Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Heldbocks

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen des Heldbocks gehen vor allem von der Forstwirtschaft, sowie in geringerem Maße von der Landwirtschaft aus. Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Erhaltung aller Brutbäume und aller Alteichen (> 1m Durchmesser) in den Vorkommensgebieten und insbesondere im Umkreis von 500 m um besiedelte Bäume
  • Keine Bodenbearbeitung um besiedelte Bäume herum (Kronendurchmesser), Mahd und Beweidung stellen kein Problem dar
  • Moderate Beweidung (nicht ganzjährig, geringe Viehdichte) um Besonnung der Stammpartien zu ermöglichen
  • Etablierung moderater Waldweide zur gezielten Öffnung einzelner Waldbereiche

Forstwirtschaft

  • Erhaltung aller Brutbäume und aller Alteichen (> 1 m Durchmesser) in den Vorkommensgebieten und insbesondere im Umkreis von 500 m um besiedelte Bäume
  • Behutsame Freistellung von Brutbäumen und ggf. Zukunftsbäumen im Bestand und an Waldrändern (siehe z.B. Freistellung von Brut- und Zukunftsbäumen im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue)

    Auswahl von Zukunftsbäumen nach folgenden Kriterien:

    • Eichen im Umkreis von 500 m von besiedelten Bäumen
    • Mehrere Altersklassen um kontinuierlichen Nachwuchs potenziell besiedelbarer Eichen zu haben
    • Keine forstwirtschaftliche Nutzung dieser Bäume
    • Sonnenexponierte Lage oder Freistellung, so dass auch die untere Stammpartie besonnt ist
  • Dauerhafte Kennzeichnung aller Brutbäume und von Zukunftsbäumen im Gelände (zur Erfassung siehe Müller 2001) und Einmessung mit GPS
  • Nachpflanzung von Jungeichen und generelle Förderung von Eichennaturverjüngung
  • Auflichtung von Forst-/Waldbeständen a) zur besseren Regeneration von Eichen, b) zur Verbesserung der Lebensraumbedingungen für den Heldbock

Allgemein gilt für heutige Vorkommensgebiete und zu entwickelnde Gebiete


  • Verlängerung der Umtriebszeit von Eiche auf 200 Jahre
  • Erhaltung und Entwicklung von lichten Eichenwäldern mit Altbäumen
  • Erhaltung und Anlage von Parkanlagen mit Eichen
  • Erhaltung und Pflanzung von Solitäreichen
  • Erhaltung und Pflege von besiedelten Bäumen auch entlang von Straßen

Sonstige Maßnahmen

  • Bei nicht zu verhindernder Fällung von Brutbäumen sollten 3-4 m lange Teilstücke des Stammes in der Nähe von besiedelten oder potenziell besiedelbaren Eichen gelagert werden, um den im Holz lebenden Larven die Möglichkeit der Verpuppung zu geben (evtl. Chance einer Neuansiedlung in dieser Umgebung, vgl. Meitzner et al. 1999, Neumann 1997)