Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Weißrandfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße kann zwischen einigen wenigen Weibchen und bis zu mehreren hundert Individuen variieren (Barak & Yom-Tov 1989, Rudolph et al. 2010). Bei der Weißrandfledermaus wurde ein kleinräumiger Wechsel zwischen verschiedenen Wochenstubenquartieren beobachtet (Rudolph et al. 2010). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Da die Weißrandfledermaus ihre Männchen- Paarungs-, Winter- und Wochenstubenquartiere vorzugsweise in menschlichen Siedlungen, oft in größeren Städten, an und in Gebäuden wählt, stellt die Quartierzerstörung z.B. bei Renovierungsarbeiten die größte Gefährdung für die Art dar.

Land- und Fischereiwirtschaft

  • Verringerung des Insektenangebotes und Verlust von Flugrouten durch das Zusammenlegen von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Schlägen (v.a. im unmittelbaren Umfeld von Siedlungen), die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen
  • Verringerung des Insektenangebotes und Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. Schwächung, geringere Fruchtbarkeit) durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in der Landwirtschaft v.a. im unmittelbaren Umfeld von Siedlungen
  • Verschlechterung der Nahrungsgrundlage durch Zerstörung von Flachwasserbereichen in Gewässern in Siedlungsnähe
  • Verschlechterung der Nahrungsgrundlage durch zu hohe Besatzdichte in Fischteichen

Sonstige

  • Verlust von Spaltenquartieren und kleinen Hohlraumquartieren (wie in Rollladenkästen, Öffnungen unter Dachrinnen) in Siedlungen durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden bzw. Abriss von Gebäuden
  • Vergiftung der Quartiere durch Holzschutzmittelbehandlungen
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäuden)
  • Verlust von Jagdgebieten und Verringerung des Insektenangebotes durch Reduktion breiter Gewässerrandstreifen mit Gehölzen (z.B. durch Uferverbau) vor allem innerhalb und im unmittelbaren Umfeld von Siedlungen
  • Jagdgebietsverlust durch Siedlungserweiterungen, wenn innerstädtische Grünanlagen mit Gehölzen durch Umnutzungen verloren gehen
  • Verlust von Jagdgebieten und Verringerung des Insektenangebotes durch Entfernen von Gehölzen innerhalb und im unmittelbaren Umfeld von Siedlungen
  • Verlust der Nahrungsgrundlage und Vergiftung der Fledermäuse (Anreicherung der Giftstoffe im Körper der Tiere) durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in privaten und öffentlichen Grünanlagen
  • Tötung durch Kollisionen im Straßenverkehr

Überblick zum Status der Art

FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009)* (Ungefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007)LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009)-
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: günstig