedermann et al. 2007, Dietz & Weber 2000, Hessisches Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen 2009)
  • Vermeidung von Veränderungen der Einflugsituation und klimatischer Bedingungen in Wochenstubenquartieren, kein Einsatz fledermausschädlicher Holzschutzmittel, sondern nach Möglichkeit physikalische Holzschutzmaßnahmen.
    Lesen Sie mehr zur  Sanierung von Fledermausquartieren und zu  Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse
  • Falls erforderlich Quartierschaffung durch Baumschädigung (z.B. gezieltes Fräsen von Höhleninitialen, Risse) vor allem in Bereichen mit Männchen- oder Paarungsquartieren
  • Suche nach Winterquartieren und deren Sicherung durch geeigneten Verschluss und Verhinderung von Störungen während der Winterruhe (z.B. durch Fledermausgitter); Betreuung der Quartiere.
    Lesen Sie mehr über die  Erhaltung eines bedeutenden Winterquartieres und über die  Schutzziele eines, als NATURA-2000 Gebiet ausgewiesenen, Winterquartieres
  • Die Einrichtung von Fahrradwegen in Eisenbahntunneln sollte nur dann vorgenommen werden, wenn der Tunnel nachweislich nicht von Fledermäusen genutzt wird. Die Sicherung der Funktion als Quartier kann nicht dadurch erreicht werden, dass die Nutzung als Radweg auf den Sommer beschränkt wird, da viele Arten auch im Sommer diese Quartiere besuchen und nutzen. Außerdem erfordert die Anlage eines solchen Radweges meist weitere Umbaumaßnahmen (Verkehrssicherung, Beleuchtung etc.), die die Quartiereignung beeinträchtigen.
  • Erhaltung und Entwicklung von Hecken, gegliederten Waldrändern, Feldgehölzen und dergleichen mehr als Flugrouten
  • Akzeptanzsteigerung bestehender Vorkommen (Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärungsarbeit) um unabsichtliche oder absichtliche Beeinträchtigung oder Tötung der Tiere zu verhindern.