Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Braunen Langohrs

Um Beeinträchtigungen des Braunen Langohrs durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung/Entwicklung kleinräumig gegliederter Kulturlandschaften mit kleinen Parzellen, breiten blütenreichen Säumen, Brachflächen, Hecken und Feldgehölzen, die einen großen Insektenreichtum bieten und verbindende Elemente zwischen Waldgebieten darstellen
  • Aufrechterhaltung der Nutzung von Obstbaumgürteln und Streuobstwiesen im Umkreis von 4 km um die Wochenstuben des Braunen Langohrs als Jagdgebiete (Sachteleben et al. 2010)
  • Erhaltung/Entwicklung artenreicher Mähwiesen im Umkreis von 4 km um Wochenstuben mit maximal 2-schüriger Mahd, Verzicht auf Insektizide, Herbizide und Dünger (Sachteleben et al. 2010)
  • Erhaltung von linearen Landschaftsteilen als Leitelemente (20 m Mindestabstand zu Verkehrswegen) (Sachteleben et al. 2010)

Forstwirtschaft

  • Erhöhung des Laubwald-, Mischwald- und stehenden Totholzanteils in Wäldern zur Verbesserung des Lebensraumes des Braunen Langohrs
  • Verbesserung des Lebensraumes durch entsprechende Nutzungsmaßnahmen in Wäldern (mindestens 5 % der Waldfläche aus der Nutzung nehmen, längere Umtriebszeiten, Ausweisung von Altholzparzellen, Bannwald, Waldrefugien), wobei Bäume mit Höhlenbildungen sowie mit abstehender Borke besonders wichtig sind (Häussler & Braun 2003)
  • Lebensraumtypische Laubbäume insbesondere mit Borkenabrissen, Spalten etc. sollen als potenzielle Höhlenbäume erhalten werden
  • Erhaltung/Entwicklung blüten-, unterholz- und stufenreicher Waldränder (möglichst natürlich) zur Sicherung attraktiver Jagd- und Quartiergebiete
  • Erhaltung/Entwicklung einer gut entwickelten Krautschicht in Wäldern und von Waldinnensäumen
  • Verzicht auf den Einsatz von Insektiziden

Wenn baumhöhlenbewohnende Kolonien bzw. Quartiere in Baumhöhlen bekannt sind:


  • Kennzeichnung und Erhaltung von Quartierbäumen
  • Erhaltung/Schutz (Sicherung) von Wäldern mit Wochenstuben (Wochenstubenverbänden) in einem Umkreis von 500 m um die Kolonie (Meschede & Heller 2000) durch Beibehaltung, Wiederaufnahme und Förderung einer Waldbewirtschaftung, die naturhöhlenreiche, mehrschichtige, laubholzreiche Wälder begünstigt
  • Aufbau eines Netzes von potenziellen Höhlenbäumen, die die aktuellen Quartierbäume in Zukunft ersetzen sollen und daher forstwirtschaftlich nicht genutzt werden

Sonstige Maßnahmen

  • Erhaltung/Neuschaffung von Quartieren vor allem Spaltenquartieren in und an Gebäuden zur Verbesserung der Quartiermöglichkeiten (Wochenstuben- und Winterquartiere) (vgl. Dietz & Weber 2000)
  • Erhaltung von Sommerquartieren auf Dachböden (kein Verschluss) und bei Verlust von Hangplatzstrukturen Angebot an Ersatzhangplätzen
  • Schutz der Kolonien durch Verwendung fledermausfreundlicher Holzschutzmittel bei Gebäudesanierungen.
    Lesen Sie mehr zur Sanierung von Fledermausquartieren und zu Initiativen zur Erhaltung, Optimierung, Neuschaffung von Quartieren für Fledermäuse
  • Akzeptanzsteigerung für bestehende Fledermausvorkommen bei der Bevölkerung durch Quartierbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit durch Fledermaussachverständige
  • Potenziell als Winterquartier geeignete Bauwerke, die sich in der Nähe von Sommerquartieren befinden, sind zu neuen Fledermausüberwinterungsquartieren zu entwickeln
  • Erhaltung von Kellern, Bunkern, Wasserhochbehältern und gegebenenfalls Optimierung des Winterquartiers (z.B. durch Erhöhung des Hangplatzangebotes, Verdunkelung des Quartiers)
  • Erhaltung und Neuanlage von Hecken, Gehölzsäumen und Streuobstwiesen besonders zwischen Waldgebieten als verbindende Elemente von Teillebensräumen
  • Erhaltung/Entwicklung von Streuobstwiesen, Hecken, Feldgehölzen zur Sicherung der Nahrungsgrundlage
  • Schutz der Tiere in den unterirdischen Winterquartieren durch geeignete Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugtes Betreten zur Vermeidung von Störungen (z.B. durch Fledermausgitter), Betreuung der Quartiere
    Lesen Sie mehr über die Erhaltung eines bedeutenden Winterquartiers und über die Schutzziele eines, als NATURA-2000 Gebiet ausgewiesenen, Winterquartiers.
  • Einrichtung von Fahrradwegen in Eisenbahntunneln nur dann, wenn dieser nachweislich nicht von Fledermäusen als Quartier (Sommer-, Winter- oder Paarungsquartier) genutzt wird