Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Gelbbauchunke

Die deutschen Hauptvorkommen der Gelbbauchunke sind aktuell in Abbaustellen und in Wäldern anzutreffen. Die größten Beeinträchtigungen resultieren aus dem Mangel an regelmäßig neu entstehenden Fortpflanzungsgewässern. Um die Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. diese unkenfreundlich zu gestalten, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Einbindung von Unkenlebensräumen in großflächige und/oder nur mit geringer Besatzdichte betriebene Beweidungssysteme ohne Düngung und Spritzmitteleinsatz, Erhalt potenziell austrocknender Weidetümpel, keine Auszäunung der Gewässer
  • Erhalt von wassergefüllten Fahrspuren auf Äckern in Unkengebieten

Forstwirtschaft

  • Keine weitere Befestigung von Forstwegen; in begründeten Fällen (Artenschutz) Bodenverdichtungen zulassen, insbesondere in den Rückegassen
  • Förderung von Kleinsttümpeln und Rohbodenflächen auf staunassen Böden
  • Rücksichtnahme auf die Gelbbauchunke bei forstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen; Pfützen und kleine Stillgewässer sollten zwischen April und Oktober nicht durchfahren werden
  • Keine Beseitigung von Fahrspuren, stattdessen regelmäßige „Nutzung“ im Winterhalbjahr
  • Schaffung von unbeschatteten Freiflächen auf definierten, geeigneten Feuchtflächen bzw. Lehmbodenstandorten und Erhalt von entsprechenden Sonderstandorten
  • Erhalt der standörtlichen Vielfalt von Windwurfflächen, keine Einebnung der Wurzelteller und Aufforstung
  • Waldweide mit Rindern oder Pferden zur Offenhaltung bekannter Lebensräume
  • Unterlassung von Waldkalkungen wegen der damit verbundenen stickstoffanreichernden Prozesse (Düngewirkung)

Weinbau

  • Rückschnitt aufkommender Gehölze im Bereich von Regenrückhaltebecken in Weinbergen (ansonsten zu starke Beschattung der potenziellen Fortpflanzungsgewässer)

Sonstige Maßnahmen

  • In aktiven Abgrabungen rotierendes Gewässermanagement in kurzen zeitlichen Intervallen von wenigen Jahren. Gelungene Kooperationen zwischen Abbauunternehmen und Naturschutz finden sich im Internet z.B. unter:  Link 1,  Link 2,  Link 3.
  • In aufgelassenen Abgrabungen keine Wiederherstellung des Ausgangszustandes wie vor Beginn der Abgrabung, sondern Etablierung von Weidesystemen mit geringem Besatz zur Gewässerpflege und Offenhaltung, regelmäßige Neuanlage von Kleingewässern (ca. alle 3 Jahre)
  • Förderung der Gewässerdynamik großer und mittelgroßer Fließgewässer in breiten Korridoren (Uferrandstreifen- und Auenschutz >20 m zur Sicherung der Dynamik, aber keine Ausgrenzung von Weidetieren)
  • Auf Truppenübungsplätzen sollten wie auch im Wald während des Gewässeraufenthalts der Gelbbauchunke (April bis Mitte September) Fahrspuren möglichst nicht durchfahren werden
  • Erhalt bzw. Wiederherstellung naturnaher Auen, um die Entstehung zeitweilig wasserführender Gewässer in der Aue zu fördern
  • Erarbeitung und Umsetzung von Vernetzungskonzepten und -maßnahmen in Waldgebieten entlang von Fließgewässern, Waldwegen und begleitenden Seitengräben sowie auf freigestellten Flächen
  • Vermeidung der weiteren Zerschneidung besiedelter oder potenziell geeigneter Gebiete durch Straßenneu- oder -ausbau, Schienenbau o.ä.