Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings

Da die Populationen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings teilweise starke regionale Unterschiede zeigen, sollte immer ein Experte vor Ort konsultiert werden.

Landwirtschaft

  • Mahd oder Beweidung nicht vom 01.06.-15.09. bzw. 15.06.-15.09., lokal oder regional auch andere Termine. Bei der regionalen Anpassung des spätesten Termins einer ersten Mahd ist zu beachten, dass der Große Wiesenknopf nach der Mahd ausreichend Zeit hat, um Blütenstände auszubilden, bevor die Flugzeit der Art beginnt
    • Im Saarland und anderen warmen Regionen darf - insbesondere auch wegen des Klimawandels (Sommer wärmer, trockener) - nicht nach dem 01.06. gemäht werden, sonst kommt der Große Wiesenknopf nicht mehr rechtzeitig zum Blühen!
    • In Hessen: keine Mahd oder Beweidung zwischen 15.06. und 15.09.
    • Sonderstellung des südlichen Alpenvorlandes, hier gibt es früh (ab etwa Anfang Juni) und spät fliegende Bestände, z.T. eng benachbart. Daher muss im Einzelfall entschieden werden, bei früh fliegenden Populationen ist nur eine einschürige Mahd ab dem 01.09. möglich
  • In Ausnahmefällen ist auf tragfähigem/trockenem Untergrund eine Nachbeweidung in geringer Dichte ab dem 15.09. möglich, einige Lebensräume können auch dauerhaft in geringer Dichte beweidet werden (Bsp. in Rheinland-Pfalz). Im Westerwald gibt es funktionierende Beispiele, bei denen der 2. Mahdtermin durch einen späten Weidegang ersetzt ist
  • Das Mahdregime muss sich an der lokalen Flugzeit und der Wüchsigkeit des Standortes orientieren. Auf Feuchtwiesen produktiver Standorte und Glatthaferwiesen kann eine zweischürige Mahd notwendig sein, auf schwachwüchsigen Streuwiesen kann eventuell eine Herbstmahd nur alle 2 Jahre stattfinden. Insgesamt dürfte in vielen Regionen ein Nutzungsmosaik den verschiedenen Witterungsverläufen und auch klimatischen Veränderungen am besten entsprechen (Mix aus ein- und zweischürigen Wiesen, Extensivweiden und zwei bis vierjährigen Brachen)
  • Eine erste Mahd Ende Mai / Anfang Juni führt dazu, dass der Wiesenknopf zur Flugzeit eine vollständige Nachblüte entwickelt (vgl. Foto Lebensraum) und zahlreich über der restlichen Pflanzendecke steht. Fällt dieser erste Schnitt weg, entwickeln sich v.a. in trockenen, warmen Jahren bei der Mehrzahl der Blütenköpfe zur Flugzeit bereits die Samen - sie sind damit zur Eiablage ungeeignet. Da auch Brachen wichtige Lebensräume sind, können auch ungemähte Wirtspflanzen für die Eiablage geeignete Blütenköpfe bereitstellen
  • Möglichst keine Düngung oder sonstige landwirtschaftliche Verbesserung, ansonsten höchstens maßvolle, am Entzug und der Wüchsigkeit des Standorts orientierte Düngung zur Erhaltung der Vitalität der Raupennahrungspflanze (Sanguisorba officinalis)
  • Immer auch ausreichende Brachebereiche von möglichst ein Drittel der Fläche erhalten (lokal können auch 10-20 % der Fläche ausreichen)
  • Erhaltung von Randstrukturen (z.B. alte Weidezäune oder Brachesäume an Gräben) bei der Zusammenlegung von Flächen
  • Kein Umbruch von Grünland in Ackerland
  • Das Mähgut muss immer abtransportiert werden, meist keine Mulchmahd, kann lokal zeitweise geduldet werden
  • Großflächige Bewirtschaftungseinheiten ohne unterschiedliche Schnittzeitpunkte sollten durch Saumstreifen unterteilt werden, die erst beim Herbstschnitt genutzt werden. Deren Lage sollte je nach Produktivität in Abständen von 2 bis 5 Jahren verlegt werden, um eine Verfilzung der Pflanzendecke zu vermeiden
  • Bewirtschaftung der Flächen nur bei trockenem Wetter um einer übermäßigen Bodenverdichtung vorzubeugen

Forstwirtschaft

  • Keine Aufforstung von Wiesenflächen mit Vorkommen der Art oder in deren Umgebung (Schattwirkung, Isolationswirkung, etc.)

Sonstige Maßnahmen

  • Ähnliche Flächen im Umkreis von 300 m sollten in Erhaltungsmaßnahmen integriert werden
  • Pflegemahd auf besiedelten Grünlandbrachen auf jährlich wechselnden Teilbereichen ab dem 15. September. Jede Teilfläche spätestens alle 3 Jahre einmal mähen und Schnittgut von der Fläche entfernen
  • Abstimmung von Zielkonflikten im Naturschutz: Mahdtermine in Wiesenbrütergebieten z.B. in verschiedene Parzellen einteilen
  • Brachestreifen müssen in geeigneter Weise vor der (versehentlichen) Nutzung durch den später mähenden Nachbarn geschützt werden. Sie können z.B. in der Mitte der Fläche angelegt werden. Da beim Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling jedoch gelegentlich festgestellt wurde, dass die Randlagen gegenüber den Zentralbereichen der Lebensräume bevorzugt werden, muss diese Differenzierung berücksichtigt werden. Solange die Ursachen noch nicht herausgearbeitet sind (z.B. Wirtsameisenverteilung, Aufbau der Pflanzendecke, Konkurrenzvermeidung gegenüber dem Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling), muss mit Vorsicht gehandelt werden