Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Becherglocke

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen der Becherglocke gehen vor allem von Land- und Forstwirtschaft aus. Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Pflege der Pfeifengraswiesen durch Mahd ab Anfang November:
    • Mähgutbeseitigung mit einem tief eingestellten Schwader um Keimstellen zu schaffen
    • Zusätzlich bzw. alternativ gelegentliche Verwendung von Schleppeggen nach der Mahd bzw. im Winterhalbjahr
  • Verringerung des Nährstoffeintrags in Becherglocken-Bestände aus angrenzenden Äckern durch Umwandlung in wenig bis nicht gedüngtes Grünland
  • Pflege von Rainen und Böschungen durch gelegentliches Freischneiden bzw. Mähen im Spätherbst oder Winter

Forstwirtschaft

  • Mittelwaldwirtschaft, d.h. häufige Durchforstung vor allem des Unterwuchses (Hasel, Hartriegel, Weißdorn etc.), fördert die Becherglocke
  • Umwandlung von Fichten- und Pappelkulturen in lichte, standorttypische Laubwälder aus Esche, Stiel-Eiche, Hainbuche, Flatter-Ulme
  • Verzicht auf dichte Schonungen. Auch Schonungen von standorttypischen Laubbäumen (Esche) sind frühzeitig (spätestens im 3. Jahr) und mehrfach (innerhalb der ersten 10 Jahre mindestens dreimal) zu durchforsten
  • Verzicht auf Kahlschläge, da sich dort bevorzugt konkurrenzstarke Hochstauden ausbreiten und die Becherglocke verdrängen. Stattdessen Einzelstammentnahme, Aufasten, Unterholzauslichtung etc.
  • Vermeidung von Rückeschäden bei der Waldbewirtschaftung am Fundort
  • Kein Einsatz von schweren Maschinen am Fundort
  • Verringerung der Wilddichte, Verzicht auf Wildfütterungen und auf Wildäcker im Wald oder am Waldrand
  • Einzäunungen bzw. Ausbringen von Verbissschutzmitteln: dreimaliges Ausbringen während der Wachstumsperiode (Mitte/Ende Mai, Ende Juni, Ende Juli/Anfang August) im 2-5 m Umkreis um die Pflanzen

Allgemein gilt für bewirtschaftete Flächen

  • Schutzmaßnahmen müssen in erster Linie dem hohen Lichtbedarf der Becherglocke sowie ihrer Konkurrenzschwäche gerecht werden. Daher sollten die Maßnahmen zur Erhaltung bestehender Bestände zunächst der Auflichtung dienen durch Ausasten von Bäumen, Auflichten des Unterholzes, Durchforsten und Abtransport des Astwerks, Mahd und Entbuschung von Pfeifengraswiesen. Durch diese Maßnahmen gewinnen Becherglocken, wie frühere Untersuchungen zeigten (Scheuerer & Späth 2005), schnell an Vitalität und Blühfreudigkeit
  • Durch die Auflichtungsmaßnahmen kam es in der Vergangenheit jedoch auch zur Zunahme des Wildverbisses. Daher empfiehlt sich nach der Auflichtung das Ausbringen von Verbissschutzmitteln bzw. Einzäunungen

Sonstige Maßnahmen

  • Jährliche Bestands- und Fitnesserfassung der bekannten Vorkommen
  • Ankauf privater Flächen mit Artvorkommen und Gestaltung zur Bestandssicherung
  • Schaffung von Rohboden für die Keimung
  • Bekämpfung der eingewanderten konkurrenzstarken Arten (Neophyten) durch Ausreißen (nicht durch Mähen, da die Becherglocke mahdunverträglich ist)
  • Anwendung von Wald-Vertragsnaturschutz
  • Wegen Gefahr des Aussterbens am natürlichen Standort wurden aus Samen der deutschen Pflanzen Erhaltungskulturen in Botanischen Gärten angelegt (Botanischer Garten der Universität Regensburg)
  • Ausbringung von Samen und vorgezogenen Jungpflanzen an geeigneten Standorten
  • Aufnahme von Saatgut der deutschen Vorkommen in eine Samenbank („Genreserve Bayern“)