Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Aufgrund der Nutzung traditioneller Tagesverstecke und Sonnenplätze können Schlingnattern als nahezu ortstreu eingestuft werden (Groddeck 2006). Daher sind alle Schlingnattern eines nach Geländebeschaffenheit und Struktur räumlich klar abgrenzbaren Gebietes als lokale Population anzusehen. Liegt dieses Gebiet mehr als 500 bis 2.000 m von dem nächsten besiedelten Bereich entfernt oder ist es von diesem durch schwer oder gar nicht überwindbare Hindernisse wie verkehrsreiche Straßen, stark bewirtschaftetes Ackerland u.ä. getrennt, ist von einer schlechten Vernetzung der Vorkommen und somit von getrennten lokalen Populationen auszugehen (Groddeck 2006). Völkl & Käsewieter (2003) geben durchschnittliche Wanderdistanzen zwischen 200 und 500 m an. Schmale Vernetzungselemente wie Bahndämme und Straßenböschungen können als Ausbreitungskorridore zwischen Populationen fungieren, auch wenn sie selbst keine optimale Lebensraumqualität besitzen. Sind keine geeigneten Winterquartiere im Sommerlebensraum vorhanden, können auch weitere Entfernungen überwunden werden, um geeignete Quartiere zu erreichen.

Gefährdungsursachen

Die Schlingnatter ist hauptsächlich durch Lebensraumzerstörung, Flächenverlust und Verinselung der Populationen gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen der Land- und Forstwirtschaft sowie des Weinbaus können sich nachhaltig auf Vorkommen der Schlingnatter auswirken:


  • Starke Gründlandnutzung mit häufiger Düngung
  • Umwandlung von Grünland in Ackerland
  • Aufforstung von Waldlichtungen und Unterpflanzung in lichten Wäldern (z.B. Douglasie in lichten Eichenwäldern)
  • Zerstörung von Randzonen entlang von sonnenexponierten Waldsäumen (landwirtschaftliche Nutzung, Aufforstung)
  • Nutzungsänderung oder -aufgabe auf Grenzertragsflächen (z.B. Magerrasen, Trockenrasen, Heiden, Moorrandbereiche) durch Aufforstung mit Fichten oder Kiefern
  • Nutzungsaufgabe von Grenzertragsböden (Mager- und Trockenrasen) und darauf folgende Verbrachung und Verbuschung
  • Beeinträchtigung durch Schädlingsvertilgungsmittel (direkt und indirekt)
  • Bodenbearbeitung im Bereich von Winterquartieren
  • Zerstören/Verfugen von Trockensteinmauern bei Weinberginstandsetzungen
  • Verlust von Stilllegungsflächen

Sonstige

  • Mahd von Randstreifen und Grabenböschungen entlang von Feld-, Forst- und Wanderwegen sowie Straßen während der Aktivitätsphase
  • Beseitigung von als Unterschlupf benötigten Strukturen (Feldsteinhaufen, Totholz, Hecken)
  • Verlust kleinräumiger Lebensraumelemente durch Befestigung, Versiegelung oder Beseitigung von Trockensteinmauern, Straßenböschungen, Bahndämmen, Hecken- oder Saumgehölzen, offenen Schutthalden oder Felsbildungen auf Magerrasen, oft in Verbindung mit einer Reduzierung des Beutetierangebotes
  • Rebflurbereinigung
  • Abtorfung von Mooren
  • Verfüllung und/oder Rekultivierung, Aufforstung oder natürliche Wiederbewaldung nach Nutzungsaufgabe von Sekundärlebensräumen (Steinbrüche, Kies- und Sandgruben etc.)
  • Bau, Betrieb und Instandhaltung von Verkehrswegen (Bahn, Straße, auch Fahrradwege)
  • Bau von Siedlungen, Gewerbe
  • Unsachgemäße Pflege von Heiden und Magerrasen (u.a. zu häufige oder zu frühe Mahd, Plaggen, Brennen)
  • Unsachgemäße Wiedervernässungsmaßnahmen in Mooren während der Wintermonate

Überblick zum Status der Art

SynonymeGlattnatter, Haselnatter
FFH-RichtlinieAnhang IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)3 (gefährdet)
Rote Liste Europa (Cox 2009)LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)-
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – unzureichend; kontinentale Region: ungünstig - unzureichend; alpine Region: ungünstig - unzureichend