Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Fransenfledermaus

Für Fransenfledermäuse sind viele Quartiermöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot unverzichtbar. Um Beeinträchtigungen der Fransenfledermaus durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Ackerparzellen, breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen in Siedlungsnähe und als Landschaftselemente in der Kulturlandschaft
  • Erhaltung/Entwicklung artenreicher Mähwiesen, sogenannten extensivem Grünland, mit höchstens zweischüriger Mahd und Verzicht auf Insektizid-, Herbizid- und Düngereinsatz
  • Erhaltung/Entwicklung von Weiden mit Hecken und Feldgehölzen zur Steigerung des Insektenreichtums
  • Minimierung des Insektizid-, Herbizid- und Düngereinsatzes in der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsgrundlage der Fransenfledermaus
  • Kein Einsatz von Entwurmungsmitteln bei Rindern

Forstwirtschaft

  • Sicherung eines Quartierverbundes, zu dem mindestens 25 Baumhöhlen oder 7 alte Bäume pro Hektar Wald gehören (Trappmann & Boye 2004)
  • Kennzeichnung und Erhaltung der Quartierbäume
  • Aufbau eines Netzes von potenziellen Höhlenbäumen, die die aktuellen Quartierbäume in Zukunft ersetzen sollen und daher forstwirtschaftlich nicht genutzt werden
  • Erhaltung natürlicher oder naturnaher und stufenreicher Waldränder und natürlicher oder naturnaher Wälder mit Prozessschutz (vor allem Laubwälder mit Eichen)
  • Erhaltung/Schaffung von Altholzinseln (insbesondere auch mit Eichen) und stehendem Totholz
  • Entfernung/Entnahme nicht standortheimischer Gehölze (z.B. Douglasie)
  • Begünstigung von Unter- und Zwischenbestand bis zu einem Deckungsgrad von 20-30 % (Trappmann & Boye 2004)
  • Teilweise Auflockerung des Kronendachs zur Erhöhung des Lichteinfalls und damit Förderung des Unterwuchses
  • Verzicht auf den Einsatz von Insektiziden

Sonstige Maßnahmen

  • Ställe mit traditioneller Kuhhaltung (Kuhställe mit ausreichend Einflugs- und Quartiermöglichkeiten sowie großen Fliegenvorkommen) sollten als „Jagdgebiete“ und Wochenstubenquartiere erhalten und weiter genutzt werden
  • Einflugöffnungen für Fledermäuse an Rindviehställen, die zur Jagd und als Quartiere genutzt werden
  • Vermeidung von tödlichen Fallen für die Fledermäuse wie Leimstreifen als Fliegenfänger in Stallungen
  • Erhaltung/Neuschaffung von Quartieren in und an Bauwerken (Brücken) und sonstigen Gebäuden (insbesondere in Rindviehställen) zur Verbesserung der Quartiermöglichkeiten (vgl. Dietz & Weber 2000).
    Lesen Sie mehr zur Sanierung von Fledermausquartieren und zu Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse.
  • Akzeptanzsteigerung für bestehende Fledermausvorkommen bei der Bevölkerung durch Quartierbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit durch Fledermaussachverständige
  • Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen z.B. entlang von Wegen als verbindende Elemente von Teillebensräumen
  • Erhaltung naturnaher Gewässerverläufe und Kleingewässer mit breitem Uferrandstreifen mit Gebüschen und Baumgruppen
  • Optimierung ehemaliger Luftschutzbunker als Fledermauswinterquartiere
  • Vermeidung von Störungen in den Winterquartieren durch geeignete Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugtes Betreten
  • Vermeidung von Zerschneidung des Lebensraums und von Verkehrsopfern durch den Bau von Unterführungen, Grünbrücken etc. beim Bau von Straßen