Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Rauhautfledermaus

Um Beeinträchtigungen der Rauhautfledermaus durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung kleinparzelliger und insektenreicher Kulturlandschaften mit linienförmigen Elementen wie Hecken, Feldgehölzen, Säumen und Baumreihen als Leitelemente für die Rauhautfledermaus
  • Erhaltung/Förderung/Wiederherstellung von Feuchtwiesen und Kleingewässern in der Kulturlandschaft zur Steigerung des Insektenvorkommens

Forstwirtschaft

  • Erhöhung/Verbesserung der Quartierdichte für die Rauhautfledermaus durch:
    • Erhaltung von Spalten an Anwärterbäumen (mit z.B. Höhlen, abstehender Borke, Zwieselbildung, Rissbildung) und von schlechtwüchsigen Bäumen und Bäumen geringerer Wertigkeit) durch Stehenlassen solcher (rindengeschädigter) Bäume
    • Erhaltung/Förderung von mindestens 10 geeigneten Quartierbäumen/ha in Gebieten mit zu geringem Quartierangebot im Bereich von Rauhautfledermausvorkommen
    • Erhaltung aller bekannten Quartierbäume mit einer Schutzzone von einer Baumlänge, damit der Quartierbaum bei Einschlägen nicht versehentlich mitgerissen wird
  • Förderung der Lebensraumqualität der Rauhautfledermaus durch:
    • Erhöhung der Umtriebszeiten in ausgewählten Beständen (Buche >200 Jahre, Eiche > 300 Jahre)
    • Einrichtung von Naturwaldparzellen (Herausnahme aus jeglicher Nutzung, mindestens 10 ha in bekannten Quartierkomplexen → 10 % aus der Nutzung nehmen); Nutzungsverzicht v.a. auch in Auenwäldern/Auenwaldabschnitten und Feuchtwäldern
    • Verzicht auf oder zumindest Verringerung der Entwässerung in Wäldern (z.B. bestehende Entwässerungsgräben verschließen, Rücknahme von Drainagen, Ausweitung von Retentionsräumen)
    • Erhaltung bzw. Wiederherstellung von naturnahen Fließ- und Stillgewässern mit naturnahen bzw. natürlichen Gewässerrandstreifen und Anbindung an Wälder als Jagdgebiete und wichtige Lebensräume zur Zugzeit
    • Erhaltung/Förderung/Wiederherstellung von Auenwäldern (Entfichtung in Bachtälern) und Wiederanschluss von Altarmen
    • Erhaltung/Wiederherstellung von Mooren zur Steigerung des Insektenvorkommens
    • Erhaltung/Entwicklung von natürlichen bzw. naturnahen, stufenreichen Waldrändern mit einheimischen Pflanzenarten als Flugrouten bzw. Jagdgebiete
    • Minimierung des Einsatzes von Insektiziden und Herbiziden in der Forstwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage und zur Erhaltung der Gesundheit der Tiere
    • Räumlicher Verbund von alten Laubwaldflächen als Jagdgebiete für die Rauhautfledermaus → Aufbau eines Waldverbundsystems (Meschede & Heller 2000)

Fischereiwirtschaft

  • Erhaltung und Anlage von Flachwasserzonen in bewirtschafteten Teichen zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage der Rauhautfledermaus
  • Erhaltung von Altbäumen an Teichdämmen und -ufern
  • Anlage von Schönteichen (ohne Fischbesatz) zusätzlich zu den Fischteichen zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage in Jagdgebieten der Rauhautfledermaus
  • Förderung möglichst niedriger Besatzdichten in der Teichwirtschaft

Sonstige Maßnahmen

  • Aufhängen von Fledermauskästen an Bäumen in Wäldern mit Gewässern bzw. in Gewässernähe als zusätzliches Quartierangebot während der Übergangszeit bis ausreichend natürliche Quartiere vorhanden sind
    Nützliche Tipps zum Bau von Fledermauskästen.
  • Erhaltung und Schaffung von Spaltenquartieren (Holzverkleidungen, Fledermausbretter (vgl. Deschka 2007)) an landwirtschaftlichen Gebäuden sowie Jagdkanzeln und Gebäuden im Wald
  • Schutz der Kolonien durch Verzicht auf giftige Holzschutzmittel bei Gebäudesanierungen
  • Erhaltung/Entwicklung von Lebensraumelementen wie Hecken und Feldgehölzen, die das Nahrungsangebot für die Rauhautfledermaus verbessert und zusätzlich als Flugrouten genutzt werden können
  • Vermeidung von Zerschneidung des Lebensraums und von Verkehrsopfern durch den Bau von Unterführungen, Grünbrücken etc. beim Bau von Straßen
  • Berücksichtigung der Rauhautfledermäuse bei der Planung von Windkraftanlagen und gegebenenfalls zeitweise Abschaltung