Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Lebensraum der Sibirischen Winterlibelle sind Weiher und Seen sehr unterschiedlicher Größe (0,5–620 ha), Teiche (auch Fischteiche), kanalartige Gräben sowie Gewässer in Nieder-, Übergangs- und Hochmooren, wo z.B. kleine Handtorfstiche besiedelt werden. An der Ostsee findet sich die Art auch in Brackwassersümpfen.

Zur Fortpflanzung werden meist kleinere, wasserführende Senken – so genannte Schlenken – in der Verlandungszone oder in windgeschützten Buchten der Gewässer genutzt. Der Bewuchs dieser Bereiche besteht aus Seggenriedern (Carex spp.), Schneidriedern (Riedbestände der Binsen-Schneide, Cladium mariscus) oder Rohrglanzgras-Röhrichten (Röhrichte mit Phalaris arundinacea), die locker von Schilf (Phragmites australis) durchsetzt sein können (Ellwanger & Mauersberger 2003). Die Gewässer sind meist voll besonnt oder nur wenig durch Ufergehölze beschattet.

Im Alpenvorland und im Bodenseeraum besiedelt die Art oft flache Gewässer mit einem stark schwankenden Wasserstand wie z.B. Weiher, Schlenken und andere Kleingewässer in Streuwiesen mit Großseggenriedern. Streuwiesen sind lediglich einmal im Jahr gemähte Wiesen zur Gewinnung von Einstreu für den Winter. Diese Gewässer führen im Sommer – zur Zeit der Larvenentwicklung – infolge der Schneeschmelze und hoher Grundwasserstände Wasser, während sie im Winterhalbjahr austrocknen können (Schmidt 1990, 1993, Kuhn 1997).
Fraßfeinde der Imagines (Geschlechtsstadium) sind v.a. Singvögel, die an den Fortpflanzungsgewässern der Sibirischen Winterlibelle vorkommen, wie z.B. Bartmeise, Teichrohrsänger oder Rohrammer. Frisch geschlüpfte Tiere werden auch von anderen Kleinlibellen gefressen (Jödicke 1997). Die Imagines ihrerseits ernähren sich von kleinen Insekten.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Entwicklungszeit der Larven vollzieht sich aufgrund der Lebensweise während des Sommers und dauert nur etwa zwei bis drei Monate.

Die Schlupfzeit beginnt ab Mitte Juli und erstreckt sich zumeist bis Mitte August. Während der anschließenden, bis zu acht Monate dauernden Reifephase durchleben die Imagines (Geschlechtsstadium) der Sibirischen Winterlibelle ab Oktober oder November eine Winterruhe. Erst im darauf folgenden Frühjahr – in Mitteleuropa ab Anfang März – kommen die Tiere an die Fortpflanzungsgewässer. Einige Wochen nach Beendigung der Winterruhe beginnt die Fortpflanzung und Eiablage, die hauptsächlich zwischen Ende Mai und Mitte Juni zu beobachten ist (Ellwanger & Mauersberger 2003). Die letzten Tiere der vorjährigen Generation leben bis Ende Juni, nur selten bis Ende Juli, wenn bereits Tiere der neuen Generation schlüpfen. Von allen mitteleuropäischen Arten haben somit die Imagines der Winterlibellen die höchste Lebenserwartung – fallen sie nicht vorzeitig Fraßfeinden oder anderen Unbilden zum Opfer, können sie durchaus neun Monate alt werden.

Lebensräume der Imagines abseits der Gewässer sind blüten- und damit insektenreiches Grünland und lichte Gehölz- und Saumelemente. Dabei werden v.a. Streuwiesen, Pfeifengraswiesen und lichte Moorwälder genutzt (Schmidt 1990, Kuhn 1997). Diese Lebensräume suchen die Tiere in der Reifephase z.B. zur Nahrungsaufnahme auf oder übernachten dort. Die Überwinterung wurde sowohl in gewässernahem Uferbewuchs (Hiemeyer et al. 2001) als auch in größerer Entfernung zu den Fortpflanzungsgewässern beobachtet, wo die Art den Winter vermutlich in geschützten Gehölzbeständen wie Gebüschen und krautreichen Wäldern verbringt.

Die Eiablage wird im Tandem an waagerechten Materialien vollzogen. Dies sind meist tote, nur selten lebende, auf der Wasseroberfläche schwimmende Pflanzenteile wie Halme oder die aufgeweichte Rinde von Ästen (Ellwanger & Mauersberger 2003).