Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Frauenschuhs

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen des Frauenschuhs gehen vor allem von der Forst- und Landwirtschaft aus. Um Beeinträchtigungen durch die Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Extensive Beweidung (z.B. Rinder-Beweidung in Großkoppeln) kann sich im Einzelfall positiv auswirken (Quinger mdl.), die Weideführung sollte allerdings für die einzelne Fläche fallbezogen festgelegt werden

Forstwirtschaft

  • Erhaltung und Förderung eines naturnahen Waldbaus mit verschiedenen Kleinlebensräumen und Mischwäldern mit Bäumen unterschiedlichen Alters
  • Erhaltung und Förderung bestehender Nieder- und Mittelwälder
  • Die Wälder sollten gut durchlichtet sein (vom Offenland bis zum Innenwald) mit einem breiten Waldsaum von 30 bis 40 m. Lesen Sie mehr zur  Waldrandgestaltung
  • Wiedereinführung bzw. Weiterführung der Plenterwirtschaft (Einzelstammentnahme) oder Femelschlagnutzung (kleinflächiger Kahlschlag zur Naturverjüngung) im Bereich der Artvorkommen zur Verbesserung des Lichtangebots (Elend & Gerstberger 1996)
  • Erhaltung und Pflege von Saumbereichen und angrenzenden Halbtrockenrasen
  • Erhaltung bzw. schonende Nutzung von Fichten-Altholzbeständen mit Vorkommen des Frauenschuhs
  • Vermeidung von Aufforstungen nach Windwurf und Offenlassen von durch Rotfäule entstandenen Lichtungen, um neue, geeignete Lebensräume zu schaffen
  • Verbesserung der Lebensraumeigenschaften in bestehenden, aber bestandsschwachen Vorkommen durch Erhöhung des Lichtangebots:
    • Reduktion des Bestockungsgrades bei zu dichtem Kronendach
    • Behutsames Freischneiden bei zu starker Beschattung (zuerst Strauchschicht, dann Kronenbereich auslichten; laut Barth (2007) sollte der Kronenschluss max. 80 % betragen). Auslichtung vorsichtig über mehrere Jahre verteilt durchführen und Auswirkungen genau beobachten
    • Innere Waldränder und Binnensäume vergrößern und neu anlegen
  • Sollte eine Gehölzentnahme an einem Wuchsort unumgänglich sein, ist eine völlige Freistellung der Wuchsorte unbedingt zu vermeiden und das anfallende Schnittgut (auch kleine Äste) vollständig zu entfernen (ohne schweres Gerät)
  • Wiedereinführung alter Waldnutzungsformen (z.B. Niederwaldwirtschaft) in Schutzzonen bzw. im Bereich der Artvorkommen
  • Förderung der Bestäubungsrate durch Schaffung und Erhalt von Lebensräumen für Sandbienen (Waldränder, Säume, Lichtungen) im Umkreis bekannter Frauenschuh-Lebensräume. Geeignete Nistplätze für Sandbienen sind Magerrasen, Säume oder offene, südexponierte Bereiche auf Sand, sandigem Lehm oder Löss mit lückiger Pflanzendecke und Erdanrissen. Diese Lebensraumelemente sollten nicht zerstört oder beeinträchtigt werden. Ebenso sollte das Abmähen von Wegrändern und -säumen im Sommer vermieden werden, da es zu einem schlagartigen Zusammenbruch des Nahrungsangebotes für die im Wald lebenden Wildbienen führen kann
  • Verzicht auf Fungizid-Einsatz zum Schutz des Mykorrhiza-Pilzes

Sonstige Maßnahmen

Allgemeine Schutzmaßnahmen für den Frauenschuh sind:


  • Vorbeugung vor widerrechtlichen Eingriffen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und geeignete Besucherlenkung. Einzäunungen sollten nur im Notfall realisiert werden, da gerade sie besonders anziehend auf Waldbesucher wirken
  • Schutz vor zu starkem Wildverbiss (Ausbringung von Verbissschutzmitteln, Erhöhung des Jagddrucks, gegebenenfalls durch Zäunung bei kleinen Frauenschuh-Beständen)
  • Ausbringen von autochthonem Saatgut in Bereichen bestehender, aber extrem kleiner oder reproduktionsschwacher Populationen
  • Regelmäßige Überprüfung bzw. Überwachung der Bodenqualität (alle 3-5 Jahre), v.a. pH-Wert (Nährstoffeinträge vermeiden, Bodenversauerung bei zu starkem Fichtenbewuchs)