Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Vorkommen der Sumpf-Siegwurz in Deutschland liegen im bayerischen Alpenvorland, in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz. Auffallend sind die eng begrenzte Verbreitung der Sumpf-Siegwurz und die großen Unterschiede hinsichtlich Populationsgröße und Besiedlungsdichte an den verschiedenen Wuchsorten. Die Vorkommen dieser Art sind räumlich stark voneinander isoliert. Daher kann jeder einzelne Wuchsort der Sumpf-Siegwurz als eine lokale Population betrachtet und abgegrenzt werden.

Gefährdungsursachen

Die Sumpf-Siegwurz ist hauptsächlich durch Lebensraumzerstörung, Flächenverlust und Nutzungswandel gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen der Land- und Forstwirtschaft können sich nachteilig auf das Vorkommen der Sumpf-Siegwurz auswirken:


  • Brachfallen von extensiv genutztem Grünland:
    • Verfilzen und Zuwachsen der Flächen
    • Überwucherung durch das Rohr-Pfeifengras
    • Beschattung der Pflanzen durch aufwachsende Sträucher und Bäume
  • Nährstoffanreicherung durch Düngung der Wuchsorte oder benachbarter Nutzflächen
  • Veränderungen des Wasserhaushalts durch z.B. Entwässerung von Quellbereichen, Absenkungen des Grundwasserspiegels an Niedermoorstandorten. Die Art kann Austrocknung zwar tolerieren, reagiert jedoch empfindlich auf die durch Entwässerung bedingte Auswaschung von Basen
  • Nutzungsintensivierung durch Düngung und intensive Beweidung oder Mahd vor dem ersten August
  • Zu frühe Beweidung von Frisch- und Feuchtwiesen (zu hoher Viehbesatz, zu lange Weidezeit), denn die Art ist weideempfindlich
  • Verdrängung durch konkurrenzkräftige Pflanzen (z.B. Pfeifengras, Schilf) bei Brachfallen oder regelmäßig später Mahd (ab dem 1. Oktober)

Beeinträchtigungen durch die Landwirtschaft, die heutzutage an den bekannten Wuchsorten der Sumpf-Siegwurz nur mehr eine geringe Rolle spielen:


  • Die Umwandlung von Extensivgrünland in Äcker
  • Aufforstung von Frisch-, Feucht- und Nasswiesen
  • Trockenlegen von Feuchtwiesen

Sonstige Gefährdungsursachen

  • Flächenverluste durch den Abbau von Kies
  • Festlegung von Schutt- und Geschiebehängen mit Vorkommen der Sumpf-Siegwurz in den umlagerungsreichen Bereichen
  • Überbauung von Feuchtgrünland (nicht mehr akut wirksame Gefährdung)
  • Übermäßiges Betreten und Befahren der Flächen
  • Zu frühe Pflegemahd der Wuchsorte vor dem spätsommerlichen Umfärben der Triebe (erfolgt zumeist im August)

Überblick zum Status der Art

SynonymeSumpf-Gladiole
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011)DD (Daten ungenügend)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007)Daten ungenügend, evtl. erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: unbekannt