Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Aufgrund der zahlreichen Neufunde seit Beginn der 1990er Jahre wird eine Ausbreitung und Wiederbesiedlung zahlreicher Flussabschnitte wie Rhein, Weser und Elbe für Mitteleuropa als wahrscheinlich angesehen (Ellwanger 2003). Das Ausbreitungsvermögen der Asiatischen Keiljungfer wird dementsprechend als hoch eingestuft, zumal Beobachtungen von Imagines (Geschlechtsstadium der Libellen) der Art in den Niederlanden in bis zu 35 km (Crombaghs & Harbraken 2002) und in Brandenburg in bis zu 50 km Entfernung (Mauersberger, mdl.) zum vermuteten Fortpflanzungsgewässer gelangen.

Grundsätzlich beherbergt jeder besiedelte Fließgewässerabschnitt eine lokale Population. Dies gilt vor allem für isolierte Vorkommen, bei denen die Art nur an einzelnen, eng begrenzten Abschnitten zu finden ist. Werden Fließgewässer von klar voneinander trennbaren Teilpopulationen besiedelt, zwischen denen jeweils mindestens ein bis drei Kilometer Abstand besteht, sind auch diese als lokale Populationen zu werten. Schwierigkeiten bei der Abgrenzung bereiten mehr oder weniger kontinuierlich besiedelte Fließgewässer. Hier ist durch die Untersuchung der Exuvienverteilungen (Verteilung der Häute des letzten Larvenstadiums) an den einzelnen Abschnitten jeweils zu prüfen, ob Lücken in der Verbreitung bestehen, die eine Unterteilung in mehrere lokale Populationen rechtfertigen.

Gefährdungsursachen

Die Hauptgefährdung der Asiatischen Keiljungfer geht von Gewässerausbau und –unterhaltungsmaßnahmen aus.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzungen beeinflussen die Fortpflanzungsgewässer der Asiatischen Keiljungfer indirekt durch Nährstoffeinträge und Gewässerverschmutzungen.

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind insbesondere:


  • Verschlechterung der Gewässergüte und Gewässerverschmutzungen durch landwirtschaftliche Nutzung bis zum Gewässerrand (Einsatz von Gülle, Dünger und Pestiziden)
  • Veränderung der Lebensräume, die von den Imagines (Geschlechtsstadium der Libellen) z.B. zur Nahrungsaufnahme genutzt werden. Dies betrifft vor allem Flächen, die an die Fortpflanzungsgewässer angrenzen. Hier führen u.a. Grünlandumbruch, Mahd während der Flugzeit oder Beweidung mit hoher Viehdichte (>0,5 GVE/ha) zu einer Beeinträchtigung der Bestände der Asiatischen Keiljungfer, weil es dadurch oftmals zu einer Reduzierung des Nahrungsangebots kommt.

Sonstige

  • Wellenschlag durch Schiffs- und Bootsverkehr, durch den schlüpfende Tiere überspült werden
  • Wasserbauliche Maßnahmen (Gewässerausbau und –begradigung, Abflussregulierung, Ausbaggerung, Bau von Querbauwerken und Uferbefestigungen)
  • Durch den Menschen eingeführte Fraßfeinde, sogenannte Neozoen wie z.B. der Signalkrebs, könnten einen negativen Einfluss auf Vorkommen der Asiatischen Keiljungfer haben
  • Einleitung von Industrieschadstoffen (z.B. in der Weser Salz durch den Kalibergbau)
  • Gewässerunterhaltung, insbesondere Entnahme feinsandiger Bodenmaterialien (Sohlräumungen, Ausbaggerungen oder andere Veränderungen von Zwischenbuhnenfeldern)

Überblick zum Status der Art

SynonymeStylurus flavipes
FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Ott & Piper 1998)G (Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt)
Rote Liste Europa (Kalkman et al. 2010)LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeitbisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß
Nationaler Bericht 2013
Atlantische Region: günstig; kontinentale Region: ungünstig – unzureichend