Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Großen Abendseglers

Um Beeinträchtigungen des Großen Abendseglers durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern oder zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Parzellen, breiten blütenreichen Säumen, Kleingewässern, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen in Siedlungsnähe als Jagdgebiete und verbindende Landschaftselemente in der Kulturlandschaft
  • Erhaltung und Förderung von wenig genutzten Weiden und Wiesen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes
  • Minimierung des Insektizid- und Herbizideinsatzes in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage des Großen Abendseglers
  • Erhaltung des Nahrungsangebotes des Großen Abendseglers durch die Verringerung/Vermeidung des Einsatzes von Entwurmungsmitteln in der Weideviehhaltung durch den Gebrauch von Produkten mit geringerer Toxizität auf Nicht-Zielarten oder andere Alternativen zur „klassischen“ Entwurmung (vgl. Petermann 2011)

Forstwirtschaft

  • Naturnahe Waldwirtschaft mit Prozessschutz und langen Umtriebszeiten zur Sicherung ausreichender Quartiermöglichkeiten (v.a. Großspechthöhlen), Altholzinselprogramm
  • Förderung höhlenreicher, alter Baumbestände (1 ha große Altbaumbestände mit je 25-30 Höhlen (Häussler & Nagel 2003)) besonders in den Wochenstubengebieten (da der Höhlenreichtum mit dem Alter der Bäume zunimmt und Große Abendsegler traditionell an bestimmte Gebiete gebunden sind, sollten diese Bäume grundsätzlich vom Holzeinschlag verschont werden) (Weid 2002)
  • Förderung von alten Baumbeständen in gewässerreichen Gebieten als wichtige Durchzugs- und Jagdgebiete, insbesondere Erhalt und Schutz der verbleibenden Auenwälder und der Auengewässer (Weid 2002)
  • Höhlenbäume bzw. hohle Bäume entsprechender Größe sollten ohne vorherige Prüfung auf eine Nutzung durch Fledermäuse von Fäll- und Pflegearbeiten ausgeschlossen werden (Hochrein 1999)
  • Erhaltung und Förderung von natürlichen bzw. naturnahen, vielfältigen Waldrändern und Waldinnenrandbewuchs, Waldmantel- und Saumgesellschaften mit heimischen Arten (auch entlang von Waldwegen, Schneisen, Trassen) als Jagdgebiete
  • Erhaltung gliedernder Elemente innerhalb und außerhalb des Waldes (Blohm 2003)
  • Erhaltung/Entwicklung natürlicher und naturnaher Stillgewässer in Wäldern, Halboffen- und im Offenland zur Verbesserung des Nahrungsangebotes
  • Erhaltung von Feuchtflächen im Wald, in Waldnähe und im Offenland zur Sicherung der Jagdgebiete
  • Erhaltung bestehender, kleinflächig eingestreuter Freiflächen (z.B. Waldwiesen und Ruderalflächen) in Wäldern → keine Aufforstung
  • Verzicht auf Insektizideinsätze in der Forstwirtschaft (Schmidt 1997)

Fischereiwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung naturnaher Gewässer im Bereich von Wäldern zur Sicherung der Nahrungsgrundlage
  • Anlage von Schönteichen (ohne Fischbesatz) zusätzlich zu den Fischteichen zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage in Jagdgebieten des Großen Abendseglers

Sonstige Maßnahmen

  • Erhaltung und Förderung alter Baumbestände in den Parks von Städten und Kommunen (vgl. z.B. den Philosophenwald in Gießen oder den Englischen Garten in München) (Weid 2002)
  • Schutz und Erhaltung wichtiger Quartiere in und an Gebäuden und Bauwerken, wie der Levensauer Brücke als bedeutendes Winterquartier des Abendseglers in Schleswig-Holstein (Weid 2002) (vgl. Dietz & Weber 2000)
  • Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden: für vorhandene Winterschlafgesellschaften muss der Ein- und Ausflug gewährleistet bleiben (Hochrein 1999)
  • Schutz der Kolonien durch Verwendung fledermausfreundlicher Holzschutzmittel bei Gebäudesanierungen.
    Lesen Sie mehr zur  Sanierung von Fledermausquartieren und zu  Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse
  • Berücksichtigung der Vorkommen des Großen Abendseglers bei der Planung von Windkraftanlagen und bei WKA-Betrieb gegebenenfalls zeitweise Abschaltung (vgl. Brinkmann et al. 2011)
  • Erhaltung von naturnahen Auen und offenen Tälern in den Mittelgebirgsbereichen
  • Erhaltung/Entwicklung natürlicher und naturnaher Flussläufe mit breiten Gewässerrandstreifen mit Baum- und Gehölzbewuchs zur Verbesserung des Nahrungsangebotes
  • Schutz von Winterquartieren vor Störungen im Winter
  • Erhaltung bzw. fledermausgerechte Öffnung geeigneter Gebäude und Winterquartiere
  • Akzeptanzsteigerung bestehender Fledermausvorkommen in der Bevölkerung durch Quartierbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit