Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

In Mitteleuropa entwickelt sich der Heldbock vorwiegend in Stiel-, seltener in Traubeneichen (Klausnitzer et al. 2003). Neben Hartholzauwäldern werden locker gegliederte, lichte Mischwälder mit vielen Alteichen aber auch Eichenrelikte in alten Kiefernforsten sowie Sekundärlebensräume wie (ehemalige) Hudewälder, Tiergärten, Parke und alte Alleen, alle mit ausreichend Alteichen, genutzt. Wichtig für eine erfolgreiche Besiedlung von Eichen durch den Eichen-Heldbock ist die Besonnung lebender Stämme bis in die Kronenbereiche. In unseren Gefilden spielen die Durchwärmung des Holzes sowie ausreichende Stammdicken der Bäume (ca. 2,0 - 7,0 m Umfang) eine bedeutende Rolle bei der Ansiedlung und Nutzung durch den Heldbock (Zuppke 1993, Buse et al. 2007). Auch scheint die Art hauptsächlich an physiologisch geschwächte oder Schadstellen (Astabbrüche, morsches Holz, Höhlungen, austrocknende Wipfeläste) aufweisende Eichen gebunden zu sein (LfUG Sachsen o.J, Klausnitzer et al. 2003, Zabransky 2006). Die Forstwirtschaft der vergangenen Jahrhunderte (Mittelwald- und Überhälterwirtschaft, Springschlag-/Kulissenbetrieb) beließ Überhälter auf den durchforsteten Flächen bzw. Alteichen am Rand schmaler Schläge, die durch ihre plötzliche Freistellung geschwächt, stärker durchwärmt und so leichter vom Heldbock besiedelt werden konnten (Rudnew 1936, Hellrigl 1984). Dünne Eichen (< 60 cm Durchmesser) werden in (extrem) seltenen Fällen auch angenommen, können aber keine überlebensfähige Population über mehrere Jahrzehnte beherbergen. Die Käfer sind recht standorttreu. Sie fliegen abends und nachts ab Temperaturen über 18°C, selten auch tagsüber bei schwüler Witterung (Döhring 1955, Neumann 1985). Über 70 % der Flüge enden nach maximal 250 m (Nalepa 2010).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Eiablage der Weibchen erfolgt in tiefe Rindenspalten. Innerhalb eines Zeitraumes von 3 - 5 Jahren entwickelt sich die Larve zuerst unter der Rinde später auch im Kernholz über die Puppe bis zum fertigen Käfer. Die Larven ernähren sich von lebendem, feuchtem Holz, wobei aus frisch abgestorbenen Eichen immer noch Käfer durch schnelle Verpuppung weit entwickelter Larven schlüpfen können. Durch die Fraßaktivität der Larven sterben nach und nach einzelne Kronen- oder Stammbereiche ab. Die jahrzehntelange, durchgehende Besiedlung in hoher Dichte kann zum Absterben der Brutbäume führen, die alsdann aufgegeben werden. Tote (ausgetrocknete) Eichen, egal aus welchem Grunde gestorben, werden nicht besiedelt. Das Beseitigen abgestorbener besiedelter Eichen jedoch beeinträchtigt die lokale Population, da immer noch einzelne Käfer aus diesen Bäumen auch 1 Jahr nach dem Absterben schlüpfen können (eig. Beobachtung). Die voll entwickelten Käfer verlassen im Mai bis Juli ihre Puppenwiege im Baum und leben dann noch 2-4 Monate. In diesem Zeitraum findet die Fortpflanzung statt. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung sind die speziellen Lebensraumansprüche des Eichen-Heldbocks wichtig. In forstwirtschaftlich stark geprägten Waldbeständen mit geschlossenem Kronendach und einem Fehlen älterer Altersklassen der Bäume gibt es keine Möglichkeiten für eine erfolgreiche Eiablage und Larvalentwicklung. In geschlossenen Forst-/Waldbeständen stehende Brutbäume besitzen schlechte Entwicklungsmöglichkeiten für die Larven, können aber freigestellt werden. Dies führt zu einer Verbesserung der Besiedlungseigenschaften (Besonnung, Durchwärmung der Stämme). Jeder besiedelte Baum stellt aufgrund des limitierten Ausbreitungspotenzials eine wichtige Quelle für die Besiedlung weiterer Bäume dar. Das Beseitigen jeglicher Brutbäume führt aufgrund geringerer Populationsgröße zur Schwächung der lokalen Population als auch zur Störung des Entwicklungspotenzials der lokalen Population. Für ein kontinuierliches Fortbestehen der Populationen ist der Eichen-Heldbock durch die Endlichkeit seiner Brutbäume auf eine stete Besiedlung weiterer Eichen angewiesen. Ein ausreichendes Angebot an Zukunftsbäumen (siehe „Erhaltungsmaßnahmen“) wird aber durch die Beseitigung von Sekundärlebensräumen wie Straßenalleen, von Reliktbäumen im Forst und der Feldflur und eine nicht standortgerechte Baumartenwahl bei der Anlage von bspw. städtischen Parks (z.B. mit Platanen) verhindert. Viele dieser Zukunftsbäume werden auch von anderen bedrohten Arten genutzt (vgl. Gürlich 2008).