Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Wegen ihrer engen Bindung an reich gegliederte und wärmegetönte Flußauenabschnitte, die nur noch an wenigen Stellen innerhalb ihres Verbreitungsgebiets in Deutschland vorhanden sind, gibt es derzeit kaum Ausbreitungsmöglichkeiten. Die drei Vorkommen in Rheinland-Pfalz gliedern sich in neun lokale Populationen (Mosel: 1, Lahn: 2 und Nahe: 6). Die lokalen Populationen sind mehr oder weniger klar voneinander abgrenzbar. Die angesiedelte Population in Sachsen kann als eine lokale Population gelten.

Eine Abgrenzung der lokalen Population ist immer dann besonders auffallend, wenn die Siedlungen bis an die Ufer reichen und einen Bruch im Lebensraumverbund erzeugen. Über ein großräumiges Wanderverhalten der Würfelnatter, soweit das in ihren Lebensräumen überhaupt noch möglich ist, ist nichts bekannt (vgl. Gruschwitz & Günther 1996).

Gefährdungsursachen

Die Würfelnatter ist hauptsächlich durch Lebensraumzerstörung, Flächenverlust und Verinselung von Individuengemeinschaften vor allem durch Flächeninanspruchnahme wie der Ausweitung des Siedlungsbaus, Ausbau der Verkehrswege und durch das Freizeitverhalten der Menschen betroffen.

Landwirtschaft

Folgende Maßnahmen des Weinbaus können sich nachhaltig auf Vorkommen der Würfelnatter auswirken:


  • Verlust von Offenlandflächen, z.B. durch die Aufgabe des Weinbaus und einsetzenden Gehölzaufwuchs

Sonstiges

  • Flächenverluste durch Gewässerregulierung
  • Verlust von Lebensraumelementen in den Würfelnatter-Lebensräumen u.a. durch Beseitigung von Treibgut, Abbaggern oder Verschütten von Kiesanlandungen
  • Verletzungen/Tötungen von Individuen durch Wasserkraft (Turbinen)
  • Flächenverluste (z.B. Siedlungsentwicklung in Talauen, Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten)
  • Landschaftsveränderung durch den Neu- und Ausbau von Verkehrswegen (z.B. Straßen- und Radwegebau in Ufernähe). Insbesondere die Radwege bilden ein schon heute erhebliches Gefährdungsrisiko.
  • Verfugen von Bruchsteinmauern (insbesondere bei Nutzung als Winterquartier)
  • Überwachsen offener Uferlebensräume durch sich stark ausbreitende fremdländische Pflanzen, auch in Verbindung mit Nährstoffeinträgen (Düngung) in die Uferlebensräume
  • Nutzungsänderung (z.B. steigender Freizeitbetrieb im und am Gewässer, Zeltplätze)
  • Direkte Störung und Verfolgung durch den Menschen
  • Freizeitnutzung (Boote, insbes. mit Motor (Schiffsschraube), Radwege, Angelsport in Kernlebensräumen, wilde Lagerstätten)
  • Felssicherungsmaßnahmen (u.a. Beschattung von Sonnenplätzen durch Fangzäune, Eingriffe durch die Beseitigung von Gesteinsschutt aus dem Bereich der Fangzäune, Zubetonieren von Fugen und Spalten in Felsbereichen)

Die zusätzliche Verbauung von Fließgewässern ist derzeit keine aktuelle Gefährdungsursache, da offenkundig keine weiteren Projekte mehr anstehen, sondern eher die Wiederherstellung zu naturnahen Fließgewässern durchgeführt wird. Punktuell gibt es aber immer wieder gravierende Eingriffe z.B. in Form von Hochwasserschutzmaßnahmen, dem Bau von Fischtreppen, Reparaturen oder auch dem Neubau von Wehranlagen. Auch die Gewässerverschmutzung stellt momentan keine aktuelle Gefährdung dar. Die Reusenfischerei, soweit sie in Rheinland-Pfalz überhaupt betrieben wird, zeigt derzeit keine Auswirkungen auf die Vorkommen der Würfelnatter.

Überblick zum Status der Art

Synonyme-
FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Cox 2009)LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)In besonderem Maße für hochgradig isolierte Vorposten verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: ungünstig – unzureichend