Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Eremiten

Nutzungsbedingte Beeinträchtigungen des Eremiten können von der Forstwirtschaft ausgehen. Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Forstwirtschaft

  • Verhinderung des Zuwachsens besiedelter Bäume und ausgewählter Altbäume durch Bedränger. Besiedelte Altbäume sollten grundsätzlich in die Lage versetzt werden, ihre physiologische Altersgrenze zu erreichen, ergänzend sollen sich ausgewählte umgebende Altbäume zu Baumveteranen entwickeln dürfen. Speziell bei Eichen ist dies meist nicht ohne lenkende Eingriffe möglich, da diese auf den meisten Standorten schnellwüchsigeren Arten unterlegen sind. Gerade der Eiche kommt aber aufgrund ihrer hohen Lebenserwartung und Ausbildung sehr langlebiger Höhlen eine wesentliche Bedeutung für den Erhalt des Eremiten zu.
  • Erhaltung aller Höhlenbäume im Umkreis von 500 m zu besiedelten Bäumen
  • Erhaltung aller Brutbäume
  • Auswahl von Zukunftsbäumen im Umkreis von 300 m, insgesamt 10 Bäume (Brutbäume + Zukunftsbäume)/ha (analog Biotopbaumkonzept LWF Bayern, Neft 2006)

Allgemein gilt

  • Künstliches Schaffen von Höhlen bei dringendem Handlungsbedarf kann in Einzelfällen in Betracht gezogen werden, sollte aber stets als Sonderfall betrachtet werden. Vorrang kommt der systematischen Anreicherung der Bestände durch die konsequente Erhaltung natürlich entstehender geeigneter Bäume zu. Analog zur „forstlichen Qualitätsauslese“ Etablierung einer langfristig gesicherten „ökologischen Baumauslese“
  • Aufzucht von zufällig erhaltenen Larven und Aussetzen als erwachsene Käfer, z.B. nach unvermeidbaren Fällmaßnahmen oder Windwurf. Ein Verbringen der Larven in bestehende Höhlen ist in der Regel kontraproduktiv. Unbesiedelte Höhlen enthalten möglicherweise ungeeignetes Substrat und in besiedelten Höhlen käme es unter Umständen zu Kannibalismus infolge überhöhter Larvendichte (Brünner & Rummel 2006). In beiden Fällen würde man dem betreffenden Vorkommen mehr Schaden zufügen als Nutzen
  • Bei unvermeidlichen Baumfällungen Bäumstämme an geeigneter Stelle (möglichst bei vorhandenen Metapopulationen) senkrecht abstellen („Totholzpyramiden“). Auch Umpflanzungen ganzer Bäume wurden bereits vorgenommen; der Baum überlebt das zwar nicht, kann aber noch jahrelang Lebensraum eines Vorkommens sein

Sonstige Maßnahmen

  • Schneitelung von ehemaligen Schneitelbäumen und statische Sicherung bei Straßen und Parkbäumen (Schneitelung lässt schneller Höhlen entstehen, alte Nutzungsform aber wahrscheinlich nur in Schutzgebieten realistisch), keine Schneitelung im Wald
  • Regionale Besonderheiten sind bei der Anlage neuer Kopfbäume zu beachten. So macht beispielsweise das Anlegen von Kopfweidenbeständen als Ausgleichsmaßnahme oder zur Stützung der Eremitenvorkommen nur in jenen Regionen Sinn, wo die Art nachweislich entsprechend vorkommt (siehe Ökologie & Lebenszyklus). Gleiches gilt für die Anlage von Streuobstbeständen
  • Im Falle notwendiger Verkehrssicherung einem Rückschnitt/Entlastungsschnitt von Bäumen den Vorzug gegenüber Fällung geben
  • Verbindung bestehender Baumbestände durch Neupflanzung von Zukunftsbäumen künftiger Baumgenerationen (langfristige Sicherung der Lebensraumkontinuität). An geeigneten Orten (z.B. im Siedlungsumfeld) kann dies auch durch gezielt gepflanzte und gepflegte Streuobstbestände geschehen, die vergleichsweise schnell Höhlen ausbilden. Dadurch können in kritischen Bereichen Ersatz-, Ausweich-, Interimslebensräume geschaffen werden
  • Sukzessiver Ersatz von Bäumen in Alleen, Parks, Hudelandschaften (Zukunftsbäume, zeitliche Dimension mehr als 100 Jahre)