Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population der Schlingnatter

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen der Schlingnatter gehen vor allem von Land- und Forstwirtschaft sowie vom Weinbau aus. Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Mit Balkenmähern arbeiten, um die Schlingnattern während der Mahd nicht zu verletzen
  • Schnitthöhe von mind. 15 cm während der Aktivitätsphase (siehe Ökologie & Lebenszyklus) der Schlingnatter einhalten
  • Säume und Böschungen als Restflächen stehen lassen
  • Keine Stickstoffdüngung um eine Verstärkung des Aufwuchses und eine Veränderung von Kleinklima und Kleinstrukturen zu verhindern
  • Die Paarungszeit und Tragzeit der Schlingnatter variieren von Jahr zu Jahr und regional so stark, dass keine feste Mahdzeit empfohlen werden kann
  • Bei Beweidung Säume stehen lassen (Pflegemahd der Säume nur im Winter)

Weinbau

  • Erhalt/Schaffung/Förderung von Krautsäumen durch Unterlassung der Anwendung von Herbiziden im Abstand von mind. 1,5 m von Mauerfuß und Mauerkrone (ggf. nötige Mahd dieser Säume nur im Winter)
  • Erhalt der (Saum-)Strukturen (Beschaffenheit und Menge) bei Rebflurbereinigung
  • Instandsetzung von Trockenmauern „nach altem Vorbild“ (kein Verfugen, kein Beton)
  • Böschungen und Säume wenn möglich nur im Winter mähen, als Alternative hochsommerliche Mahd wechselnder Abschnitte (besonders, wenn die Wüchsigkeit des Standortes ein zusätzliches sommerliches Mähen erfordert) bzw. eine Mahd in den frühen Morgenstunden (vor 7 Uhr) oder bei nasskaltem Wetter, wenn eine oberirdische Aktivität der Tiere definitiv ausgeschlossen werden kann
  • Freistellung/Offenhaltung von besiedelten Felsstandorten und Weinbergsbrachen
  • Freistellung/Offenhaltung der Weinbergsmauern, dabei aber einen teilweisen Bewuchs von etwa 10 % als Versteckmöglichkeiten erhalten (Brombeere, Efeu).
  • Gezieltes Ausbringen von Herbiziden am Boden anstatt flächenhafter Ausbringung per Hubschrauber, um krautige Saumstrukturen zu erhalten

Forstwirtschaft

  • Sicherung/Erhalt bzw. Neuschaffung ausreichend breiter (10-20 m), gut besonnter und forstwirtschaftlich un- bzw. kaum genutzter, naturnaher (Wald-) Säume (wie Brandschutzschneisen oder Säume an Forstwegen) mit halboffenem Charakter als Verbreitungs-/Vernetzungselement
  • Kleinräumige Kahlschläge (< 0,5 ha) fördern bzw. möglichst lange erhalten
  • Keine Aufforstung von Offenland mit Vorkommen der Schlingnatter
  • Keine Kirrungen (Ausbringen von Futter zum Anlocken von Wildschweinen) in Schlingnattergebieten
  • Lichte Waldstrukturen fördern, indem bodenständige Lichtholzarten gepflanzt werden, keine (Unter-)Pflanzung mit Schattbaumarten (insbesondere Douglasie/Buche) stattfindet und möglichst die Naturverjüngung dieser Baumarten unterbunden wird

Allgemein gilt für bewirtschaftete Flächen

  • Erhalt/Entwicklung von Hecken und (Klein-)Strukturen (z.B. Lesestein- und Knüppelholzhaufen)
  • Keine an der Produktionsoptimierung ausgerichtete Grünlandnutzung
  • Kein Grünlandumbruch
  • Kein Einsatz von Forstmulchern, wenn unbedingt nötig, dann nur kleinflächig und abschnittsweise (Schlingnattern halten sich während der Aktivitätsphase oft in der Krautschicht auf, überwinternde Schlingnattern wurden teilweise unmittelbar unter der Grasnarbe gefunden) →Bodenverletzungen vermeiden!

Sonstige Maßnahmen

  • Pflegemahd wenn möglich nur im Winter, als Alternative hochsommerliche Mahd wechselnder Abschnitte (besonders, wenn die Wüchsigkeit des Standortes ein zusätzliches sommerliches Mähen erfordert) bzw. eine Mahd in den frühen Morgenstunden (vor 7 Uhr) oder bei nasskaltem Wetter, wenn eine oberirdische Aktivität der Tiere definitiv ausgeschlossen werden kann
  • Erhalt/Schaffung des Wechsels sonniger und beschatteter Bereiche (halboffene Lebensräume) u.a. auch an Bahn- oder Kanaldämmen und in Abbaugruben (Sand-, Kiesgruben, Steinbrüche)
  • Offenhaltung und Entwicklung von Grenzertragsstandorten (z.B. Magerrasen, Trockenrasen, Heiden, Hochmoorrändern) und Waldrändern
  • Erhalt von Kleinststrukturen wie Totholz, Baumstubben und Steinhaufen
  • Berücksichtigung der Lebensraumansprüche, insbesondere der Kerngebiete/Schlüssellebensräume (Winterquartier, Brutplatz) bei der Pflege von Heide- und Hochmoorgebieten