Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Breitflügelfledermaus

Um Beeinträchtigungen der Breitflügelfledermaus durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Weiden, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum (v.a. Käfer) bieten
  • Vermeidung der Nutzungsänderung von Grünland zu Ackerland für z.B. großflächige Monokulturen, Energiepflanzenanbau
  • Minimierung des Insektizid- und Herbizideinsatzes zur Sicherung der Insektenvielzahl (v.a. Käfer)
  • Erhaltung des Nahrungsangebotes der Breitflügelfledermaus durch die Verringerung/Vermeidung des Einsatzes von Entwurmungsmitteln in der Weideviehhaltung wie z.B. durch (vgl. Petermann 2011):
    • Verringerung/Verzicht auf den Gebrauch von Entwurmungsmitteln durch Verringerung des Parasitendrucks u.a. durch Weiderotation, Hygiene (in der Herde, Umgebung und im Viehstall), Parasitenmonitoring, Mähen von Weiden und durch die Erhaltung der Tiergesundheit (Nutzung natürlicherweise resistenterer Tierrassen, gemischte Herden, niedrige Besatzrate von < 1 GVE/ha)
    • Verzicht auf den Einsatz von Entwurmungsmitteln (Avermectinen) in einem 4 km Umkreis um Wochenstubenquartiere, um die Jagdgebiete der Breitflügelfledermaus zu schützen
    • Förderung der Anwendung nicht-chemischer Behandlungsmethoden wie z.B. Kieselalgenerde oder pflanzliche Ergänzungsmittel
    • Sofern auf Entwurmungsmittel nicht verzichtet wird: Anwendung gering toxischer Mittel (keine Bolusgaben, d.h. Verzicht auf die Gabe eines einmalig verabreichten Entwurmungsmittels, das über einen Zeitraum von mehreren Monaten kontinuierlich seine Wirkstoffe an das Tier abgibt), Medikamentengabe außerhalb der Insektenhauptflugzeit (keine Behandlung mit Entwurmungsmitteln zwischen 1. März bis 31. August), einmonatige Stallhaltung der Tiere nach der Behandlung)

Forstwirtschaft

  • Minimierung des Insektizideinsatzes, Verzicht auf Bekämpfung der Massenvermehrungen von Insekten (z.B. Maikäfer)
  • Erhaltung und Entwicklung naturnaher, vielfältiger Waldränder, Schneisen, Waldwege und Gehölzstreifen mit heimischem Pflanzenbewuchs, die zur Verbesserung des Nahrungsangebotes dienen und als Flugrouten in die Jagdgebiete genutzt werden können

Sonstige Maßnahmen

  • Erhaltung/Neuschaffung von Quartieren in und an Gebäuden zur Verbesserung der Quartiermöglichkeiten (vgl. Dietz & Weber 2000)
  • Vermeidung der Zerstörung von Quartieren durch Abriss, Sanierung, Dämmung → wenn Vermeidung nicht möglich, Schaffung von Ausweichquartieren an angrenzenden Gebäuden
  • Fledermausfreundliche Fassadengestaltung z.B. regional passend mit Schiefer, Dacheindeckung mit Holzbetonpfannen und Unterdach, sowie Verkleidung von Schornsteinköpfen zur Schaffung von Quartiermöglichkeiten in der Umgebung bekannter Wochenstubenquartiere
  • Schutz der Kolonien durch Verwendung fledermausfreundlicher Holzschutzmittel bei Gebäudesanierungen. Lesen Sie mehr zur  Sanierung von Fledermausquartieren und zu  Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse.
  • Akzeptanzsteigerung für bestehende Fledermausvorkommen bei der Bevölkerung durch Quartierbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit durch Fledermaussachverständige
  • Zulassen der Einrichtung von Fahrradwegen in Eisenbahntunneln nur dann, wenn diese nachweislich nicht von Fledermäusen als Quartier (Sommer-, Winter- oder Paarungsquartier) genutzt werden
  • Schaffung und Erhaltung parkartiger Landschaften, insektenreicher (v.a. Käfer) Bepflanzungen in Gärten, naturnaher Wiesen und als Jagdgebiet und Flugrouten geeigneter Flächen im Siedlungsbereich
  • Verzicht auf Insektizide und Herbizide bei der Pflege privater und öffentlicher Grünflächen
  • Schutz von Winterquartieren (Gruben, Stollen usw.) vor Störungen im Winter, Sicherung durch geeignete Türen (Einflugspalten, quer verlaufende Gitterstäbe); Betreuung der Quartiere durch Fledermaussachverständige
  • Berücksichtigung der Fledermäuse bei der Planung von Windkraftanlagen (v.a. bei Kleinwindanlagen) und gegebenenfalls zeitweise Abschaltung