Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Alpenbock besiedelt in Deutschland regionalklimatisch und kleinklimatisch begünstigte Bergmischwälder in Kalkgebieten bis in subalpine Lagen (bis 1.600 m). Besiedelte Lokalitäten weisen eine S- oder W-Exposition auf (Bussler & Binner 2006). Die Art benötigt für einen langfristigen Erhalt ein dauerhaft vorhandenes, geeignetes Totholzangebot. Dies kann als Dauerbestand mit relativ gleichmäßiger Altersverteilung oder als Mosaik von unterschiedlich alten Baumbeständen vorliegen. In Deutschland sind bisher Rotbuche, Berg-, Spitz- und Feldahorn, Bergulme und Linde als Brutbaumarten bekannt. In Südeuropa besiedelt die Art auch das Flachland und nutzt hier ein breiteres Baumartenspektrum (Bense 1995). In den letzten Jahren gab es Hinweise auf eine mögliche Erweiterung des Baumartenspektrums bei mitteleuropäischen Vorkommen (vgl. dazu Ciach et al. 2007 und Cizek et al. 2009). Auch bei anderen Bockkäferarten mit einem relativ großen Verbreitungsgebiet ist eine engere Bindung in den mitteleuropäischen Vorkommen bekannt, obwohl in südeuropäischen Vorkommen ein wesentlich größeres Baumartenspektrum genutzt wird (vgl. Cerambyx cerdo). Zur Eiablage benötigt der Alpenbock sich trocken zersetzendes Totholz in besonnter Lage. Die Flugfähigkeit ermöglicht der Art auch mehrere hundert Meter entfernt stehende potenzielle Brutbäume erfolgreich zu besiedeln (Gatter 1997, Drag et al. 2011, Bense eig. Beob. der Ausbreitung am Albtrauf und im Oberen Donautal). Systematische Untersuchungen zur Ausbreitungsfähigkeit fehlen aber bisher.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Entwicklung der Larven im Holz vollzieht sich innerhalb von 2 bis 4 Jahren. Die Käfer haben wie andere große Bockkäfer eine Lebensdauer von 3-6 Wochen. Landnutzungsaktivitäten können sich sowohl auf die Larvalentwicklungszeit als auch auf die Aktivitätsphase der Käfer auswirken. Die Entwicklung der Larven kann sowohl im stehenden Totholz als auch im trocken liegenden Totholz erfolgreich vollzogen werden (Bense et al. 2003). Besiedelt werden Hölzer ab einem Durchmesser von etwa 20 cm. Über mehrere Generationen genutzte und besonders bruttaugliche Stämme weisen stets einen Durchmesser von über 50 cm auf. Durch forstwirtschaftliche Nutzung fehlen in der Regel solche toten starken Laubholzstämme in Wäldern, da kaum Bäume zum Absterben kommen und stehen bleiben. Zur Eiablage ist insbesondere Holz geeignet, das bereits durch abplatzende Rinde und Trockenrisse charakterisiert ist, in welche die Weibchen die Eier ablegen. Daneben werden bei gefällten Stämmen bereits früh, d.h. im ersten Jahr nach dem Einschlag, die schnell austrocknenden Schnittflächen zur Eiablage genutzt.

Alle Standorte, an denen die Art vorkommt, zeichnen sich durch einen lichten Baumbestand mit kleinklimatisch günstigen Bedingungen aus. Auf die Ausstattung und Gliederung von Waldflächen wirken sich forstwirtschaftliche Eingriffe direkt aus. Die besiedelten Lebensräume des Alpenbocks unterscheiden sich im Bezug auf den Kronenschluss der Baumwipfel und der Höhe des Unterwuchses von nicht besiedelten Waldflächen. So finden sich aktuelle und dauerhaft besiedelte Vorkommen vor allem in den kalkliebenden Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie Seggen-Buchenwald bzw. Orchideen-Buchenwald. Wichtig für den Alpenbock sind ein lückiger Baumbestand und wenig Unterwuchs, die eine ausreichende Besonnung des Holzes ermöglichen. Gezielte Durchforstung sowie behutsame Waldweide bestehender Waldbestände und eine weniger dichte Aufforstung künftiger Waldflächen kann die strukturellen Bedingungen für den Käfer verbessern. Der Alpenbock ist oft nur punktuell an wenigen oft kleinräumig gruppierten Bruthölzern (v.a. stehendes Brutholz) nachzuweisen, kann aber bei natürlichen Störungsereignissen mit einem erhöhten Angebot an Brutholz (Windwurf) auch größere Vorkommen auf kleinem Raum aufbauen. Insofern nimmt die Räumung von Laubhölzern auf Windwurfflächen dem Alpenbock direkt zukünftigen Lebensraum. Im Flachland werden zum Teil auch die Auwälder größerer Flüsse besiedelt (Tschechien), in denen eine vergleichbare Störungsdynamik beobachtet werden kann. Bei der Besiedlung von geeigneten Flächen können größere Waldbereiche aus Nadelholz eventuell als Barriere wirken.