Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Grauen Langohrs

Um Beeinträchtigungen des Grauen Langohrs durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Schlägen, breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten
  • Bereitstellung von Flächen mit krautigen Pflanzen, die für das Vorkommen vieler Nachtfalter günstig sind (z.B. Wegerich, Ampfer, Labkraut)
  • Bereitstellung von linearen Landschaftselementen als Leitelemente und zur besseren Vernetzung der Jagdgebiete mit den Siedlungsbereichen
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und extensiv genutzten Streuobstwiesen (hochstämmige Bäume) im Umkreis von 5 km (Sachteleben et al. 2010) um die Wochenstube
  • Erhaltung/Entwicklung artenreicher Mähwiesen, sog. extensivem Grünland mit höchstens zweischüriger Mahd und Verzicht auf Insektizid-, Herbizid- und Düngereinsatz im Umkreis von 5 km (Sachteleben et al. 2010) um die Wochenstube
  • Minimierung des Insektizid- und Herbizideinsatzes in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage des Grauen Langohrs
  • Erhaltung/Entwicklung von Gebieten mit halboffenen Landschaftselementen und einer hohen Anzahl an Blütenpflanzen; die Bepflanzung ganzer Landstriche mit Monokulturen sollte vermieden werden

Forstwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung blüten-, gehölz- und stufenreicher Waldränder (möglichst natürlich) und gebüschreicher Wälder als insektenreiche Jagdgebiete
  • Verzicht auf den Einsatz von Insektiziden im Wald

Sonstige Maßnahmen

  • Auffinden und Schützen der Wochenstuben, sowie Erhaltung der Einflugmöglichkeiten bei Gebäudesanierungen (vgl. Dietz & Weber 2000)
  • Erhaltung von Sommer- und Winterquartieren (kein Verschluss, kein Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln) mit einem engen räumlichen Bezug (im selben Ort)
  • Erhaltung von „Kulturbiotopen“ (alte Lagerkeller, Gewölbe, Ruinen usw.) als mögliche Winterquartiere
  • Vermeidung eines Anstrahlens von Gebäuden (Ein- und Ausflugsöffnung) mit Vorkommen des Grauen Langohrs
  • Schutz der Kolonien durch Verwendung fledermausfreundlicher Holzschutzmittel
    Lesen Sie mehr zur Sanierung von Fledermausquartieren und zu Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse.
  • Erhaltung dörflicher Siedlungsstrukturen mit geeigneten Quartier- und Jagdmöglichkeiten (keine großflächigen Siedlungserweiterungen)
  • Akzeptanzsteigerung für bestehende Fledermausvorkommen bei der Bevölkerung durch Quartierbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit durch Fledermaussachverständige
  • Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen als verbindende Elemente von Teillebensräumen
  • Anpflanzen von Bäumen und Büschen, die als Raupenfutterpflanzen und als Nektar- und Honigtauproduzenten für Falter geeignet sind, besonders in größeren Gruppen in unmittelbarer Siedlungsnähe
  • Naturnahe und -verträgliche Bearbeitung von Privat- und Obstgärten, die mit ihrem Blütenreichtum das Insektenvorkommen steigern
  • Erhaltung alter Baumbestände, Alleen und Solitärbäumen im Siedlungsbereich zur Optimierung der Jagdgebiete
  • Umwandlung von Rasenflächen in Naturwiesen und naturnahe Pflege kommunaler Flächen