Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Blauschillernden Feuerfalters

Je nach Nährstoffverfügbarkeit werden die notwendigen Lebensraumbedingungen durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen dem zweibrütigen Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern und allen anderen deutschen Vorkommen in den Mittelgebirgen und am Alpenrand. Aber auch dort ist eine große Variationsbreite gegeben. In allen Fällen ist die Nutzung der Lebensräume nicht land- oder forstwirtschaftlich gewinnbringend.

Landwirtschaft

  • Erhaltung kleinräumiger und vielfältiger Mosaike mit unterschiedlicher Pflanzendecke in Feuchtwiesen und Brachen mit viel Schlangen-Knöterich. In Mecklenburg-Vorpommern Deckung mit Wiesenknöterich > 20% fördern
  • Erhaltung eines Mosaiks verschiedener Entwicklungsstadien der Pflanzendecke
  • In Mecklenburg-Vorpommern war die alle 2 Jahre durchgeführte Mahd aufgrund der Produktivität der Flächen unzureichend und hat zum Rückgang der Vorkommen geführt. Je nach Wüchsigkeit der einzelnen Teilflächen ist eventuell sogar eine zweischürige Mahd (mit Abtransport des Mähguts) notwendig, um Nährstoffe zu entziehen. Die Nutzung muss jeweils während der Puppenphase stattfinden (Mitte bis Ende Juni, spätestens bis 10. Juli und Mitte August bis Mitte September; Zeitpunkt in Abstimmung mit der aktuellen Entwicklung der Raupen). Ein stärkeres Nutzungsmosaik muss angestrebt werden
  • In allen anderen Vorkommensgebieten meist Rotations- und Inselmahd, bei der die Mahd abschnittsweise erfolgt und bestimmte Teilflächen stehen gelassen werden. Je nach Zustand der Pflanzendecke und nach Vorkommen der Raupenfutterpflanze kann eine abschnittsweise Mahd alle 5-10 Jahre ausreichen, in nährstoffreichen Beständen kann auch zur Förderung der Futterpflanze eine jährliche Mahd sinnvoll sein. Mahd auch hier nur während der Puppenphase, in Südbayern kann dies bis Ende Oktober erfolgen. Mähgut sollte entfernt werden, um Nährstoffe auszutragen
  • Um die Puppe in der Streuschicht zu schonen, kann es wichtig sein, den Schnitt bei der Mahd hoch zu führen
  • Nach Studien in den Ardennen (Goffart et al. 2010) und in der Schweiz (Steiner et al. 2006) kann auch eine sehr schwache Beweidung den Lebensraum erhalten, ähnliche Beobachtungen liegen auch aus dem Westerwald (Fischer et al. 1999), den Schwäbisch-Oberbayerischen Voralpen und aus Luxemburg vor. Hierzu ist eine genaue Einzelfallabstimmung notwendig
  • In Mecklenburg-Vorpommern Förderung einer niedrigen Pflanzendecke (< 50 cm) mit geringer bis mittlerer Dichte der Pflanzen durch Nährstoffentzug

Forstwirtschaft

  • Die starke Verzahnung der Lebensräume zwischen offenen Flächen mit Schlangen-Knöterich und windschützenden Randgehölzen muss erhalten werden
  • Beseitigung aufkommender Gehölze auf der Fläche

Sonstige Maßnahmen

  • Stabilisierung des Grundwasserhaushalts. In Mecklenburg-Vorpommern beginnt der negative Wasserhaushalt der Niedermoorflächen oft bereits im Spätwinter (durch intensiven Schöpfwerksbetrieb, um eine möglichst frühzeitige Frühjahrsbodenbearbeitung durchführen zu können) und führt zu einer Mineralisierung der Torfböden und damit verbunden zu einer Nährstofffreisetzung. Auch im Westerwald sind durch die Mineralisierung negative Veränderungen auf sehr alten Brachen (z.T. 50-60 Jahre) zu beobachten
  • Verbesserung des Biotopverbundes unter Berücksichtigung der geringen Flugdistanzen der Falter
  • Insbesondere Mecklenburg-Vorpommern: gezielte Wieder-Ansiedlung in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden auf geeigneten Flächen, um das Aussterberisiko durch unvorhergesehene Ereignisse bei nur einem Vorkommen zu minimieren