Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Gelbringfalters

Da der Gelbringfalter innerhalb Deutschlands nur noch in Bayern größere Vorkommen hat und ansonsten in Baden-Württemberg nur wenige Bestände, muss jedes einzelne Vorkommen sehr hoch gewertet werden. Am bayerischen Alpenrand gibt es Regionen mit hoher Vorkommensdichte, die aufgrund ihrer Einmaligkeit sehr hoch gewertet werden müssen.

Landwirtschaft

  • Waldweide mit sehr wenigen Tieren, ggf. unterstützt durch vorbereitende Holznutzungen (starke Auflichtung, mindestens bis Kronendeckung < 60 %). Die Beweidung darf nur so stark sein, dass hohe Flächenanteile in einem bracheartigen Zustand mit dichten Grasbeständen verbleiben
  • In Mooren des südbayerischen Alpenvorlandes wird die Art auch durch grenzlinienreiche Waldrandgestaltung in Kombination mit sehr schwacher Beweidung oder Streumahd gefördert (nicht jedoch in Nordexpositionen). Lebensräume sind dabei die breiten Übergangszonen zwischen Streuwiesen und angrenzenden, durch Beweidung oder Holzeinschlag aufgelichteten Wäldern. Die Beweidung muss dabei immer so angelegt sein, dass zwar eine Auflichtung stattfindet bzw. der lichte Wald erhalten bleibt, gleichzeitig aber bracheartige Zustände mit dichten Grasbeständen zur Fortpflanzung entstehen

Forstwirtschaft

  • Erhalt bzw. Wiedereinführung der traditionellen Form der Waldbewirtschaftung auf oder in der Nähe von Flächen mit Gelbringfalter-Vorkommen: oberholzarme Mittelwälder, Niederwälder, Weidewälder, Kleinkahlhiebnutzung oder andere lichte und lichtungsreiche Waldtypen
  • Wiederaufnahme und gezielte Förderung der (oberholzarmen) Mittelwaldnutzung. Vorbilder liefern aktive Ausschlagswälder des Südlichen Steigerwalds, in denen der Gelbringfalter z.T. noch häufig fliegt. Auch in Südbaden (Trockenaue) hat die Wiederaufnahme einer mittelwaldartigen Nutzung binnen weniger Jahre zu einem deutlichen Anstieg der verbliebenen Bestände sowie zur Wiederbesiedlung einer bereits verwaisten Teilfläche beigetragen
  • In bestimmten Fällen in Vorkommensgebieten auch (ergänzend!) Waldwegegestaltung: Öffnung, Verbreiterung und Offenhalten der Wegränder über das „Normalmaß hinausgehend“ durch Entbuschung und Mahd (Durchführung im Rahmen der forstlichen Wegepflege). Die Pflege muss wiederkehrend im Abstand von mehreren Jahren erfolgen. Die genauen Zeitabstände sind von der Wüchsigkeit und dem Aufbau der Pflanzendecke des Standorts abhängig
  • Allgemein ist bei Lebensraum schaffenden Holznutzungen auf gründliche Aufarbeitung (oder Verbrennen) des anfallenden Schwachholzes zu achten, weil verrottende Holzreste Folgeentwicklungen fördern, die vom Gelbringfalter nicht als Fortpflanzungs-Lebensraum nutzbar sind (v.a. konkurrenzkräftige Schlagflurarten auf Kosten der als Raupennahrung genutzten Seggen und Süßgräser)
  • Bei Anpflanzungen ausreichend große Lichtungen und lichte Bestände einplanen, bei fortschreitendem Aufkommen von Gehölzen muss ein Ersatz durch andere Flächen erfolgen oder die Gehölze entfernt werden

Sonstige Maßnahmen

  • Förderung von Ausbreitungsachsen
  • Nutzung aller Möglichkeiten zur Dynamisierung und ständigem Neubeginn der Entwicklung der Pflanzendecke
  • Entwicklung von ausreichenden und einfach anzuwendenden Förderprogrammen für Schmetterlinge des lichten Waldes, hier Gelbringfalter