Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Das Sumpf-Glanzkraut besitzt eine enge Bindung an basenreiche Flach- und Zwischenmoore. Dadurch sind Populationen in Flach- und Zwischenmooren sehr gut durch den Lebensraum an sich abgegrenzt. In Nordwest-Deutschland bilden die Dünentalkomplexe nach Experteneinschätzung (mit 500 m Abstand zwischen den Vorkommen) jeweils eine abgrenzbare lokale Population.

Gefährdungsursachen

Das Sumpf-Glanzkraut ist hauptsächlich durch Wasserstandsveränderungen in seinen Lebensräumen und durch Nutzungsveränderungen gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen der Land- und Forstwirtschaft sowie des Küstenschutzes können sich nachhaltig auf Vorkommen des Sumpf-Glanzkrauts auswirken:


  • Veränderungen des Wasserhaushaltes. Das Glanzkraut reagiert sehr empfindlich auch auf scheinbar nur geringfügige Änderungen der Bodenwasserstände durch:
    • Absenkung des Grundwasserspiegels
    • Entwässerung infolge von Anlage oder Ausbau von Entwässerungssystemen (Gräben)
    • Überstauung und dadurch ggf. bedingte Ablagerungen von Bodenmaterial
    • Änderungen in der Durchströmung des Moorwasserkörpers (z.B. Richtungsänderung)
    • Veränderungen in der Chemie des Moorwasserkörpers (Ca+, pH-Wert etc.)
  • Nährstoffanreicherung der Standorte und der Umgebung durch landwirtschaftliche Nutzung (auch durch Einträge über Luft/Wasser)
  • Fortschreitende Einwanderung von Schilf und Gehölzen (v.a. Schwarz-Erle, Faulbaum) in den Ersatzlebensräumen infolge zu geringer oder fehlender Bewirtschaftung bzw. Pflege
  • In flussbegleitenden Moorstandorten können Ablagerungen von Bodenmaterialien bei durch Menschen verursachten Überstauungen von über 2-3 cm schädigend wirken

Sonstige Gefährdungsursachen

  • Nährstoffeintrag durch jagdliche Aktivitäten (Kirrung, Fütterung) soweit es sich nicht um geschützte Biotope handelt (dort sind jagdliche Aktivitäten verboten)
  • Anlage von jagdlichen Einrichtungen an Wuchsorten (z.B. Hochsitze)
  • Mechanische Verdichtung oder Veränderung der Standorte durch die Verwendung von ungeeigneten Pflege-Geräten (z.B. Geräte mit zu hoher Bodenaufdrucklast)
  • An den ostfriesischen Wuchsorten an der Nordsee tritt eine Gefährdung durch Küstenschutzmaßnahmen ein, vor allem durch das Abschneiden basenreicher Dünentäler vom Hochwassergeschehen der Nordsee, z.B. durch vorgesetzte Querdämme
  • In Bayern besteht eine Gefährdung mancher Wuchsorte durch den Aufstau von Gewässern durch den Biber
  • Überstauung der Lebensräume über einen Zeitraum von mehreren Monaten (> 2)
  • Störung des Durchströmungscharakters (z.B. bei Vorkommen an alten Seeterrassen). Durch zu starke Erhöhung des angrenzenden Seewasserspiegels kann nährstoffreicheres Wasser einfließen. Gefährdend ist auch die Unterbindung oder Verminderung des Zustroms basenreichen Wassers in natürlicher Zustromrichtung oder Störungen des Quellwasserzustromes (z.B. in lokalen Einzugsgebieten von Hang- und Quellmooren)
  • Trittbelastung (z.B. durch Fotografen)

Überblick zum Status der Art

SynonymeTorf-Glanzkraut, Zwiebelorchis, Sumpf-Glanzstendel
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011)EN (Stark gefährdet)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007)Daten ungenügend, evtl. erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig – unzureichend