Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Mopsfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Häufig ist die Kolonie relativ klein, meist bestehend aus nur 10-25 Weibchen, selten bis 80 Weibchen (Spitzenberger 1993, Weidner 2000). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz et al. (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Bei der Mopsfledermaus werden die Wochenstubenquartiere fast täglich gewechselt (Steinhauser 2002). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich auch innerhalb eines Waldgebietes klar abgrenzbar. Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen in einem Waldgebiet) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Die Mopsfledermaus ist hauptsächlich durch ihre sehr starke Anpassung an den von ihr bevorzugten Lebensraum (unbewirtschaftete oder nur wenig durchforstete Wälder) mit Quartieren hinter abstehender Borke vor allem an stehendem Totholz und durch die Spezialisierung auf Nacht- und Kleinschmetterlinge als Nahrungsressource gefährdet. Sie ist bei Lebensraum-, Quartier- und Nahrungsknappheit weniger flexibel als andere Fledermausarten und kann kaum ausweichen.

Land- und Forstwirtschaft

  • Verlust von Leitelementen (Feldgehölze, Hecken, Baumreihen, etc.) durch Zusammenlegung von Flächen zu größeren Schlägen
  • Verringerung des Insektenreichtums durch den Einsatz von Insektiziden (besonders gegen die Raupen der Nachtfalter) und Herbizide in der Land- und Forstwirtschaft und indirekte Vergiftung der Mopsfledermaus (Anreicherung der Giftstoffe im Fettgewebe und in der Muttermilch) (Sierro 2003, Sierro & Arlettaz 1997)
  • Mehrfache Mahd insektenreicher Wiesen, Verringerung des Bracheanteils aufgrund erhöhter landwirtschaftlicher Nutzung von insektenreichen Brachen oder Umwandlung von Grünland in insektenärmeres Ackerland, führt zur Abnahme des Kleinschmetterlingsvorkommens als Nahrungsgrundlage der Mopsfledermaus (Sierro & Arlettaz 1997)
  • Quartierverlust durch die Entnahme von Alt- und stehendem Totholz (vor allem von Bäumen mit Spaltenquartieren z.B. hinter abstehender Borke, durch Riss- oder Zwieselbildung) und zu geringem Anteil an stehendem Alt- und Totholz in den Wäldern (z.B. durch Brennholz-Selbsterwerber)
  • Verlust von Jagdgebieten und Flugrouten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, stufen- und gehölzreicher Waldränder und gebüschreicher, lichter Wälder mit Gewässern und Waldwiesen
  • Verlust von Individuen durch Fällung von Bäumen mit abstehender Borke, hinter der die Mopsfledermaus in ihren Winter- oder Sommerquartieren nicht bemerkt wird
  • Verschlechterung des Nahrungsangebotes (vor allem nachtaktive Kleinschmetterlinge) in Wäldern durch Reduktion natürlicher oder naturnaher Wälder (auch Altholzbestände) durch großflächige, intensive Hiebmaßnahmen und durch Aufforstung mit nicht standortheimischen Baumarten (z.B. Douglasie (Goßner 2004)), die zu einer Verarmung der Insektenvielfalt führen
  • Verschlechterung/Verlust von Winterquartieren durch Verdichtung, Verfüllung, Freistellung oder Aufforstung im Umfeld von Felsbildungen und unterirdischen Hohlräumen im Wald, so dass diese nicht mehr als Winterquartier genutzt werden können

Sonstige

  • Besonders starke Störung der Tiere durch ihr exponiertes Überwinterungsverhalten an Höhleneingängen durch Besucher (Geocaching), Abenteurer, Kletterer oder Lagerfeuer in den Winterquartieren
  • Beeinträchtigung von Quartieren und Störung der Tiere durch die Anlage von Radwegen in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln, die häufig als Winterquartiere, im Sommer aber auch als Männchen- oder Paarungsquartiere genutzt werden (Meinig et al. 2009)
  • Verlust von Winterquartieren durch Umnutzung oder nicht sachgemäße Sanierung von Kellern, Durchlässen etc.
  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen, an Scheunen, Forsthäusern, jagdlichen Einrichtungen durch unsachgemäße Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden (z.B. Verschwinden von Fensterläden durch Modernisierungen)
  • Verlust von Flugrouten und Jagdmöglichkeiten durch Reduzierung insektenreicher Landschaftsbestandteile (Hecken, Feldgehölze, Säume, Brachen, naturnahe, breite Gewässerrandstreifen mit Gehölzen und Einzelbäumen)
  • Möglicherweise Verluste an Windkraftanlagen durch direkte Kollision mit den Rotorblättern und Schädigung durch starke Druckveränderungen im Einflussbereich der Rotoren (Barotrauma) (Baerwald et al. 2008). Verlust von Quartieren und Jagdgebieten durch Anlage von Windkraftanlagen im Wald
  • Verkehrsopfer an Straßen (oft mit beidseitigem Randbewuchs, die als Flugrouten genutzt werden)

Überblick zum Status der Art

FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007)VU (Gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009)In hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – schlecht; kontinentale Region: ungünstig – unzureichend; alpine Region: günstig