Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Bechsteinfledermaus

Um Beeinträchtigungen der Bechsteinfledermaus durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Bewirtschaftungseinheiten, breiten blütenreichen Säumen, Bauminseln, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen in Siedlungsnähe und als Landschaftselemente in der Kulturlandschaft

Forstwirtschaft

  • Erhaltung/Schutz (Sicherung) von geeigneten Waldbeständen mit Wochenstuben durch Beibehaltung, Wiederaufnahme und Förderung einer Waldbewirtschaftung, die naturhöhlenreiche, mehrschichtige, laubholzreiche Wälder (vor allem mit Stiel- und Traubeneiche) mit Prozessschutz begünstigt
  • Erhaltung/Entwicklung von Wäldern mit mehrschichtigem Bestandsaufbau und nicht zu dichter Unterschicht (Zwischen- und Strauchschicht und einem Deckungsgrad von 15-30 %) zur Verbesserung des Lebensraumes (Jagdgebietsanspruch der Bechsteinfledermaus mindestens 250 ha Wald) (Meschede & Heller 2000)
  • Erhöhung des Totholzanteils in Wäldern (stehendes Totholz, Altholzinseln insbesondere mit Eiche), wobei Bäume und Äste mit Höhlenbildungen sowie mit abstehender Borke besonders wichtig sind
  • Erhaltung/Förderung von Wäldern mit ausreichend vielen, flächendeckenden, natürlichen Quartierangeboten zum Aufbau eines Quartierverbundes (mindestens 7-10 Höhlenbäume/ha) (Meschede & Heller 2000), dasselbe gilt für Waldgebiete mit bestehenden Kolonien (Meinig et al. 2004)
  • Kleinräumige, mosaikartige Waldbewirtschaftung ohne Kahlschläge (wenn Holzentnahme nur Einzelbaumentnahme)
  • Erhaltung/Kennzeichnung aller Anwärter-, Quartier- und Höhlenbäume, insbesondere von für die Forstwirtschaft wertlosen Bäumen mit Quartierpotenzial (z.B. mit Zwieseln, Schadstellen)
  • Förderung/Erhaltung des Laubwaldanteils in den Wäldern und der für die Bechsteinfledermaus wichtigen Waldentwicklungsphasen, wie z.B. Jungwuchs-, Klimax- und Zerfallsphase innerhalb des Waldgebietes
  • Entnahme nicht standortheimischer Gehölze (z.B. Douglasie)

Sonstige Maßnahmen

  • Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen besonders zwischen Waldgebieten als verbindende Elemente von Teillebensräumen
  • Erhaltung/Entwicklung von alten Streuobstwiesen, Hecken, Feldgehölzen (im räumlichen Verbund) als Lebensraum und zur Sicherung der Nahrungsgrundlage in weniger waldreichen Gebieten mit Bechsteinfledermausvorkommen
  • Schutz der Tiere in den unterirdischen Winterquartieren durch geeignete Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugtes Betreten zur Vermeidung von Störungen (z.B. durch Fledermausgitter).
    Lesen Sie mehr über die  Erhaltung eines bedeutenden Winterquartieres und über die  Schutzziele eines, als NATURA-2000 Gebiet ausgewiesenen, Winterquartieres.
  • Einrichtung von Fahrradwegen in Eisenbahntunneln nur dann, wenn diese nachweislich nicht von Fledermäusen als Quartier (Sommer-, Winter- oder Paarungsquartier) genutzt werden
  • Vermeidung von Verkehrsopfern durch Grünbrücken über Autobahnen, Unterführungen, Schutzwänden, Straßentunneln etc. (Haensel & Rackow 1996)