Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Wasserfledermaus

Um Beeinträchtigungen der Wasserfledermaus durch land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Parzellen, breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die als Flugrouten genutzt werden können
  • Minimierung des Einsatzes von Insektiziden und Herbiziden in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage und zur Erhaltung der Gesundheit der Tiere

Forstwirtschaft

  • Erhaltung von Höhlenbäumen und Belassen von Alt- und Totholz im Wald im Nahbereich (1,5 km) zu größeren Gewässern oder Teichgebieten bei gegebenenfalls gleichzeitiger Anlage von Leitelementen zu den Gewässern und einer Erhöhung der Umtriebszeiten für Buche auf über 180 Jahre und für Eiche auf über 240 Jahre oder eine Ausweisung von Altholzparzellen im Umkreis von 1,5 km um das Gewässer (1 Altholzparzelle pro Flusskilometer oder 30 geeignete Quartierbäume pro Kolonie), um Sommerquartiere der Wasserfledermaus zu erhalten bzw. bereitzustellen
  • Verzicht auf oder zumindest Verringerung der Entwässerung in Wäldern (z.B. bestehende Entwässerungsgräben verschließen, Rücknahme von Drainagen, Ausweitung von Retentionsräumen)
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung von naturnahen Fließ- und Stillgewässern mit naturnahen bzw. natürlichen Gewässerrandstreifen und Anbindung an Wälder als Jagdgebiete
  • Erhaltung/Wiederherstellung von Mooren zur Steigerung des Insektenvorkommens
  • Erhaltung/Entwicklung von natürlichen oder naturnahen, stufenreichen Waldrändern mit einheimischen Pflanzenarten als Flugrouten oder Jagdgebiete
  • Erhaltung/Entwicklung naturnaher Gewässer mit Randstreifen im Bereich von Wäldern zur Sicherung der Nahrungsgrundlage
  • Minimierung des Einsatzes von Insektiziden und Herbiziden in der Forstwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage und zur Erhaltung der Gesundheit der Tiere

Fischereiwirtschaft

  • Erhaltung und Anlage von Flachwasserzonen in bewirtschafteten Teichen zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage der Wasserfledermaus
  • Anlage von Schönteichen (ohne Fischbesatz) zusätzlich zu den Fischteichen zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage in Jagdgebieten der Wasserfledermaus
  • Förderung möglichst niedriger Besatzdichten in der Teichwirtschaft
  • Kein Überspannen von Kleingewässern/Fischteichen mit Netzen zur Vermeidung von Gefahrenquellen für die Fledermäuse auf der Jagd

Sonstige Maßnahmen

  • Erhaltung/Entwicklung von Lebensraumelementen wie Hecken und Feldgehölzen für die Erhaltung/Entwicklung des Nahrungsangebotes und der Flugrouten, insbesondere zwischen Quartiergebieten und Jagdgewässern
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung von naturnahen Fließ- und Stillgewässern mit naturnahen bzw. natürlichen Gewässerrandstreifen als Jagdgebiet
  • Erhaltung und Förderung von Gewässern mit Waldanbindung
  • Erhaltung von Höhlenbäumen im Nahbereich zu größeren Gewässern (insbesondere beim Hochwasserschutz)
  • Schutz von Winterquartieren vor Störungen im Winter, Sicherung z.B. durch Fledermausgitter
    Lesen Sie mehr über die erfolgreiche Sicherung eines bedeutenden Winterquartieres
  • Einrichtung von Fahrradwegen in Eisenbahntunneln nur dann, wenn diese nachweislich nicht von Fledermäusen als Quartier genutzt werden
  • Verzicht auf Verschönerungsbeleuchtung (z.B. Brücken, die sich weniger als 6 m über der Wasseroberfläche befinden) und Beleuchtung mit Event-Charakter (z.B. bei stadtnahen Gewässern)
  • Im Fall von Gebäudequartieren: Schutz (keine Renovierung/Sanierung während der Wochenstubenzeit, keine Zerstörung der Einflugöffnungen und Hangplätze)