Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Zauneidechsen sind allgemein sehr ortstreu (z.B. Klewen 1988, Blanke 2004), gleichwohl sind Wanderdistanzen entlang von Bahntrassen von 2.000 m bis zu 4.000 m in einem Jahr nachgewiesen (Klewen 1988). Alle Zauneidechsen eines nach Geländebeschaffenheit und Strukturausstattung räumlich klar abgrenzbaren Gebietes sind daher als lokale Population anzusehen. Wenn dieses Gebiet mehr als 1.000 m vom nächsten besiedelten Bereich entfernt liegt oder von diesem durch unüberwindbare Strukturen (verkehrsreiche Straßen, stark genutztes Ackerland u.ä.) getrennt ist, dann ist von einer schlechten Vernetzung der Vorkommen und somit von getrennten lokalen Populationen auszugehen (Groddeck 2006). Schmale Vernetzungselemente können allerdings den Austausch zwischen solchen Individuengemeinschaften ermöglichen, auch wenn sie keine optimale Lebensraumqualität besitzen. Hier sind vor allem Bahnstrecken und Straßenböschungen von Bedeutung (Klewen 1988, Blanke 1999, Hafner & Zimmermann 2007, Heimes 1987). Es reichen hier allerdings schon kleine Barrieren (z.B. Tunnel oder stark bewirtschaftete Äcker) aus, um den Kontakt zwischen benachbarten Populationen zu unterbinden (Blanke 2004, Hafner & Zimmermann 2007). Ebenso stellen Bundes- und Landstraßen/Autobahnen, große Landwirtschaftsflächen, Fließgewässer und unüberwindbare Bauwerke wie z.B. Lärmschutzwände eine große Barriere zwischen Zauneidechsenvorkommen dar.

Da die Zauneidechse deutschlandweit sehr unterschiedliche Verbreitungsmuster zeigt, ist ein regionaler Bezug der Abgrenzung der jeweiligen lokalen Population, angepasst an das regionale Verbreitungsmuster, wichtig und kann hier nur vor Ort durch entsprechende Experten getroffen werden.

Gefährdungsursachen

Die Zauneidechse ist hauptsächlich durch Flächenverlust, Verlust von kleinräumiger Gliederung der Lebensräume und Nutzungssteigerung von Land- und Forstwirtschaft gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen der Land- und Forstwirtschaft können sich nachhaltig auf Vorkommen der Zauneidechse auswirken:


  • Nutzungsänderung (z.B. Auflassung und flächige Verbuschung von Magerweiden, Aufforstung oder Bebauung)
  • Verlust oder Nutzungssteigerung von Rainen, Säumen und Hecken (an Wegen, Äckern, Waldrändern etc.) sowie von Kleingärten
  • Beeinträchtigung des Nahrungsangebotes durch Einsatz von Schädlingsvertilgungsmitteln
  • Verlust von Eiablageplätzen durch Nährstoffanreicherung/Überdüngung der Landschaft
  • Verlust von Stilllegungsflächen
  • Unsachgemäße Pflege von Heiden und Magerrasen (u.a. Mahd, Plaggen, Brennen)

Sonstige

  • Flächenverlust durch Beseitigung von Rainen und Säumen (Randlebensräumen), kleinen Lebensraumelementen und Sonderstandorten (z.B. Rekultivierung oder Wiederherstellung der landwirtschaftlichen oder forstwirtschaflichen Nutzung von Erdaufschlüssen, Beseitigung von Rohbodenflächen durch Ablagerung bzw. Deponierung oder Überbauung)
  • Lebensraumzerstörung und direkte Schädigung durch Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen an Verkehrswegen (auch an nur land- und forstwirtschaftlich genutzten Wegen)
  • Unsachgemäße Pflege von Heiden und Magerrasen (u.a. Mahd, Plaggen, Brennen)
  • Verlust geeigneter Lebensräume durch Ausbreitung von eingeschleppten, gebietsfremden Pflanzen, insbesondere des Japanischen Staudenknöterichs (Fallopia japonica)
  • Zunehmender Freizeitverkehr (u.a. Reiten, Lagern, Fahrzeuge aller Art) an sonnenexponierten Standorten bzw. auf lockeren Sandböden (Feldwege)

Überblick zum Status der Art

Synonyme-
FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)V (Vorwarnliste)
Rote Liste Europa (Cox 2009)LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)-
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – unzureichend, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig - unzureichend