Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die großen Entfernungen zwischen den einzelnen bekannten Vorkommen an der nordöstlichen Verbreitungsgrenze in Belgien, Luxemburg, Deutschland und Nordostfrankreich lässt vermuten, dass einzelne Tiere Flugdistanzen von mehr als 70 km zurücklegen, um neue Populationen gründen zu können.

Für das aktuell einzig bekannte deutsche Vorkommen an der Our (Rheinland-Pfalz) lassen sich insgesamt etwa sechs jeweils zwischen 100 und 300 m lange besiedelte Abschnitte bilden, die jeweils mindestens 2 km voneinander getrennt sind. In einer Fang-Wiederfang-Studie wurden maximale Flugdistanzen von über 3 km festgestellt (Ott et al. 2007). Einige der Vorkommen dieser Abschnitte dürften daher untereinander in einem Austausch stehen. Bislang ist nicht bekannt, wie stark dieser Austausch ist. Jeder der besiedelten Abschnitte ist daher als lokale Population zu werten. Die Abgrenzung der lokalen Population kann immer nur im Einzelfall vor Ort nach eingehenden Untersuchungen durch einen erfahrenen Gutachter erfolgen.

Gefährdungsursachen

Die Hauptgefährdung der Gekielten Smaragdlibelle geht von Gewässerausbau und –unterhaltungsmaßnahmen aus, insbesondere von Maßnahmen, die den von der Art zur Eiablage genutzten Lebensraum betreffen.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzungen beeinflussen die Fortpflanzungsgewässer der Gekielten Smaragdlibelle indirekt durch Nährstoffeinträge und Gewässerverschmutzungen.

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind insbesondere:


  • Eutrophierung der Gewässer (direkte oder indirekte Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, ggf. auch aus Forst- und Fischereiwirtschaft)
  • Einleitung von Abwässern aus landwirtschaftlichen Betrieben, v.a. zur Schweinemast, und anderen Anliegern
  • Veränderungen der an die Fortpflanzungsgewässer angrenzenden Flächen (Lebensräume der Imagines) z.B. durch stärkere Nutzung, Grünlandumbruch oder Beseitigung von Feldgehölzen
  • Entnahme von Ufergehölzen; da insbesondere die Wurzelgeflechte von Uferbäumen – v.a. Schwarz-Erlen – eine Funktion zur Eiablage und als Larvenlebensraum haben, wirkt sich deren Entfernung nachteilig aus
  • Fischbesatz und Bewirtschaftung von Fließgewässerabschnitten, der zu einer über das natürliche Maß hinausgehenden Fischdichte führt
  • Besatz mit nicht einheimischen Krebsarten

Sonstige

  • Veränderungen der Uferstruktur durch Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen
  • Veränderungen der Morpho- und Fließdynamik der Gewässer (Ott 2003)
  • Einleitung ungeklärter Abwässer z.B. aus Restauranttoiletten oder von anderen Anliegern
  • Befall von uferbegleitenden Schwarz-Erlen durch die Pilzart Phytophthora alni – Auslöser des so genannten Erlensterbens durch Wurzelfäule, das in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre auftritt
  • Trittschäden durch Angler im Uferbereich (Eiablageorte, Larvenlebensräume)

Überblick zum Status der Art

SynonymeOxygastra curtisi
Gekielter Flussfalke
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Ott & Piper 1998)0 (ausgestorben oder verschollen)
Rote Liste Europa (Kalkman et al. 2010)NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeitbisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: ungünstig – schlecht