Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Kleinen Abendseglers

Landnutzung kann den Kleinen Abendsegler vor allem durch die Vernichtung von Quartieren, aber auch durch die Reduktion seiner Nahrungsgrundlage beeinträchtigen. Um solche Effekte zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Ackerparzellen, breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen in Siedlungsnähe und in der Kulturlandschaft zur Sicherung der Nahrungsversorgung
  • Keine Umwandlung bzw. Umbruch von Dauergrünland, Dauerbrache und Stilllegungsflächen in ackerbauliche Nutzflächen, sowie Erhaltung und Förderung von Weiden, Wiesen, Mäh- und Waldwiesen
  • Minimierung des Insektizid-, Herbizid- und Düngereinsatzes in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage des Kleinen Abendseglers

Forstwirtschaft

  • Förderung und Entwicklung von Altholzparzellen von wenigstens 140 Jahren auf 10 % der Waldfläche, zusätzlich zur Anreicherung von Höhlenbäumen auf der gesamten Fläche
  • Sicherung alter Waldbestände zur Erhaltung aktuell vorhandener Quartiere und Gewährleistung des Nachwachsens ausreichend höhlenreicher Bestände durch entsprechendes waldbauliches Vorgehen (naturgemäßer Waldbau) und Erhaltung angehender Quartierbäume (z.B. Bäume mit Verletzungen, Zwieselbäume, auch Spalten- und Rindenquartiere sind wichtig)
  • Naturnahe Waldwirtschaft mit Prozessschutz zur Erhaltung und Wiederherstellung von Misch- bzw. Laubwaldbeständen mit lichtem Unterwuchs und einem langfristig gesicherten Altersklassenmosaik (lange Umtriebszeiten) zur Sicherung ausreichender Quartiermöglichkeiten
  • Erhaltung von bestehenden Höhlenbäumen und Entwicklung höhlenreicher Altholzbestände mit mindestens 20 Bäumen pro Hektar, die geeignete Quartiermöglichkeiten (z.B. Spechthöhlen, Stammrisse, starke Zwieselbildung) aufweisen
  • Schutz und Erhaltung aktuell genutzter Quartiere mit einer Schutzzone von 50 m Umkreis
  • Erhaltung gestufter, naturnaher Waldränder mit einheimischen Gehölzen
  • Erhaltung und Anlage von krautreichen Wegrändern und Schneisen
  • Naturnahe Gestaltung mit einheimischen Sträuchern und Gehölzen von Freileitungstrassen (z.B. keine Weihnachtsbaum- oder Fichtenkulturen)
  • Verzicht auf Insektizideinsatz in der Forstwirtschaft in Wäldern mit Vorkommen des Kleinen Abendseglers
  • Erhaltung von Feuchtflächen im Wald, in Waldnähe und im Offenland zur Sicherung der Nahrungsgrundlage des Kleinen Abendseglers

Fischereiwirtschaft

  • Keine Trockenlegung von Gewässern, wenn diese vom Kleinen Abendsegler als Jagdgebiet genutzt werden
  • Kein Besatz von Gewässern mit nicht heimischen Fischen (z.B. Graskarpfen zur Bekämpfung von Unterwasserpflanzen), welche den Insektenreichtum reduzieren
  • Förderung niedriger Besatzdichten in der Teichwirtschaft (z.B. in der Uckermark relevant)

Sonstige Maßnahmen

  • Erfassung und Erhaltung von Wochenstubenquartieren in Gebäuden (vgl. Dietz & Weber 2000)
  • Schutz der Kolonien durch Verwendung fledermausfreundlicher Holzschutzmittel
    Lesen Sie mehr zu Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse.
  • Berücksichtigung des Kleinen Abendseglers bei der Planung von Windkraftanlagen und gegebenenfalls zeitweise Abschaltung
  • Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen als verbindende Elemente von Teillebensräumen
  • Erhaltung von Einzelbäumen und alten Baumbeständen, die als Quartier dienen können -> Vorsicht bei Baumsanierungen
  • Verzicht auf Gewässerräumungen bzw. ökologisch verträgliche Gewässerräumungen z.B. abschnittsweise oder wechselseitig