Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Großen Hufeisennase

Die Große Hufeisennase nutzt insbesondere im siedlungsnahen Bereich kleinräumig gegliederter Lebensräume in der Kulturlandschaft. Diese müssen eine Anbindung aufweisen an Laubwald und/oder lichte Altkiefernwälder mit gewässerbegleitenden Gehölzen, Hecken, Feldgehölzen, Baumreihen, Obstwiesen, Weiden, die einen großen Insektenreichtum bieten. Um Beeinträchtigungen des Lebensraumes durch die Bewirtschaftung zu verhindern oder zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaft; die Fläche der geeigneten Lebensräume muss mehr als 30 % der Fläche im Umkreis von 3,5 km um das Wochenstubenquartier umfassen (Bontadina 2002)
  • Erhaltung/Förderung von extensiven Weiden, Wiesen, Wiesennutzung mit gestaffeltem Mahdregime
  • Erhaltung/Anlage von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen in Siedlungsnähe als Jagdgebiete und verbindende Landschaftselemente in der Kulturlandschaft
  • Umwandlung von Äckern in Dauergrünland (2-schürige Mahd oder Beweidung < 1 GVE/ha)
  • Verbesserung der Nahrungsgrundlage (Erhöhung der Dungkäferdichte) durch die Initialisierung/Förderung von Rinderbeweidung im Umkreis von Quartieren der Großen Hufeisennase (LBV 2011)
  • Erneute Weidenutzung ehemals beweideter und nun verbuschter bzw. wiederbewaldeter Flächen
  • Erhaltung bzw. Anlage von einem mindestens 10 m breiten Dauergrünlandstreifen (Wiese oder Weide) entlang von Waldrändern und Hecken (Bontadina 2002).
  • Minimierung des Insektizid- und Herbizideinsatzes in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage der Großen Hufeisennase
  • Erhaltung des Nahrungsangebotes der Großen Hufeisennase durch die Verringerung/Vermeidung des Einsatzes von Entwurmungsmitteln in der Weideviehhaltung wie z.B. durch (vgl. Petermann 2011):
    • Verringerung/Verzicht auf Entwurmungsmittelgebrauch durch Verringerung des Parasitendrucks [u.a. durch Weiderotation, Hygiene (in der Herde, Umgebung und im Viehstall), Parasitenmonitoring, Mähen von Weiden] und durch die Erhaltung der Tiergesundheit (Nutzung natürlicherweise resistenterer Tierrassen, gemischte Herden, niedrige Besatzrate von < 1 GVE/ha)
    • Verzicht auf den Einsatz von Entwurmungsmitteln in einem 3,5 km-Radius um die Wochenstubenquartiere zum Schutz der Jagdgebiete der Großen Hufeisennasen
    • Förderung der Anwendung nicht-chemischer Behandlungsmethoden wie z.B. Kieselalgenerde oder pflanzliche Ergänzungsmittel
    • Sofern kein Verzicht auf Entwurmungsmittel erfolgt: Anwendung gering toxischer Mittel [keine Bolusgaben, d.h. Verzicht auf die Gabe eines einmalig verabreichten Entwurmungsmittels, das über einen Zeitraum von bis zu 5 Monaten kontinuierlich seine Wirkstoffe an das Rind abgibt), Medikamentengabe außerhalb der Insektenhauptflugzeit (keine Entwurmungsmittel zwischen 1. März und 31. August), einmonatige Stallhaltung der Tiere nach der Behandlung]

Forstwirtschaft

  • Erhaltung naturnaher, unterwuchsreicher Laubwaldbestände mit Prozessschutz innerhalb eines 3,5 km Radius um bekannte Quartiere (Bontadina 2002) mit Anbindung über lineare Lebensraumelemente, wie Hecken, Baumreihen, an eine Siedlung
  • Erhaltung/Entwicklung naturnaher bzw. natürlicher, stufiger, auch gebuchteter Waldränder und Gehölzstreifen als Jagdgebiete und Flugrouten
  • Räumlicher Verbund von alten Laubwaldflächen (Waldverbundsystem)
  • Einführung von Plenterwaldnutzung
  • Erhaltung lichter Altkiefernwälder
  • Verzicht auf Entwässerung und Förderung von Kleingewässern
  • Entfichtung/Förderung/Wiederherstellung von Ufergehölzen (z.B. in Bachtälern)
  • Verzicht auf Insektizide zur Sicherung der Nahrungsgrundlage der Großen Hufeisennase

Weinbau

  • Verzicht auf Insektizide und Herbizide

Sonstige Maßnahmen

  • Anlage/Förderung/Erhaltung von Obstgärten, Solitärbäumen, Hecken, bachbegleitender Gehölzsäume, Alleen und Baumreihen (auch als Verbindungselemente vom Quartier zum Jagdgebiet), Gärten, Parks, Fassadenbegrünung
  • Pflege von Obstbaumgürteln in Siedlungsnähe
  • Pflegemaßnahmen wie Entbuschung, um eine Erhaltung offener Grünlandflächen zu gewährleisten (Hammer & Matt 1996)
  • Erhaltung/Neuschaffung von Quartieren in und an Gebäuden zur Verbesserung der Quartiermöglichkeiten (vgl. Dietz & Weber 2000), insbesondere als Dachbodenkomplexe in landwirtschaftlichen Gebäuden, v.a. in Waldnähe
  • Keine Fassadenbeleuchtung der Quartiergebäude
  • Ggf. Optimierung der Hangplatzsituation im Wochenstubenquartier durch Installation einer Wärmeplatte aus Marmor, die konstant auf 28°C warm gehalten wird (Dobner 2011)
  • Wiederherstellung von freien Durchflugmöglichkeiten an potenziellen Quartieren, da die Große Hufeisennase auf einen freien Einflug in ihre Quartiere angewiesen ist (Petermann 2011), Betreuung der Quartiere durch Fledermaussachverständige.
    Lesen Sie mehr über die  Erhaltung eines bedeutenden Winterquartiers und über die  Schutzziele eines als NATURA-2000 Gebiet ausgewiesenen Winterquartiers.
  • Verzicht von Holzschutzmitteln auf Dachböden.
    Lesen Sie mehr zur  Sanierung von Fledermausquartieren und zu  Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse
  • Schutz von Winterquartieren vor Störungen im Winter, Sicherung z.B. durch Fledermausgitter, die aber einen freien Einflug der Großen Hufeisennase ermöglichen